cottbus _ 1060 _ labyrinth

EINE Woche lang habe ich es ausgehalten. Habe den Platz unter der Schwarzkiefer genossen, das Rauschen des Windes, den Schutz vor dem Regen; habe in den Pausen vom Weben auf den Vorplatz des Museums geschaut, zugesehen wir die Pfützen wuchsen und wieder verschwanden, und die heruntergefallenen Nadeln braun und brauner wurden.

EINE WOCHE lang. Und die ganze Zeit habe ich gedacht: wie schön, und wie einfach und leicht es doch wäre, diese zufällig über dem Vorplatz verteilt liegenden Nadeln in eine bestimmte Form zu bringen….. ganz sachte, ganz vorsichtig, ganz leise…..

EINE WOCHE LANG habe ich mich zurückgehalten. Bis heute. Das ging es nicht mehr. Beim besten Willen nicht. Die Sonne kam raus und gab dem Nadelteppich einen kupferfarbenen Schimmer. Und ich dachte….. naja, ich dachte, warum nicht?

Ein Pop-Up-Labyrinth aus Schwarzkiefernadeln, vor dem KUKUmobil, das ist eine Gelegenheit, die man nicht immer hat. Und Gelegenheiten, die man nicht immer hat, sollte man nutzen, wenn sie sich einem bieten. Leise, die Hand hinhaltend…….

 

 

Mal sehen, ob es morgen noch da ist, oder ob der Wind damit spielt.

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cottbus _ 1059 _ KUKUMobil

Eine Woche Cottbus.

 

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cottbus _ 1058 _ KUKUmobil

Das Tagewerk

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cottbus _ 1057 _ KUKUmobil

Wo, wenn nicht in Cottbus, zum Dreiecke weben…… , das war der Kommentar eines Besuchers im KUKUmobil.

Wir haben uns lange unterhalten, über die Stadt, die Geschichte und Gegenwart, sogar ein wenig über die Zukunft, und über das KUKUmobil und mein Vorhaben. Und auch er hat mir einen Besuch des Fürst-Pückler-Parks ans Herz gelegt.

Jetzt warten wir nur noch auf gutes Wetter.

Und inzwischen bau ich meine eigenen kleinen Pyramiden…….

 

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cottbus _ 1056 _ KUKUmobil

Ein Moment von GLÜCK

Erste Nächte im KUKUmobil, eine regnerisch, eine windig. 60 cm Schlafkoje, auf der einen Seite die Wand, auf der anderen der Webstuhl. Neue Geräuschkulisse. Der erste Blick nach draußen. Hier:  auf die Schwarzkiefer und eine kleine Ecke Dieselkraftwerk.

Und das Bewußtsein, das sich langsam in mir ausbreitet: DAS IST ES ALSO, WAS DU SOOOO LANGE WOLLTEST!!! WAHNSINN!!!!

Und ich sammel meine ersten Erfahrungen:

# Diesmal war das Ausrichten des KUKUmobils wirklich sehr einfach und das technische Personal des Museums stand bereit um helfend Hand anzulegen. In einer Viertelstunde stand es.

# Fensterputzen. Wer hätte das gedacht. Nachdem ich Martin gefragt hatte, habe ich die Möglichkeit, das große Fenster mit einer Plane abzudecken verworfen. Es hätte nur geflattert, und uns mehr irritiert, als beruhigt. Also kam natürlich das ganze Spritzwasser ans Fenster. Fensterputzen wird also eine der ersten Arbeiten sein.

# Entzurren. 10 Zurrgurte haben auf dieser ersten Reise für die Ladungssicherung gesorgt (die vier aussen, die die Last des  KUKUmobils auf dem Anhänger sichern, mal ausgenommen). Die wollen alle gelöst und verstaut werden. Es ist alles gut gegangen. Ich habe mir etwas Sorgen gemacht, wie der Webstuhl das alles wohl verkraftet, aber bisher scheint es ihm gut zu gehen.

# Einrichten. Ja, und dann geht es darum, im Innern alles sinnvoll zu sortieren. Die Kisten mit „Bett“ und „Wäsche“ bilden einen Turm, „Technik“ und „Werkzeug“ den nächsten, und dann kommen die Garne. Ich hab noch nicht alle aus dem Atelier geräumt, aber doch schon den Großteil. Bisher sind 12 Kisten zusammengekommen, und ich glaube, ich hatte mein Material noch nie so ordentlich verstaut. Tja, wenn wenig Platz ist, dann ist Ordnung der Rettungsring um nicht im Chaos zu ertrinken!!!

# Kommunikation. Worüber ich mir noch Gedanken machen muss, ist wie ich im Winter die Menschen IN das KUKUmobil bekomme. Im Sommer wird das kein Problem sein. Dafür ist ja schließlich die Falt-Schiebe-Tür gedacht, die ich öffnen kann. Aber an solch kalt-nassen Tagen wie diesen ist es nicht so einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Immerhin hatte ich am ersten Tag 6 Besuche. 🙂 Das macht mich zuversichtlich!!!

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cottbus _ 1055 _ KUKUmobil

So, jetzt geht es los. Die erste Reise, das erste Gastspiel, die erste Erfahrung mit und in dem KUKUmobil.

Heute morgen habe ich alles gründlich verzurrt und verpackt. Martin hat das KUKUmobil sicher nach Cottbus gebracht. Drei Tage lang habe ich kaum geschlafen vor Sorgen, Aufregung, Nervosität und Freude. Gut, jemanden zur Seite zu haben, der die Gelassenheit einfängt, wenn sie einem selbst gerade abhanden zu gehen droht.

 

Jetzt steht es da, das KUKUmobil. Auf der einen Seite die geliebte Schwarzkiefer,  auf der anderen Seite das BLMK _ dem Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst.

Mal sehen, wie es sich bewährt als Teil dieses Ensembles. Morgen werde ich alles einrichten. Und dann geht es an die Arbeit. Deswegen bin ich ja schließlich hier, um zu weben.

Zwei Wochen wird das Gastspiel dauern. Mit etwas Glück schaffe ich es gerade, das Feb. ’23 aus der Webvorlage zu weben. Wenn ich das nicht schaffe, dann liegt es hoffentlich daran, dass so viele Menschen vorbeikommen und sich für das KUKUmobil interessieren, dass ich aus dem Erzählen gar nicht mehr rauskommen.

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berlin _ 1054 _ textil

Der Webstuhl ist vorbereitet und wartet auf den Entwurf. Seltsam, so „ins Blaue hinein“ zu arbeiten und die Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen.

Bisher geschehen: Die Höhe der Bildwirkerei ist entschieden. Und das Eingangsmotiv: ein Gedicht von einer meiner Lieblingslyrikerinnen, Hide Domin:

Nicht müde werden,
sondern dem Wunder leise,
wie einem Vogel,
die Hand hinhalten….

Es soll ich leiten durch die erste Zeit der Reise, voller Aufregungen, voller Erwartungen, voller Wunder. Möge es mir gelingen leise genug zu sein, um zu hören, was die Welt mir zu erzählen hat, und um die guten Geister nicht zu verscheuchen.

 

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berlin _ 1053 _ KUKUmobil

 

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berlin _ 1052 _ KUKUmobil

Erinnert ihr euch an das fürchterliche Quietschen bei der Jungfernfahrt des KUKUmobils? In meinem Bemühen um eine positive Sicht der Dinge hatte ich es damals mit dem Schrei des Neugeborenen verglichen, und das, obwohl das Quietschen bei mir alles andere als Glücksgefühle hervorgerufen hatte.

Martin hat das KUKUmobil dann trotz allem an seinen neuen Standort gebracht. Und ich war ihm sehr dankbar für seine Gelassenheit. Die Strecke war kurz, auf ebenem Boden liefen die Räder frei, nur wenn es in die Schräge ging, dann taten sie dem Ohr weh und sich schwer.

Wie schwer, das haben wir heute gesehen. Die Siebdruckplatten waren an den Stellen, an denen die Reifen sich an ihnen gerieben haben zum Großteil „weggeknabbert“. Damit hätten wir auf keinen Fall für eine längere Strecke auf die Straße gekonnt.

Zwei Wochen lang hatte ich dieses Quietschen im Ohr und im Magen. Zwei Wochen mit Regen, Kälte, Sorgen und Suchen. Die Reise nach Cottbus steht unmittelbar bevor. Alles mögliche ist mir durch den Kopf gegangen. Eine alternative Lösung fiel mir nicht ein, verschieben konnte und wollte ich nicht. Wäre das in meiner alten Wahlheimat im Norden Spaniens passiert, ich hätte gewußt, an wen ich mich um Hilfe wenden kann. Aber hier war ich zugegebenermaßen recht ratlos.

Bis Olaf heute kam. Es klingt gewaltig, ich sag es aber trotzdem: Er war heute mein Retter in der Not, hat sich Zeit genommen, gemeinsam mit mir nach einer Lösung gesucht, Werkzeug mitgebracht, mir gezeigt, wie es geht…. und es ging!!!!

Wir haben den Anhänger aufgebockt, die Räder eins nach dem anderen abmontiert, um von der Unterseite her Zugang zu bekommen zu der Siebdruckplatte, die wir für die Unterfütterung des Anhängers in den Rahmen gelegt hatten. Denn es war klar, die Räder brauchten mehr Raum als sie hatten. Und diesen Raum haben wir ihnen zurückgegeben.

Sehr großzügig haben wir über den Rädern mit einem Oszillator ein Stück aus der Siebdruckplatte herausgesägt. Sicherlich nichts womit man einen Schönheitswettbewerb gewinnen kann, und sicher auch keine Lösung für die Ewigkeit. Aber für die Fahrt nach Cottbus am kommenden Montag sollte es reichen. Und wenn im Frühjahr das Wetter besser wird, dann kann ich mir den Anhänger vornehmen und sehen, ob es eine bessere Lösung gibt.

 

Tja, und so habe ich ganz nebenbei eine kleine Übungsrunde im Radwechsel absolviert. Das kann sicherlich nicht schaden. Überhaupt wird es der ein oder anderen Übung bedürfen, das ist mir wieder mal bewußt geworden. Ich will mich dadurch nicht abschrecken lassen, denn wenn ich an all das gedacht hätte, was ich nicht kann oder nicht weiß oder noch nie gemacht habe, dann hätte ich mich auf diesem Pfad nie so weit gewagt.

 

Alles wird gut. Lösungen finden sich. Aber ich gebe es zu: mit der terminlichen Verpflichtung im Nacken ist es mir nicht ganz so leicht gefallen, gelassen zu bleiben. Auch das will geübt sein. Ich denke mal, dass ich dafür auf der Reise mehr als eine Gelegenheit bekommen werde.

 

Und damit geht der Schuster zurück an seinen Leisten und die Weberin an den Webstuhl. Das Dach kommt nach Cottbus. Jetzt gilt es erst einmal einzutauchen in das Reich der Fäden. Mit etwas Glück komme ich aus Cottbus mit der fertigen Webkante UND dem ersten gewebten Randelement zurück…… dem Anfangs-Datum, das ich immer einwebe in meine Teppiche, wie auch das Datum der Fertigstellung. Als Klammer umschließen sie die Erzählung.

 

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berlin _ 1051 _ fundstück

Neue Nachbarschaften !? __  III

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berlin _ 1050 _ KUKUmobil textil

Seit einer Woche ist die WanderndeWebWerkstatt jetzt in Betrieb, trotz der Kälte. In solchen Fällen ist Selbstvergessenheit immer noch die beste Heizung. Und sie funktioniert, glücklicherweise.

Glücklicherweise kommt es bei mir auch nur alle drei oder vier Jahre vor, dass ich den Webstuhl neu einrichten muss. Es ist nicht gerade der spannendste Teil der Bildwirkerei, aber möglicherweise einer der wichtigsten. Mein Lehrer sagte mir früher immer, eine gut aufgebrachte Kette ist der halbe Teppich. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass er recht hatte und ich nehme diese Zeit sehr ernst.

Aber wenn es dann soweit ist, wenn die über Tausend Kettfäden sortiert sind, straff gespannt und bereit, ihre tragende Rolle zu übernehmen….. wenn das Spiel mit den bunten Fäden in den Zwischenräumen beginnen kann, dann ist das ein herrliches Gefühl.

Eine Woche hat es jetzt gebraucht, unter anderem auch, weil die letzten Monate dazu geführt haben, dass ein Teil der Kette sich vertüddelt hatte und ich ihn erst einmal auseinanderklauben musste. Das sind dann immer die Momente, in denen ich mich so fühle wie ich denke, dass sich eine Schlange bei der Häutung fühlt: schutz- und wehrlos. Bitte nicht stören!!!

Morgen werden die Litzen geknüpft und dann  kann die eigentliche Arbeit beginnen. 1,96 cm breit (später hoch _ denn auch dieser Teppich wird um 90 Grad gedreht gewebt). Niemand, auch ich weiss nicht, wie lang. Also fragt mich nicht. Lasst mich erst einmal anfangen, dann sehen wir weiter.

 

Nichts auf der Welt ist so mächtig, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

(frei nach Victor Hugo)

 

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berlin _ 1049 _ KUKUmobil

EIGENTÜMLICHKEITEN

Tja, nun gibt es einen neuen Schlüssels an meinem Bund. Eigentümliches Gefühl. Es gab Zeiten, da war mir der Gedanke, Eigentum zu besitzen sehr, sehr fremd. Der erste große Schritt war der eigene Webstuhl.

Er hat es mir ermöglicht, meine Kunst so zu leben wie ich es in den letzten 25 Jahren getan habe, auch wenn das nicht immer einfach war, denn er war immer einer mehr, mit dem man zählen musste, im Raum und in der Zeit. Hunger hatte er keinen, und beklagt hat er sich nie, aber seine Präsenz war deutlich spürbar und hat viele der Entscheidungen, die wir in den vergangenen Jahren getroffen haben, mit geprägt.

Nun hat er sein  Zuhause gefunden und ich habe damit mein Eigentum erweitert um eine weitere Eigentümlichkeit.

Ich bin selbst gespannt, wie lange ich brauchen werde, bis ich die tatsächliche Tragweite erfasst und mich daran gewöhnt habe.

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berlin _ 1048 _ KUKUmobil

Neue Nachbarschaften

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berlin _ 1047 _ KUKUmobil

Heute habe ich die Kette vom Kettbaum abgewickelt, um zu sehen, wie lang sie noch ist. Nicht, dass ich auf einmal irgendwo stehe, und die Kette „aus“ ist.

5,7 m sind noch da. Anfang und Ende weggerechnet, bleiben gut 4,5 m. Das sollte reichen. Auch die Breite bleibt die gleiche: 1,90 m, das bedeutet bei 6 Fäden pro cm, also 1140 Fäden.

Ich weiss, das sind viele Zahlen die euch nichts sagen. Aber für mich ist es der erste Schritt, mich hineinzudenken in diese Bildwirkerei, die in den kommenden Jahren auf der Reise durch Europa entstehen wird.

Sollte ich sie ganz vollbringen, wird der Teppich wohl ungefähr das Mass des KUKUmobil-Fensters haben. Die 1,90 m hoch und irgendetwas um die 3,5 m breit. Das finde ich eine schöne Entsprechung.

Morgen schaffe ich es vielleicht, die Kette aufzuziehen und mit dem Knoten der Litzenschlaufen zu beginnen. Dann steht dem Weben der unteren Kante FAST nichts mehr im Wege.

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berlin _ 1046 _ KUKUmobil

Neue Nachbarschaften

 

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berlin _ 1045 _ KUKUmobil

Der erste Tag

Das ist der neue Blick aus dem KUKUmobil.

Noch muss ich ich erst einrichten, mich vertraut machen mit den Geräuschen, den Bewegungen, der Begrenztheit des Raumes, den Lichtverhältnissen, den Temperaturen…

Meine erste Aufgabe am Webstuhl wird sei, die vorhandene  Kette abzuwickeln, um zu sehen, wie lang sie ist. Irgendwann, vor vielen Jahren schon, habe ich sie aufgezogen und mit jedem Werk hat sie in Stück von sich gelassen. Damals dachte ich, es wäre die Kette meines Lebens, ausreichend lang, um die Zeit abzudecken, die ich noch aktiv sein kann/will/werde.

Das denke ich immer noch. Aber gerade zum neuen Jahr und an der Schwelle zu einem neuen Vorhaben ist es vielleicht nicht schlecht, noch einmal nachzusehen, wie viel mir da noch bleibt zum wirken.

 

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berlin _ 1044 _ KUKUmobil

DER GROSSE TAG _ Das KUKUmobil auf Jungfernfahrt

Der 01.Januar war schon ein besonderer Tag. Da zog der Webstuhl in das KUKUmobil ein. Aber jetzt, jetzt ist es  DER TAG, der ja irgendwann kommen sollte und kommen musste, herbeigesehnt und doch auch etwas melancholisch, wie das so ist mit Abschieden und Aufbrüchen. Erinnerungen aus der Vergangenheit wirbeln durcheinander mit Versprechungen aus der Zukunft. So wie die Begegnung zweier Flüsse, die ineinanderfließen.

7. Januar 2023, ein Tag nach dem Dreikönigstag. Ein Tag für den Kalender. Ein Samstag. Viel grau, streckenweise schüchtern-sonnig, aber wenigstens trocken.  Ganz still ist es auf dem Hof. Wochenende halt und noch immer ist eine kleine Benommenheit spürbar und das neue Jahr, mit all seiner Geschäftigkeit, scheint noch nicht so recht angekommen zu sein. Ein halbes Jahr haben wir uns sehr wohl gefühlt auf diesem Hof. Wie eine Gebärmutter hat er uns umschlossen und behütet, hat das KUKUmobil wachsen sehen, bis es „reif“ war. Jetzt ist der Moment gekommen,  gemeinsam die Welt zu erkunden. Voller Dankbarkeit gehen meine Gedanken zurück bis in den Mai, als Kai den Anhänger und das Holz für die Fassade brachte. So viele Stunden Planung und Umsetzung. So viele helfende Hände, … Und Gudrun, der ich nicht genug werde danken können für ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Energie……

Gudrun hat während der letzten Tage Stunden um Stunden gearbeitet, damit das KUKUmobil zwar nicht ganz vollendet, aber doch fahrbereit ist. Fast hätten wir uns wohl die Klinke in die Hand geben können, als sie das letzte Werkzeug einpackte und ich kam, um die letzten Vorbereitungen für die große Fahrt zu treffen.

Schön steht es da, in seiner schlichten Form. Fast fällt es nicht auf, dass die grüne Plane noch ein Provisorium ist, und das endgültige Dach noch fehlt. So schlägt das Grün noch ein letztes Mal die Brücke zur Rakete, die über ein halbes Jahr hinweg in engem, kollegialem Aufmerksamkeits-Wettbewerb zum KUKUmobil stand.

Für 11 Uhr habe ich mich mit dem Fahrer verabredet, ist der „Kreissaal“ sozusagen belegt. Uli soll dazukommen und Hilfestellung leisten, falls es sich erweist, dass mehr Körperkraft nötig ist, als die kleine Portion, die ich beisteuern kann. Berthild, die uns während der Bauzeit öfter mal besucht hat, immer mit einem Mitbringsel in der Tasche am Lenker ihres Tretrollers, hat sich auch heute angemeldet um den denkwürdigen Augenblick photographisch zu dokumentieren.

Um 10 Uhr habe ich dann die „Geburt“ eingeleitet. Die Nacht davor habe ich vor Aufregung kaum schlafen können. Dabei hatte ich mich nach langem Hin und Her und einem Blick auf das schrumpfende Budget doch dazu entschieden, ein Transportunternehmen zu kontaktieren. Über eine Empfehlung eines Mitglieds aus der FB Gruppe Tiny House Deutschland und einige Telefonate bin ich dann schließlich bei Martin Brunow gelandet (www.mb-autotrans.com). Als er mich am Freitagabend anrief, um den Termin zu bestätigen, ging es mir schon eine ganze Ecke besser. Es war klar: da kommt jemand, der weiß, was er tut. Darauf kann ich mich verlassen.

Wenn ihr also irgendwann mal jemanden sucht für einen Transport, der freundlich, geduldig und souverän dabei ist, dann meldet euch bei ihm: martin.brunow@gmail.com

 

Schritt 1: Das Nummernschild_

Endlich ist es also soweit, das KUKUmobil bekommt seinen offiziellen Namen und darf sich damit mit allen anderen Gefährten auf den Straßen der Welt tummeln.

Schritt 2: Den Anhänger rollbar machen _

Es ist an der Zeit, die Stützen unter dem Anhänger zu entfernen, also weg damit. Uli hat das Stützrad an der Deichsel so weit wie möglich gekurbelt, um den Anhänger etwas anzuheben und damit die Stützbeine so weit zu entlasten, dass wir sie wegkicken können.

 

Schritt 3 _ Zurren und Ratschen

Wer hätte gedacht, das ich mal mit so großer Selbstverständlichkeit Zurrgurtratschen bedienen würde, wie ich das sonst mit Gobelinpinnen tue. Vor einem Jahr musste ich noch lange darüber nachdenken, wie diese Dinger funktionieren und von welcher Seite denn nun dieser blöde Zurrgurt eingefädelt werden muss.

Das KUKUmobil hat im Innenraum 8 Fixierungspunkte für den Webstuhl. Damit sollte er gut abgesichert sein. Das werden wir gleich ausprobieren. Auch die große Fensteröffnung haben wir noch einmal mit einem Zurrgurtkreuz verstärkt. Dort soll später auch noch eine Schutzplane davor kommen, für die Reise auf den Straßen Europas.

Foto: Berthild Lorenz

 

Schritt 4 _ Martin kommt

Ja, Martin kommt, und mit ihm die Gelassenheit und Professionalität und … ein großes Auto. Ich hatte zwar vorher schon Fotos von den „Tatorten“ geschickt, aber nichts ist besser, als sich vor Ort umzuschauen. Das tat er und dann ging es gemeinsam ans Werk. Wir haben die Reifen auf ihren Druck überprüft. Das tat Not. Nach eineinhalb Jahre rumstehen und einem halben Jahr bebaut werden waren die froh, etwas Luft zu bekommen. Martin hatte seinen kleinen Kompressor dabei. Also war das schnell erledigt.

Eigentlich konnte es jetzt losgehen. Da das KUKUmobil mit der Deichsel nah am Container stand, musste es zuerst ein wenig mit Menschenkraft bewegt werden, bevor das Fahrzeug angekoppelt werden konnte. So richtig wollte es nicht ins Rollen kommen. Das war nicht eingeplant. Irgendetwas schien zu bremsen.

Erst das Quietschen brachte uns auf die Spur. Ihr erinnert euch vielleicht, dass wir den Bau des KUKUmobils „unter Null“  begonnen haben, nämlich mit der Unterfütterung der Anhängerplattform. Nun, mit voll aufgepumpten Reifen und vollem Gewicht von oben haben die Räder etwas zu wenig Spielraum. Wenn der Boden nicht ganz eben ist, oder das KUKUmobil nicht ganz ausgeglichen steht, dann kommt es zum leichten Kontakt zwischen Reifenprofil und Unterplatte.

Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet und mir wurde für eine Sekunde schwindelig. Gut, dass „Geburtshelfer“ Martin die Ruhe bewahrt hat und wir den Ausgleich zumindest so weit herstellen konnten, dass die Fahrt losgehen konnte. Aber definitiv werde ich mich damit auseinandersetzen müssen. Schon allein des Quietschens wegen. Doch das später. Eine Lösung wird sich schon finden. Stoßdämpfer einbauen, Dämmung teilrückbauen, kleinere Reifen aufziehen … ??? Gibt es noch kleinere Reifen??

 

Schritt 5 _ Raus aus dem Hof, rein in die Welt

Aber eins nach dem anderen. Für die kurze Strecke, die heute zurückzulegen ist, geht es.

Hört ihr das Quietschen?! Genau das meinte ich vorhin. Es geht. Mal. Aber nicht auf Dauer. Da ist es auch keine Lösung darauf zu hoffen, dass sich das Reifenprofil schnell abnutzt.

Aber wo ich schon das Bild der „Geburt“ bemüht habe, in der Hoffnung, euch auf diese Weise hineinzuholen  in meine Gefühlswelt an diesem Tag, diese besondere Mischung von Freude und Sorge, von Überraschung, Erwartung und Dankbarkeit, klingt es wie der erste Schrei. Es lebt!

Hallo Welt, wir sind bereit, dich voller Staunen zu bereisen, zu lernen, zu teilen, zu erzählen und zuzuhören…..

Foto: Berthild Lorenz

 

Schritt 6 _ Auf die Waage mit dir

Klar haben wir die ganze Zeit während der Bauens das Damoklesschwert der Gewichtsfrage über uns gespürt. Gudrun hat immer mal wieder durchgerechnet, wo wir stehen könnten/sollten, laut Materialverbrauch. Manche Holzplatte ist aus diesem Grund etwas dünner ausgefallen als ursprünglich geplant. Bei allem waren wir zuversichtlich und doch neugierig, wie schwer das KUKUmobil nun tatsächlich ist.

Da eine Fahrzeugwaage auf dem Weg lag und Martin sich bereit erklärt hat, diesen kleinen Schlenker zu tun, haben wir diese große Unbekannte gelüftet: 3,180 t sagt die Waage. Kurz hat es mich durchzuckt, weil ich irgendwie diese magischen 3 t im Kopf hatte. In meiner inneren Aufgewühltheit sah ich schon das nächste Problem auf mich zurollen, wie ein Wellenkamm auf stürmischer See.  Ein Blick auf den Fahrzeugschein hat mich beruhigt. Ich darf, nee der Anhänger darf 3,5 t. Also bleibt ein bisschen Luft, wenn auch nicht viel, denn im KUKUmobil ist gerade nichts zu viel, aber einiges fehlt noch: die letzte Schicht auf dem Dach, die Elektrobox, der Deichselkasten mit Inhalt, die Wolle, die Schlüpfer und meine Zahnbürste…..

Es wird also spannend  bleiben. Aber immerhin haben wir jetzt einen Richtwert und können mit der Koffer-, Brief- und Personenwaage weiterarbeiten. 🙂

 

Schritt 7 _ Das Ankommen am neuen Standort

Am Museum Kesselhaus standen Peter und Juanjo schon bereit für den Fall, dass helfende Hände von Nöten sein sollten. Dem war aber nicht so. Es hat alles wunderbar geklappt.

 

 

Nun steht es da, das KUKUmobil, in seinem neuen Umfeld, und neue Aufgaben warten auf mich:

– jemanden zu finden, der sich des Deichselkastens und der Fertigstellung des Daches annimmt;

– jemanden zu finden, der mir dabei helfen kann, das Quietschkonzert abzustellen;

und dann endlich:

– den Webstuhl vorzubereiten, die Reise nach Cottbus zu organisieren, die Route zu planen.

Jetzt brauche ich aber erst einmal etwas Zeit, um die Wogen in mir wieder zu glätten und etwas Luft zu holen.

 

Übrigens sind auch hier Besuche willkommen. Meldet euch bitte per Mail, weil ich noch keine Routine habe und die Zeiten sicherlich sehr unterschiedlich sein werden. Ich meine, auch von außen sieht es natürlich schön aus und der Herzberger Landschaftspark ist immer einen Besuch wert…. Ist nur, falls euch daran liegt, mich dort anzutreffen……

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berlin _ 1043 _ fundstück

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berlin _ 1042 _ fundstück

Nächstes Jahr auf ein Neues.

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berlin _ 1041 _ fundstück

Kollege

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berlin _ 1040 _ KUKUmobil

Die große Konjunktion:
Ein neues Jahr. Ein besonderer Tag.

Unter den gegebenen Umständen hätte es kaum besser kommen können: den ersten Tag eines neuen Jahres damit zu feiern, dass der Webstuhl sein neues Zuhause bezieht. Meine eigene kleine Zeitenwende:

DREI und zwanzig. Es kann kommen. Nicht, dass ich wirklich bereit wäre. Gut, ich bin bereit für die Gratwanderung, das Schwanken des Seils im Wind der Vorfreude und der Zweifel, des Wagemutes und der Angst vor der eigenen Courage.

Das Netz: einer guten Dosis Grundvertrauen.

Dazu sagt Wiki: es ist ein (unbewusst) vollzogener Akt des Sich-Einlassens auf den „letzten“ Halt – auf das, was sich einem als Seinsgrund gezeigt hat. Grundvertrauen bezieht sich immer auf das Erlebnis, dass es immer irgendwie weitergeht, und das Dasein  immer einen Grund hat, über das gesamte Leben.

Also packen wir’s an. Ich werde euch brauchen, denn allein schaff ich es nicht und allein will ich es auch gar nicht schaffen. Aber ich werde mein Bestes tun, um diesem Vorhaben einen positiven, konstruktiven, kreativen und verbindenden Sinn zu geben. Das ist mein Vorsatz für dieses Jahr. Die andern 12 Wünsche habe ich während der ersten Raunächte dem Universum übergeben. Für diesen Vorsatz bin ich selbst zuständig.

 

 

 

 

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berlin _ 1039 _ Fundstück

Von zweiten Chancen und kosmischer Energie

Einige Jahre habe ich gebraucht, bis ich das spanische Prinzip der „zweiten Chance“ in der Schule so richtig annehmen konnte: Vor dem Sommer werden dort die Noten verteilt, wie bei uns auch. Ein Damoklesschwert schwebt wochenlang über den Köpfen der jungen Menschen, in denen sie die Köpfe einziehen, bis sie mit dem halbjährlichen Bewertungszettel nach hause geschickt werden.

Ich erinnere mich an schlaflose Nächte, an Sorgen und ein Gefühl von Ohnmacht aus meiner Kindheit und Jugend. Versetzt, nicht versetzt. Versagen, Enttäuschungen, oder Freude. Ganze Biografien hingen an solch papierenen Schwertern.

Nun, in Spanien bekommen die Kinder und Jugendlichen auch ihre Noten vor dem Sommer. Aber dann haben sie Gelegenheit, den Sommer zu nutzen, um sich auf die zweite Chance vorzubereiten, die sie nach dem Sommer erwartet. Dann können sie sich noch einmal prüfen lassen und, mit Glück, Beharrlichkeit und Selbstvertrauen, die Versetzung doch noch zu schaffen. Im zweiten Anlauf eben.

 

Heute bin ich rausgegangen, immer noch etwas taumelnd, etwas benommen von dem großen Moment des Jahreswechsels, der energetisch selbst für diejenigen spürbar ist, die ihren eigenen Jahresübergang in der inneren Stille und Beschaulichkeit suchen und leben.

Das Schicksal hat mich auf einen Umweg zum Glaskontainer geführt, in dem ich all unsere leeren Sektflaschen versenken wollte. Ein kleiner Umweg, der mich an einer Geschenkkiste vorbeigeführt hat. Ich weiss, ich muss mich eigentlich daran gewöhnen, meinen Hang zum Sammeln  zu bändigen. Im KUKUmobil kann nicht so viel  mit.

Aber bei dieser Tasse konnte ich nicht widerstehen. Sie MUSSTE, sie wollte zu mir. Sie war schon einmal Objekt einer Kintsugi-Aktion gewesen, aber anscheinend hat sich die kosmische Energie verschoben. Jetzt ist sie bei mir. 

Mag sein, dass diese drei Frauen eine ganz andere Geschickte erzählen. Für mich sind sie die drei Schiksalsfrauen, die  drei Kräfte: Urd, Verdani und Skuld. Udr ist das, was aus Urzeiten zu uns wirkt. Verdandi symbolisiert Werden und Vergehen. Skuld ist das, was uns in der Zukunft erwartet.

Die Nornen bestimmen das Schicksal, das Leben, auch die Lebensdauer von Menschen und anderen Lebewesen und damit der ganzen Welt. Sie sind Geburtshelferinnen, sie helfen, das Alte zu überwinden und das Neue zu schaffen. Sie weben die Schicksalsfäden der Menschen und Götter. Sie haben große Ähnlichkeit mit den Parzen, den römischen Schicksalsgöttinnen, die den drei Moiren der griechischen Mythologie entsprechen.

Sie heute einzureihen in meine Sammlung von Fundstücken gilt mir als ermutigendes Zeichen für das eben begonnene neue Jahr. Gestern bin ich, aufgewühlt durch den Aufbau des Webstuhls im KUKUmobil, zwei Runden mit der leeren Berliner Ringbahn gefahren, mit einem Blick nach innen, und einem Blick nach außen, und den Zeilen von Rilkes Gedicht „Ich leben mein Leben“ im Herzen.

Auch hier, für die Langsamen, für die Zögerlichen, eine zweite Chance. Die Zeit zwischen dem Jahreswechsel der westlichen Welt und dem Jahreswechsel der chinesischen Kultur: das neue Jahr beginnt für die Chinesen am 22.Januar. 2023 ist das Jahr des Wasser-Hasen. „Mein“ Jahr. Im Sommer werde ich 60 Jahre alt, fünfmal hat sich das große Rad gedreht, fünf große Ringe sind vollbracht.

Dann beginnt ein neuer. Nie entsprachen diese Worte genauer meinem Lebensempfinden als in diesem Jahr, in dem auch die Reise mit dem KUKUmobil beginnen wird.

 

Ich lebe mein Leben

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke

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berlin _ 1038 _ KUKUmobil

Chocolate Blues _ Pepitas de cascara de cacao

Vorgestern war meine Freundin Dagmar mit zwei helfenden Händen da. Aufgabe: Linoleumboden zuschneiden und verlegen, wenn möglich verkleben.

Letzteres haben wir nicht geschafft. Wenn man solche Dinge wie Linoleumboden verlegen das erste Mal tut, dann hat Zeit eine andere Dimension. Dankenswerterweise hatte Gudrun die Rolle in den Heizungsraum gestellt, damit das Material sich entspannen und geschmeidiger für die Verarbeitung werden konnte.

Trotzdem hat es Zeit gebraucht, bis wir alles auf ein ungefähres Mass zugeschnitten hatten. Mit etwas Hin- und Hergezottel lag es dann irgendwann auch tatsächlich an dem für ihn vorgesehenen Platz.

 

Feinschnitt folgt. HEUTE!!!! Auch eine Art, das Jahr zu beenden. Und gar nicht mal die schlechteste. Kehren, säubern, kleben, schieben, dehnen, drücken – walken, eben, wie es im Wikipediabuche steht: Walken ist die wiederkehrende Verformung von elastischen oder plastischen Werkstoffen durch mechanisches Bearbeiten wie Kneten, Drücken oder Ziehen.

Ich bin dabei richtig ins Schwitzen gekommen… (auch, weil es heute draußen wirklich nicht kalt war und drin ein kleines Heizöfchen dafür gesorgt hat, dass der Linoleumboden sich wohlfühlt und ganz entspannt bleibt)…..  und außer Atem, das mag an meiner mangelnden Kondition liegen, oder am Alter, oder an beidem, oder daran, dass dieses Gewicht wirklich sauschwer ist. Ich hatte halt keine 50 kg-Walze, wie empfohlen wird. Das einzige, was mir zu „schwer“ und „Gewicht“ einfiel, waren die beiden Gewichte an der Säge, die normalerweise immer dann gebraucht werden, wenn Platten oder ähnliches zu beschweren sind, damit sie bei Sägen nicht verrutschen und gut am Anschlag liegen bleiben.

Jetzt bin ich vollkommen geschafft. Ich denke, das Ergebnis, auch wenn es nicht hundertprozentig perfekt ist, weil eben diese Walze fehlte, ist das beste, das ich erreichen konnte. Mühe habe ich mir jedenfalls gegeben.

Vorgestern hatte ich noch einen großen Widerstand gegen das Verkleben, u.a. auch weil man jetzt nicht mehr so leicht an die Fußbodenheizung heran kommt, sollte das mal erforderlich sein. Aber ich habe ich-weiss-nicht-wieviele Kommentare, Videos und Anleitungen geschaut und alle waren sich einig, dass Linoleum nicht nur verklebt, sondern „ganzflächig verklebt“ werden sollte.

Nun, jetzt ist es getan und morgen…..

… wie kann eine Weberin ein Jahr besser beginnen, als mit dem Einzug des Webstuhls in sein neues Heim.

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berlin _ 1037 _KUKUmobil

STAND AUF DER BAUSTELLE

Monatelang hat sie sich schützend über das KUKUmobil gelegt. Hat Wind und Wasser abgehalten. Nicht selten haben wir uns kleine Kämpfe mit ihr geliefert, um sie umzuschlagen, hochzuraffen oder sicher zu verzurren.

Jetzt haben wir sie ein letztes Mal runtergenommen. Eine Befreiung!!!! Das KUKUmobil braucht sie nicht mehr. Die Unterspannbahn schützt die Dämmung und nach und nach kommt die Konterlattung und die Fassade dran.

 

 

Aber so ganz wollen wir sie noch nicht verabschieden. Wir nehmen sie doppelt als provisorische Dachabdeckung, bis das eigentliche Blechdach angebracht wird.

 

Aber jetzt funktioniert sie erst einmal als Zwischenlösung. Im etwas kleineren Format. Auch die Zurrgurte liegen in ihren Vertiefungen, die Wirrfasermatte bedeckt das gesamte Dach.

 

Und der große Vorteil ist, dass man das KUKUmobil jetzt in seiner ganzen Schönheit betrachten kann.

 

 

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berlin _ 1036 _ fundstück

Ausblicke.

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berlin _ 1035 – fundstück

Irrungen und Wirrungen zum Jahresende, Als wenn es nicht anstrengend genug gewesen wäre, dieses 22. Mal sehen, was da jetzt so kommt. Ende 21 haben wir gedacht, es könnte nicht viel schlimmer für uns werden und haben teils zurückhaltend hoffnungsvoll teil pessimistisch-pragmatisch das neue Jahr begrüßt. Niemand hätte vor einem Jahr gedacht, dass es doch immer auch noch schlimmer kommen kann. Eine Lehre fürs Leben. Sie tut weh, hoffentlich bleibt sie uns in Erinnerung und wir lernen tatsächlich daraus.

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berlin _ 1034 – fundstück

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berlin _ 1033 _

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berlin _ 1032 _ KUKUmobil

Ein Gefühl von ….. Winter

Fast ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass wir mit dem Bau des KUKUmobils begonnen haben. Dabei haben wir noch bis vor wenigen Wochen im kurzärmligen T-Shirt gewerkelt und die im Laufe der Zeit angenehme Wärme der Sonne genossen, derselben Sonne, die im Sommer an so vielen Tagen so präsent gewesen ist, dass wir erst in den Nachmittagsstunden mit der Arbeit beginnen konnten und dann oft bis in die kühle Nacht hinein gebaut haben.

Und jetzt knirscht und klirrt es. Hineingeschlittert sind wir in den Winter. Dabei wäre es gerade dieses Jahr dankenswert, wenn er sich zurückhalten würde. Väterchen Frost. Auch, aber nicht nur, wegen des KUKUmobil-Baus, eher wegen der allgemeinen Stimmung und der Sorge, die viele Menschen umtreibt.

Unsere Baustellenausrüstung hat sich verändert. Zwiebeltaktik. Es sind einige Schichten dazugekommen. Irgendwie muss der Bau ja vorangehen, also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns gut einzupacken und die Tage zu nutzen, an denen die Sonne die Luft und die Seele wärmt. Und das Tonicwasser – Lieblingsgetränk in diesem Sommer – haben wir, der Empfehlung einer Freundin folgend, durch heiße Ingwer-Zitrone-Apfel-Shots abgelöst, in der Hoffnung, dass uns so eine Erkältung erspart bleibt.

Auch das KUKUmobil steht gut verpackt  im Hof. Solange wir die Unterspannbahn nicht anbringen konnten, musste es vor Nässe geschützt werden. Jetzt sind die Fenster drin, fehlt noch der Linoleumboden,  die Fassadenlattung, das Blechdach.

Und wir befragen jeden Tag – manchmal mehrmals – die Wettervorhersage, um zu sehen, wann denn wohl einige  Tage mit trockenem Wetter kommen mögen, essen unsere Teller leer, suchen jemanden, mit einem guten Draht nach oben…..

Ein Gefühl von ….. Heimatlosigkeit

Zur Feier Anfang November hatten wir den Webstuhl im KUKUmobil aufgebaut. Wenn schon nicht ganz fertig, dann wenigstens mit einem Schimmer von Zukunft.  Es war gut, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sein wird, wenn wir uns in unserer kleinen speziellen Dreieinigkeit  – Webstuhl, Wolle, Weberin  – auf den Weg durch Europa machen und diesen Raum auf Rädern teilen.

Ich war überrascht von dem Eindruck, den der Webstuhl im KUKUmobil macht: Jetzt, wo er ca. 70 cm hoch vor einem steht, wirkt er fast majestätisch. Ich musste mich selbst erst wieder hineinfinden in diese neue Situation.

Es passt. Im Innenraum fühlt es sich richtig gut an. Genau so, wie ich wollte. Der minimale, aber ausreichende Raum, den ich zum arbeiten brauch und mit der Energie fluten kann, die vom Webstuhl ausgeht, wenn wir drei, er und ich und die bunten Fäden miteinander spielen und gestalten…

So weit, so gut. Wunderbar also, zum arbeiten IM KUKUmobil. Nur zum arbeiten „AM“ KUKUmobil war es denkbar ungünstig, den Webstuhl mittendrin stehen zu haben. Ein paar Tage haben wir es ausgehalten, aber dann war klar, dass wir mehr Bewegungsfreiheit brauchten und er erst einmal wieder abgebaut werden musste.

Und genau da überkam es mich wieder, dieses Gefühl von Heimatlosigkeit. In den vergangenen Jahren ist es immer mächtiger geworden, dieses Gefühl, im luftleeren Raum zu sein, ohne Halt und Haftung, wenn der Webstuhl nicht aufgebaut ist.

Dabei ist es gar nicht mal ausschlaggebend, ob ich gerade an ihm arbeite. Es ist allein das Wissen darum, dass er irgendwo steht und auf mich wartet, bereit sein Bestes zu tun um mich in die Lage zu bringen, mein Bestes tun zu können. Diese Art von Symbiose zwischen Ding und Mensch, bei der eine besondere Ruhe, Langsamkeit und Energie entsteht. Die Bewegungen, die Geräusche, die Leere, die sich füllt, das Fühlen der losen Garne und das Betrachten des festen Gewebes, das aus ihnen entsteht. Für mich wie ein Dynamo beim Fahrrad. Solange es in Bewegung bleibt, macht er Licht.

 

Seit einem halben Jahr halte ich die Fäden nicht mehr in der Hand und ich merke langsam, wie sehr es mich anstrengt, diese Schwebe auszuhalten.

 

Ein Gefühl von ….. Fremdheit

Die Schwebe … und die Fremdheit. Bei aller Begeisterung für das Erlebte, für die Einblicke, die ich machen darf in eine mir unbekannte Welt des Bauens, für die Erfahrungen, die damit verbunden sind, mit einem neuen Material, mit neuem Werkzeug, mit neuen Arbeitsabläufen umzugehen… bei all der Begeisterung hautnah miterleben zu können, wie das KUKUmobil Wirklichkeit wird und mitwirken zu können an seinem Entstehen begleitet mich doch immer ein Gefühl der Fremdheit.

Wie anders sie doch ist, diese Welt der Arbeit mit Holz. Gut, es gibt ein grundlegendes Verständnis von dem, was Handwerk bedeutet, egal mit welchem Material man arbeitet. Aber ab da ist alles anders, alles fremd.

Das höchste aller Bau-Gefühle war bei mir bisher alles, was ich aus Latten zusammenzimmern konnte: Regale, Hochbetten, Stellrahmen bei den Ausstellungen. Alles immer gedacht, geplant und umgesetzt aus der Begrenztheit heraus: der Körperkraft, der Erfahrung, der Verfügbarkeit von Raum und Werkzeug. Alle Teile konnte ich alleine bewegen, alles wurde per Hand bearbeitet, zumindest bis der Akkuschrauber auftauchte.

Ich habe mir Mühe gegeben, mich anzufreunden mit dieser Fremdheit. Es ist mir nur teilweise gelungen. Vieles von dem, was man tut, was wir getan haben, wird durch die Wegnahme von Material erreicht: es wird gehobelt, gesägt, geschnitten, es wird gebohrt, gefast, gestemmt…… Vieles ist mit Kraftaufwand verbunden, oder doch zumindest mit einer gewissen Vehemenz, irgendwie mächtig, gewaltig. Das empfinde ich als schmerzhaft. Weit weg von der Langsamkeit der Arbeit am Webstuhl, der Weichheit und Schmiegsamkeit der Garne, dem Entstehen durch das Füllen der Leere zwischen den Kettfadenzwischenräume.

Kurzum, ihr merkt es: ich vermisse das Weben.

 

Ein Gefühl von….. Unermesslichkeit

Ein halbes Jahr lang war ein kleines Stück Himmel unser Dach. Es war ein schönes Gefühl, seine überschaubare Unermesslichkeit zu bestaunen und oft auch die vielen unterschiedlichen Momente einzufangen: Wolkenberge, Abendröten und Vollmonde.

Zum Ende des Jahres wird das KUKUmobil den Standort wechseln. Großzügigerweise durfte es viel länger auf dem Hof stehen, als es eigentlich abgesprochen war. Die erste Bauzeit umfasste 4 Monate, von Juli bis September.  Jetzt ist das halbe Jahr vorüber. Der neue Standort ist schon gefunden.

 

Sobald das KUKUmobil gut angekommen ist und ich mich an dem neuen Ort ein wenig eingerichtet habe, werde ich mich bei euch melden.

Das Stückchen Himmel, das mir so vertraut geworden ist, mit seinen sehr speziellen Konturen, werde ich vermissen.

 

 

 

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berlin _ 1031 _ fundstück

Es ist schön, immer mal wieder von hier oder dort etwas ans Herz gelegt zu bekommen, weil jemand den Faden auffängt der uns miteinander und mich mit der Weberei verbindet.

Diesmal hat Lea den Faden aufgefangen und mit das Knäuel musikalisch zugespielt.

Joshua Burnside ist ein irischer Musiker. Dieses Lied, „Woven“, stammt aus dem Album „Late afternoon in the meadow“.

 

 

Woven through your head
Like black thread
Tangling up
Everything you think
I wanna snip it
Roll it in a ball for
A kitten to play with
Stretched out on the floor

And the days are long
And the nights are longer
I’m sorry if I were Kronos
I would eat you up
You could live inside me
Warm and safe
Like a baby
Never born
Never dies
Like a baby
Never born
That never dies

In the hours like
Boulders you can’t shift are
Piling up above you
‚Til the light is gone
And the seasons
Creep along so slowly
Like an elephant lonely
Lumbering on

I wanna pull you up
From this well
So damp, dark, and deep
And wrap you
In a tinfoil sheet
With a coffee in a paper cut
To warm your heavy bones
As they cave

Saying I’m okay
I’m coming home today
Just tell ‚em I’m okay
I’m coming home today

Mehr zum Autor: http://www.joshuaburnside.com/

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