FB erinnert mich, gut so. Bei allem, was danach geschehen ist, hätte ich gedacht, dass es weiter zurück liegt in der Zeit, als die zwei Jahre. Wie auch immer, es ist eine Erinnerung, die ich gerne noch einmal mit euch teile. ÜBRIGENS: Im November wird es wieder eine Zusammenarbeit mit einem Museum geben, dem Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst, BLMK, in Cottbus. Darauf freue ich mich ganz besonders, weil das wahrscheinlich der erste „offizielle“ Einsatz für das KUKUmobil sein wird.
Das VIDEO mit der kleinen Begrüßungsansprache findet ihr HIER. und einige Eindrücke zum Tag HIER.
Letzten Sonntag haben wir ein paar gemütliche Stunden am zukünftigen KUKUmobil Bauplatz verbracht. Einige von euch kennen ihn ja schon, ich hatte ein Foto veröffentlicht, als wir den Hänger dorthin gebracht hatten.
Zugegebenermaßen war ich fast etwas neidisch, weil die Rakete so viel Neugier geweckt hat. Aber eigentlich kann ich das gut nachvollziehen. Es würde mir wohl nicht anders gehen, wenn es nicht der Anhänger für mein KUKUmobil wäre, der dort stehen würde. Ist schon ein schönes Teil und es fühlt sich gut an, sie in der Nachbarschaft stehen zu haben. Ist wie ein Versprechen: Alles geht, wenn man will.
Am Sonntag kam dann das Material für die Fassade, das ich ja schon lange gekauft hatte und dass bei Kai im hohen Norden Unterschlupf gefunden hatte. Nun liegt es bereit und wartet darauf, dass wir es bearbeiten.
Wir machen uns viele Gedanken darüber, wie wir das KUKUmobil möglichst nachhaltig bauen können, welche Materialien, welche Techniken wir verwenden, aber auch wie rückbaubar oder wiederverwendbar es sein soll.
Das Holz für die Fassade wollen wir flämmen. Geflämmtes Holz nennt man auch Seidenholz, was ich natürlich besonders passend finde. Es schimmert geheimnisvoll Schwarz und Silber, glänzt seidig und die Oberfläche wirkt weich wie Samt. Edel und archaisch, halt.
Der Effekt entsteht durch eine spezielle Handwerksmethode des Holzschutzes: flächiges Ankohlen von Holz ist eine sehr alte Technik der Materialbehandlung. Das gezielte Verbrennen verdichtet und schützt die Holzzellen vor Schädlingen, Schimmelpilzen, Wasser und Verwitterung.
Tja, und so saßen wir, Gudrun und ich, den Sonntag über gemütlich im Hof, haben uns Gedanken gemacht, über Gott und die Welt und das KUKUmobil, haben die Atmosphäre genossen, ich habe mich hineingefühlt in diesen neuen Ort, der in den kommenden Monaten so wichtig für mich werden wird. Die Gebärmutter meiner Wandernden WebWerkstatt.
Ich bin auch direkt noch einmal auf Tuchfühlung gegangen. An der KMH stand der Anhänger immer beladen mit einem zweiten, kürzeren. Ich hatte ihn nie frei von Last gesehen.
Jetzt konnte ich mich das erste Mal so richtig austoben und ein Gefühl für seine Dimensionen bekommen. Auch da haben wir ja viel hin und her überlegt. Es fing ganz klein an, als Haube für den Webstuhl.
Dann kamen erste Stimmen aus dem Umfeld: wenn du schon,….. warum dann nicht…… einen Meter mehr merkt man kaum, bei Rangieren….. Höhe ist immer gut, dann kannst du…….. Fast hab ich mich überzeugen lassen, zwischenzeitlich war das KUKUmobil tatsächlich 7 m lang, 2,5 m breit und wäre wahrscheinlich auch 3,9 m hoch geworden, schon allein um die Verhältnismäßigkeit zu gewährleisten.
Aber dann kam ein Moment der Besinnung, und meine innere Stimme wurde wieder vernehmbar. Sie erzählte mir von meinem Maß der Dinge.
Gemeinsam mit Gudrun und Kathi habe ich darüber nachgedacht, wo die roten Linien sind: was mindestens sein muss, was sein könnte und was eigentlich gar nicht wichtig ist.
Und so sind wir wieder bei den 5 x 2,2 x ca. 3,6 m gelandet. Das fühlt sich so an, als könnte ich in der Lage sein, es mit meiner Energie auszufüllen.
So, er ist fertig. Eine interessante Erfahrung, diese Aufarbeitung der Restgarnmischungen.
Beide Werke nebeneinander zu sehen, wird mir Freude machen. So weit, so gut. Aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Wer hätte das gedacht, denn diesem Epilog wird wohl, wenn ich konsequent bleiben möchte, ein Post-Epilog folgen müssen. Never ending stotry, halt. Denn es gibt immer noch Pinnen mit Farbmischungen.
40 x 20? 36 x 18? Mal sehen, wie sich die Farbflächen jetzt sortieren. Mir macht dieser Prozess gerade extrem viel Spaß und ich finde ihn ausgesprochen textil.
Erinnert mich auf der einen Seite und im Rückkehrschluss an das Anstricken bei zu klein gewordenen Pullovern oder das Auslassens von Abnähern bei zu eng gewordenen Kleidern; aber auch an die immer mit einer Flächeneinbuße verbundene Weiterverwendung von Tischdecken und Bettwäsche, die zu Handtücher werden, dann zu Geschirrtüchern, zu Taschentüchern, zu Putzlappen und zum Schluss immer noch gut sind, um die verdreckten Fahrteile zu säubern. Dabei werden immer die noch „guten“ Stücke gerettet. Und die werden naturgemäß immer kleiner.
Irgendwann wird auch bei diesem Projekt Schluss sein. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Manchmal sind es die Erinnerungen, die einem Mut machen in die Zukunft zu schauen.
Das Video ist leider nur in spanischer Sprache verfügbar. Es entstand im Dezember 2009 anläßlich der Ausstellung, mit der dieses einjährige Ausbildungsprojekt seinen Abschluß fand. Ein Versuch, Erlebtes und Gewebtes aus der Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren und hin und wieder darauf zurückgreifen zu können, um neue Luft zu schöpfen und neue Energie zu tanken.
Vergangenes Wochenende hat ein weiterer Bildwirkerei-Kurs an der VHS Tempelhof-Schöneberg stattgefunden. Und auch diesmal gilt es von schönen Arbeiten zu erzählen, die an den Webrahmen entstanden sind.
Seit einiger Zeit haben diese Kurse eine andere Dynamik angenommen, was mich sehr freut. Bei den ersten Malen waren sie geprägt von der Knappheit der Zeit. In den 15 Stunden, die uns an solch einem Wochenende zur Verfügung standen, war es an mir schnellstmöglich das richtige Gefühl dafür zu bekommen, wie sich jede der Teilnehmenden die Welt der Weberei und der Fäden an einfachsten erschließen könnte, ob sie ein eher logischer oder intuitiv Mensch ist, ob geduldig oder eher nicht; ob entscheidungsfreudig oder zögerlich, und wo die eigenen Ansprüche und Erwartungen liegen. Denn mein Ziel war und ist es ja, die kleine Flamme der Leidenschaft zu entfachen, die Freude an der Langsamkeit des Entstehungsprozesses, an der Konzentration und der Komplexität, der Haptik und der Technik.
Dann ging es im gemeinsamen Gespräch darum, abzuwägen, ob komplizierte Entwürfe vereinfacht werden sollten, oder ganz im Gegenteil, ob man sich nicht mehr zutrauen könne, indem man das ein oder andere Element dazunähme; oder, im Idealfall, sich die Tür offen läßt, sowohl für das eine als auch für das andere.
Dabei saß immer die Zeit im Nacken, eine sehr kurze Zeit, wenn man die der Bildwirkerei innewohnende Langsamkeit berücksichtigt. Und natürlich wollte auch ich, dass alle am Ende des Wochenendes mit einem zwar kleinen aber feinen Werk nachhause gehen.
Inzwischen ist es so, dass ein Großteil der Teilnehmenden nicht nur einen, sondern zwei oder sogar drei Kurse belegt. Dadurch ergibt sich für diejenigen, die etwas tiefer einsteigen wollen, auch die Möglichkeit einen etwas anspruchsvolleren Entwurf umzusetzen. Wer sich sicher genug fühlt, kann sich auch gerne den Webrahmen ausleihen, und zuhause weiterweben.
Das bringt mehr Ruhe in den Kurs, vor allem in den Sonntag, der sonst immer von der Anspannung beherrscht war, ob die Zeit reicht, das Werk zu vollenden.
An dieser Stelle noch einmal mein Dank an Steffi, Angela, Astrid, Christine, Maren und Leandra für ihre Neugier und ihr konzentriertes Schaffen.
Falls ihr Interesse habt: es gibt zwei Sommer-Wochenendkurse, Mitte Juli und Anfang August. In beiden Kursen sind noch einige Plätze frei. Weiter Info findet ihr auf der Website der VHS Tempelhof-Schöneberg.
Jetzt ist es soweit. Es wird offiziell!!! Der Plan steht, und der Anhänger auch.
Am vergangenen Wochenende ist er am Bauplatz angekommen. Ich bin so was von aufgeregt, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Schön sieht es aus dort, neben der Rakete. Es wird richtig gut! Das weiss ich, weil ich es mir vorgenommen habe und weil ich weiss, dass ich nicht die einzige bin. Oder?!!!
# Ein RICHTIG GROSSES DING
Für meine Art zu Sein, zu Leben und zu Arbeiten, ist das, was in den nächsten Monaten kommt, ein RICHTIG GROSSES DING! Damit meine ich nicht nur den Bau des KUKUMobils. Das würde ich eh ohne die Planung und Durchführung von Gudrun und die Unterstützung von Kathi und allen anderen helfenden Händen die dazukommen mögen nicht schaffen.
Auch mit solch in meinen Ohren unglaublich groß klingenden Beträgen umzugehen, ist für mich eine Herausforderung, die mir durchaus einiges abverlangt, vor allem eine stete Vermittlung zwischen Kopf und Bauch. Es ist das Ungewohnte. Auch Geld ausgeben will geübt sein. 🙂 Und es trotzdem oder gerade jetzt zu tun, wo so viele von uns sorgenvoll in die Zukunft schauen, macht es auch nicht wirklich einfacher. Auch das schaffe ich nur, weil andere, in diesem Fall unsere kleine Bedarfsgemeinschaft, bereit sind, die Konsequenzen mitzutragen, die sich daraus ergeben können.
Und selbst für mich, die ich ja eigentlich schnell meine sieben Sachen beisammen hab, und mich gerne an einen neuen, Ort begebe, die Fremd-sein nicht mit etwas negativem verbindet, sonder erst einmal nur als Fakt wahrnimmt, ist der Umfang der Reise in Zeit und Raum kein Pappenstiel. Aber drum geht es ja: Grenzen auszuloten, neue Formate auszuprobieren……
# LUST, MIT DABEI ZU SEIN…..
Mein erklärtes Ziel: Ich möchte mit diesem Vorhaben Gemeinschaft sichtbar und erlebbar machen. Vertrauen, Gleichwertigkeit, Wertschätzung, Selbstwirksamkeit sind Werte, die mir wichtig sind. Sie sollen auch dieses Vorhaben stark machen. Das will und kann ich nicht alleine. Das will und kann ich nur mit euch zusammen.
Die „verrückte“ Idee ist auf meinem Mist gewachsen, und gerne gebe ich meine Lebenszeit und Lebenserfahrung, mein Durchhaltevermögen und meine Liebe zum Wandern und den Menschen, um diese Idee so weit in die Welt zu tragen, wie es geht. Aber das wird nicht reichen.
Deshalb hoffe ich sehr, dass es mir gelingt, euch so sehr für dieses Vorhaben zu begeistern, dass ihr nicht nur den Blog lesen wollt. Nicht, das dass nicht wichtig wäre, denn so bleibt ihr auf dem Laufenden, könnt darüber berichten, es weitererzählen und entscheiden, wann und wie ihr euch vielleicht auch noch anders einbringen könnt und wollt.
Sägend, schraubend, lachend, streichend und kochend; fotografierend, aufmunternd, schreibend und übersetzend; programmierend, filmend, finanzierend und beruhigend; vorschlagend, schiebend, ziehend und ermutigend, ……. mitreisend?
Ihr seht, auch hier sind der Fantasie und den Möglichkeiten nur sehr wenige Grenzen gesetzt. Ich freu mich jetzt schon auf euch.
Meldet euch gerne!!! Über Kommentare freu ich mich übrigens auch!!
Es scheint schwer, alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Aber die Ansage ist schon recht mächtig. Ob dadurch die Bereitschaft zur Ausdehnung des Wiesenschutzes bei der Nachbarschaft steigt, ist fraglich. Ich würde mir wünschen, wir würden besser darin werden, das richtige Mass der Dinge in uns selbst zu finden und eng mit dem gesunden Menschenverstand zu verknüpfen, von dem ich nach wie vor glaube, dass es ihn gibt und das gesund für „nicht nur gut für mich sondern auch für die Gemeinschaft zu der ich gehöre“ steht. Dann bräuchten wir solche Hinweise vielleicht nicht, nicht so. Wir würden alle verstehen worum es geht und sehr liquide, sanft und leise mit solchen Situationen umgehen (können).
Die Arbeit am Webstuhl geht weiter. Zwar werden am Ende tatsächlich immer noch einige „bewickelte“ Pinnen übrig bleiben, aber ein Großteil der nach dem Okapi übriggebliebenen Fadenmischungen hat im EPILOG seinen Platz gefunden.
Ich bin angetan von diesem Prozess, nicht nur dem künstlerisch-handwerklichen (obwohl mir das Webstück gut gefällt), sondern auch dem, der sich in meinem Innern durch das langsame, bewußte „Sich Abnabeln“ in Gang gesetzt hat.
Vor einigen Tagen, im Zusammenhang mit der Bauplanung des KUKUmobils, hat uns eine „Schiebefalttürbesichtigung“ nach Köpenick geführt. Bei einem Kunden von Lacuna, dem dänischen Hersteller, der bei uns ganz oben auf der Liste steht, konnten wir uns solch eine Tür anschauen und ich mir nicht nur ein konkretes Bild davon machen, wie es aussehen könnte, wenn sie im KUKUmobil sitzt, sondern auch ein Gefühl dafür bekommen, wie es sein wird, wenn ich solch eine Tür tagtäglich auf meiner Reise betätigen würde.
Spannend war aber auch das Gespräch. Da ging es um Ausstellungen, um Kunst und Handwerk, um dänische Webschulen, um Reisen, um verrückte Ideen, um Freundschaften….. und um Bücher, in denen darüber erzählt wird.
Anhängerkupplung gesucht!
Holländer und ihre Wohnwagen – ein typisches Bild. Doch Tjerk Ridder und Peter Bijl toppen das Klischee. Gemeinsam mit Dackeldame Dachs trampen sie drei Monate lang mit einem Wohnwagen quer durch Europa – und zwar ohne Auto! Ein kurioser Roadtrip. Doch es geht um weit mehr als eine abenteuerliche Reise. Auf ihrem Weg von Utrecht nach Istanbul sind sie ganz auf andere angewiesen: auf Autofahrer, die sie ein Stück mitziehen, auf Tankstellenbesitzer, die eine Dusche spendieren oder ein warmes Croissant. Man braucht andere, um voranzukommen, lautet das Motto und die Lebensphilosophie der beiden. Ein Buch voller inspirierender Geschichten und Fotos, warmherzig und etwas verrückt. Zum Schmökern, Schmunzeln und Träumen. Mit einem Vorwort von Hermann van Veen.
Ich bin begeistert, dass es solche Erfahrungen gibt, dass es funktionieren kann!!! Das beruhigt die Angst vor der eigenen Courage, das macht Mut! Toll!!!
Am kommenden Freitag findet der nächste Bildwirkerei-Kurs in der VHS Tempelhof-Schöneberg statt. Wie immer wird es ein intensives und hoffentlich für alle bereicherndes Wochenende werden. Ich freu mich – wie jedes mal – auf die Möglichkeit, andere für die Welt der Fäden zu begeistern.
Hier einige Eindrücke aus dem letzten Kurs. Sie zeigen, wie vielseitig die Bildwirkerei auch in diesem kleinen Format sein kann.
Falls ihr neugierig geworden seid: Im Juni und Juli wird es weitere Kurse geben. Genaue Termine und weitere Information findet ihr auf der Seite der Berliner VHS.
Every first saturday of may, the The Labyrinth Society, an international group of labyrinth enthusiasts whose mission is to support all those who create, maintain and use labyrinths, and to serve the global community by providing education, networking and opportunities to experience transformation, invites people all over the world to walk through a labyrinth with a shared intention for peace.
Several years ago, I started to create labyrinths, sometimes big ones, other times really small ones. But all of them had and have the same goal: to meditate about the path of life.
Dieses Jahr bin ich mir nicht sicher, ob ich Zeit und Gelegenheit haben werde, aktiv am Weltlabyrinthtag teilzunehmen, bauend oder begehend. Denn an diesem Wochenende steht ein VHS-Kurs auf dem Programm, auf den ich mich sehr freue, wie immer, wenn ich die Gelegenheit habe, andere Menschen für meine Welt der Fäden zu begeistern.
Aber ich möchte euch einladen.
In Berlin kenne ich zumindest zwei Labyrinthe, eins in den Gärten der Welt, ein kleines etwas verstecktes im Landschaftspark Herzberge (Lichtenberg) und auf der Seite der Begehbaren Labyrinthe in Deutschland findet sich Information zu Labyrinthen an anderen Orten.
Probiert es aus. Es muss nichts Besonderes sein. Labyrinthe können aus allem entstehen, was uns umgibt, sie können groß sein, oder klein, beständig oder vergänglich.
Es macht erst einmal und vor allem Spaß. Und dann ist es eine ganz besondere Erfahrung, die, wenn man sich darauf einlässt, ein neues Gefühl gibt für Lebenswege und wie wir sie gehen und wahrnehmen, wie wir sie teilen und mitteilen. Ich bin dem Schicksal dankbar, diesem Symbol begegnet zu sein. Es hilft mir, mein Verweilen auf dieser Welt zu verstehen und mich besser zu verorten.
Solche Tage laden natürlich immer wieder dazu ein, einen Rückblick zu tun, Erinnerungen hervorzuholen und mit Überraschung festzustellen, wie viel oder wie wenig aus der Vergangenheit noch in uns lebendig ist.
FAST wäre gestern der Welttag des Buches seiten- und zeilenlos an mir vorübergegangen. Aber eben nur FAST. Denn am Nachmittag habe ich unerwarteterweise von einem Freund ein Buch geschenkt bekommen:
Eine „Enzyklopädie der weiblichen Handarbeit“. Von Thérèse de Dillmont im Jahr 1886 verfasst.
Sich selbst beschreibt es als ein Buch mit englischem Einband und Goldschnitt im Taschenformat. 750 Seiten mit 1107 Holzschnitten und 17 farbigen Tafeln, 20 Kapitel enthaltend.
Eine kleine Bibel der Nadelarbeit. Kompakt. Konkret. Kostbar.
Ich bewundere Menschen, die bereit sind, mit liebevoller Sorgfalt und beharrlicher Gründlichkeit bestehendes Wissen zusammenzutragen, zu sortieren, und somit für die Gemeinschaft zugänglich und dadurch erlern- und nutzbar zu machen und zu (er)halten.
Nun wird diese kleine Kostbarkeit mit mir auf Reisen gehen. Immer mal wieder werde ich einen Blick hinein tun und Neues lernen.
Gestern habe ich damit angefangen. Beim Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses ist mein Blick an einem mir bis gestern unbekannten Begriff hängen geblieben: Frivolitätenarbeiten.
Laut Duden bezeichnet man mit Frivolität:
eine mit sexueller Anspielung versehene Mehrdeutigkeit meist schlüpfrigen Charakters
eine mit einem Schiffchen hergestellte Handarbeit in der Spitzenmacherei, auch Okkispitze genannt. Diese Handarbeit wird auch Schiffchenarbeit oder Frivolitätenarbeit genannt. Auf einer Fadenschlinge werden dichte Knoten aufgereiht und zu kleinen Bogen und Ringen vereinigt. Dabei ist der Arbeitsfaden auf Schiffchen aufgespult.
Tja, man lernt eben NIE aus.
In diesem Sinne: möge es für uns alle viele Tage des Buches geben, nicht nur im April. Nehmt euch Zeit, genießt es einzutauchen in andere Welten…. des Wissens, der Ideen, der Visionen, der Gedanken, Gefühle und Träume.
Es gab Zeiten, da hab ich Ostern ganz intensiv gefeiert. Nicht das christliche, sondern diese Verquickung aus überliefertem heidnischem Brauchtum und Tradition. Kultureller Nährboden halt. Ostereier ausblasen, färben, suchen, Osterfeuer genießen…. Die Wiederkehr der Lebenskraft begrüßen, in der Natur, an jedem Baum, im emsigen Bau der Vogelnester, in mir……
45 Jahre sind diese Ostereier jetzt schon alt. Und immer noch begleiten sie mich.
Es gab Zeiten, als die Kinder noch klein waren, als ich an anderen Orten lebte, da habe ich das Bedürfnis gehabt, all dieses Brauchtum zu bewahren, umzugestalten und weiterzugeben.
Der KUKU auf einem Osterei, von ULi gemalt.
Es gab Zeiten, da wurden die weissen Eier für uns zu Notizblöcken, zu kleinen Leinwänden auf denen wir unsere Nachrichten hinterlassen haben. Erinnerungen, Wünsche…….
Nach wie vor bedeuten mir diese weissen Hüllen in all ihrer Zerbrechlichkeit viel, wie die sonnengebleichten Schneckenhäuser, die ich jahrelang gesammelt habe. Sie sind Versprechen und Mahnung zugleich, tragen Anfang und Ende in sich ohne selbst Anfang und Ende zu haben.
Wie so oft, nein, eigentlich wie immer ist das was zu sehen ist nur die berühmte Spitze des Eisbergs, der im Meer der Mühe und Anstrengung, der Ungewissheit und Unsicherheit schwimmt und nur deshalb nicht untergeht, weil viele helfende Hände, Köpfe und Herzen mit Beharrlichkeit, mit Geduld, mit Zuversicht und Liebe dafür sorgen, dass dem so ist.
Das ist so in meiner analogen Welt, in der ich jede Bildwirkerei voller Dankbarkeit webe im Bewusstsein all dessen, was andere dazu beitragen, dass dem so sein kann.
Das ist so in meiner digitalen Welt, in der ich noch viel hilfloser unterwegs bin und viel mehr Unterstützung brauche, damit Räume wie dieser weiterhin bestehen können. Denn eigentlich wäre dieser Blog vor drei Wochen an seine Grenze gestoßen. Der nach eingekauftem Plan vorgesehene Speicherraum war nach fast zehn Jahren ausgeschöpft. Ihm über diese Hürde hinweg zu helfen, hätte ich alleine nicht geschafft.
Das ist so in meiner Vergangenheit so gewesen. Liebe und wichtige Menschen haben mich mit Rat und Tat und mit viel Geduld auf meinen nicht selten verworren anmutenden Wegen begleitet. Manchmal voller Unverständnis und Verwunderung, manchmal voller Vorbehalte, manchmal auch voller Begeisterung. Aber immer mit Liebe und Fürsorge.
Das ist so in meiner Gegenwart. Oft tauche ich unter im Atelier und versinke in meiner Arbeit am Webstuhl. Wenn ich dort bin, bin ich nicht andernorts. Wenn dann der Alltag trotzdem weitergeht und die Basisinfrastruktur trotzdem da ist, bedeutet das, dass andere sich kümmern.
Das ist so in meiner Zukunft. Wenn Ende 2022 das KUKUmobil fahrbereit in Berlin steht und die ersten Webstationen auf seine Ankunft warten, dann, weil es Menschen gibt, die dazu beitragen, dass dem so sein kann.
Das erfüllt mich mit großer Demut, Dankbarkeit und Freude.
Arbeit im Atelier _Für die Arbeit an meinem „Berliner Teppich 21“ hatte ich erstmals so viele Gobelinpinnen, dass ich zwischendurch keine frei machen musste für neue Garnmischungen. Am Ende gab es nicht nur eine Bildwirkerei, sondern auch eine Kiste voller VOLLER Pinnen. Zu schade, um daraus nichts zu machen.
Da ich, wenn ich die Arbeit an einem neuen Werk beginne, nicht in allen Schritten gleich akribisch, manchmal sogar eher nachlässig vorgehe und zum Beispiel nie eine Probe-Farbkarte, ein Musterstück oder dergleichen webe, sondern direkt eintauche in das „kalte“ Wasser, liegt es nahe auszuprobieren, wie es sich anfühlt, wenn danach noch etwas kommt…..
…..Wenn es ein Nachspiel gibt, im besten Sinne des Wortes, eine Nachgeburt sozusagen, ein sich Treiben lassen auf dem Wasser, Luft schöpfen, die Gelassenheit nach der Anspannung genießen…..
Es ist das erste Mal, dass ich solch einen Epilog webe.
Nach einer Woche sind ca. ein Drittel der Pinnen frei gewebt und ich versuche vorzuempfinden und bin sehr gespannt darauf zu sehen, wie dieser Epilog (80 cm hoch und wahrscheinlich um die 60 cm breit) neben dem Hauptstück wirken wird.
Ein weiterer Impuls für mich, um an eine Ausstellung zu denken, bevor ich mich mit dem KUKUmobil auf die Reise begebe. Und ein weiteres Abschließen.
Arbeit im Atelier _ Zu den Vorbereitungen einer Reise gehört für mich auch, vorherige Projekte so abzuschließen, dass man gehen kann, ohne das Gefühl zu haben, es wäre noch etwas zu tun gewesen.
Dazu gehört, dass die Bildwirkerei, einmal herausgelöst aus dem Webstuhl, liebevoll auf Herz und Nieren geprüft wird, also alle Fäden gestutzt werden, die nicht bedeutend sind, sowohl am Rand, als auch im gesamten Webstück. Und dass alle Schlitze, die im Gewebe entstanden sind, darauf geprüft werden, ob sie so stehen gelassen werden können/sollen oder sogar müssen, oder ob sie im Nachhinein vernäht werden.
Text, Musik, Arrangement: Felix Meyer, Max Prosa, Fayzen, Sarah Lesch & Andi Fins Zimmer 16: http://www.zimmer-16.de/ Aufnahme: Zodiaque https://www.zodiaque.de Kamera & Equipment: Philip Vogt https://www.ufo-filmgeraet.de Europa Bilder: Hans-Peter Schroeder & Arne Weiss Schnitt & Farbkorrektur: Felix Meyer
Wir wissen nicht, was morgen wird. Wir sind keine klugen Leute. Der Spaten klirrt, und die Sense sirrt, Wir wissen nicht, was morgen wird. Wir ackern und pflügen das Heute.
Wir wissen wohl, was gestern war, Und wir hoffen, es nie zu vergessen. Wir wissen wohl, was gestern war, Und wir säen das Brot, und das Brot ist rar, Und wir hoffen, es auch noch zu essen.
Wir wissen nicht, was morgen wird, Ob der Kampf unsrer harrt oder Frieden, Ob hier Sense sirrt oder Säbel klirrt – Wir wissen nur, daß es Morgen wird, Wenn wir Schwerter zu Pflügen schmieden.
Pastrana ist ein kleines knapp 900 Einwohner zählendes Dorf in der spanischen Provinz Guadalahara, ca. eineinhalb Autostunden von Madrid entfernt. Eigentlich wird es dadurch nicht unbedingt zu einem „Muss“ besuchenswerter Orte wenn man sich für eine Woche in Madrid aufhält, es sei denn….
Tja, es sei denn man hätte einen Faible für historische Bildwirkereien. Denn dann sieht die Welt ganz anders aus und Pastrana rutscht im Handumdrehn im Ranking auf einen der ersten zehn Plätze der Besucherliste.
Nun, den Faibel habe ich, bekanntermaßen. Und gute Freunde noch dazu, die diese Reise mit mir getan haben. Und so bin ich nach Pastrana gekommen und konnte mit eigenen Augen eine der beeindruckendsten Bildteppichserien sehen, die ich kenne.
Die Pastrana-Bildwirkereien wurden einst vom portugiesischen König Afonso V in Auftrag gegeben, um die Ereignisse an den Kriegsschauplätzen Arzila und Tanger, an denen Portugal Ende des 15. Jahrhunderts in Nordafrika erfolgreich beteiligt war, zu dokumentieren. Gewebte Kriegsberichterstattung. Durchaus üblich, wenn man es sich leisten konnte.
Kriege, besser gesagt Siege waren ein beliebtes Motiv. Die dazugehörige Verherrlichung der Kriegstreiber eingeschlossen. Wenn Pippi Langstrumpf singt: „Ich mach mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt“, dann ist das okay, denn sie ist ein Sympathieträger und steht nicht im Verdacht, sich anderer Leute Hab und Gut, Land und Kultur anzueignen. Bei den Königen der damaligen Zeit, wir reden hier konkret über das Jahr 1471, hat uns die Geschichte gelehrt, dass das anders war. Und Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Die Verlierer kommen selten zu Wort.
Damals gab es keine bildhafte Kriegsberichterstattung. Andererseits war nur ein kleiner Teil der Menschen des Lesens mächtig. Wollte man also von sich Reden machen, ging das nur über Erzählungen und über Bilder.
Was diese aus vier Wandteppichen bestehende Serie so besonders macht, ist nicht nur die Größe (jeweils 11 m x 4 m, also insgesamt 44 m Kriegsbericht), oder das Material (feinster Wolle und Seide) und die hervorragende technische Qualität, die angesichts der beauftragten Werkstatt nicht verwundert (Weberei Passchier Grenier, in der Stadt Tournai in Flandern, im heutigen Belgien).
Was sie wirklich einmalig macht ist die Zeitnähe ihrer Fertigstellung zu den Geschehnissen, über die sie berichten. Es ist nicht bekannt, ob es eine Bildvorlage gab und wenn, wer ihr Autor war. Auch ist nicht bekannt, wer die Webvorlage hergestellt hat.
Die Unmittelbarkeit ihrer Herstellung hinsichtlich der Ereignisse könnte fast die Vermutung nahelegen, dass sie direkt vom Text in die gewebte Textur gewandert sind. Sicherlich gab es Schriftstücke, Chroniken, die Zeugnis ablegten von dem, was Alfonso V in Nordafrika erreicht hatte.
Wer auch immer es gewesen sein mochte, der dafür verantwortlich zeichnet: Begnadet war er; ebenso wie die vielen fleißigen Hände, die die insgesamt 176 Quadratmeter in nur 4 Jahren gewebt haben. Eine wahre Meisterleistung.
Vor dem Hintergrund der derzeitigen Situation bekommen solche Werke eine ganz besondere Bedeutung. Noch vor einem halben Jahr hätte ich mich auf die Schönheit des Gewebes und der Komposition konzentriert, wohl auch auf die Qualität der Restauration.
Heute stehe ich davor, schau mir die Erzählung eines Eroberungskrieges an. Und wieder wird deutlich, wie Geschichte sich wiederholt. Nein, wir hatten gesagt, wie MENSCH sich wiederholt.
Vor drei Tagen schrieb ich: „Geschichte wiederholt sich“. Genauer hätte ich schreiben sollen „MENSCH wiederholt sich“. Leider.
Abgesehen von der eigenen Orientierungslosigkeit in dieser Zeitenwende und dem Gefühl, wegzusacken ins Bodenlose, tauchen Fäden auf aus der nahen und fernen Vergangenheit und verknüpfen sich. Leid. Trauer.
Vor einigen Tagen schrieb ich auch über das Wiedersehen mit Anna Brägger, die ich 2017 in Berlin anläßlich einer Ausstellung im MEK kennengelernt hatte.
Fäden, die sich miteinander verknüpfen. Fäden, die versuchen, die Welt zu verstehen und zu erzählen. Mahnend. Gegen das Vergessen. In der Hoffnung, die Erinnerung möge MENSCH vor der Wiederholung bewahren.
„1000 Tücher gegen das Vergessen“
Das Massaker von Srebrenica, schreckliche Höhepunkt der Jugoslawienkriege, die Anfang der 1990er entbrannten, kostete über 8.000 Menschen das Leben. Der Krieg forderte unzählige Opfer, deren Schicksal bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt ist, er zerriss Familien und Gemeinschaften und löste eine Fluchtbewegung aus. Nachbarn haben hier Nachbarn bekämpft, Volksgruppen, die zuvor Jahrzehnte friedlich zusammengelebt hatten, wurden von nationalistischen Parteien aufeinandergehetzt.
Das Fazit der Jugoslawienkriege sind weit über 100.000 Tote und eine Region, deren Wunden bis heute nicht verheilt sind.
Vom 6. März bis zum 28. Juni 2020 zeigte das Trierer Kultur- und Kommunikationszentrum Tufa die Ausstellung „1000 Tücher gegen das Vergessen“, ein soziokulturelles Ausstellungsprojekt, das die Künstlerin Anna S. Brägger gemeinsam mit kriegstraumatisierten Frauen aus dem Westbalkan in Berlin entwickelt hat.
Die Frauen haben Tücher mit den Namen, Lebensdaten und Lieblingsmotiven ihrer ermordeten Freunde und Familienmitglieder bestickt und diese Tücher zu einer mittlerweile 47 Meter langen „Rolle des Gedenkens“ zusammengefügt. In Trier wird die Rolle des Gedenkens mit Texten zum Zeitgeschehen, Hörstationen mit den Lebensberichten der Frauen und Landschaftsfotografien von Nino Nihad Pusica ausgestellt.
Es gibt Momente im Leben, die fühlen sich an, wie wenn man verwaist. Fixpunkte unseres Lebens gehen, hinterlassen eine bodenlose Leere. Die Eltern, manchmal die Partner, aber auch Ideale, Überzeugungen, Visionen…. Ich erinnere mich, dass mich dieses Gefühl ganz stark erfüllte, nachdem wir in Spanien, wie überall auf der Welt, am 15. Februar 2003 vor dem Irakkrieg zu Tausenden auf die Straße gingen, mit dem „No a la guerra“. Und dann kam er doch, der Krieg im Irak.
Damals fühlte ich mich verwaist. Jetzt fühle ich mich verwaist. Eine große Leere ist geblieben…….
Weil ich auf der Suche bin nach Orientierung und Anna aus der Schweiz kommt, passt vielleicht das folgende Video, als eine weitere Stimme in diesen so düsteren Zeiten……
Europas Verantwortung für eine Friedensperspektive