berlin _ 1186 _ fundstück
berlin _ 1184 _ #free assange
#Free Assange
Am 3. Juli hat Julian Assange Geburtstag. Seinen 52sten. Die letzten 11 Geburtstage hat er in Gefangenschaft verbracht, 5 in Einzelhaft. Einmal mehr ist er also gezwungen im Gefängnis zu feiern, sofern man dort überhaupt Lust hat auf Feiern. Einmal mehr sind wir draußen dazu angehalten, diesen Tag zum Anlass zu nehmen, um seine sofortige Freilassung zu fordern.
Die Gruppe derer, die Monat um Monat, so wie an anderen Orten auf der Welt, hier am Berliner Brandenburger Tor mit der Mahnwache genau dafür einstehen, hat ein Jahr mehr eine Geburtstagsfeier organisiert, mit der sie auf die große Ungerechtigkeit hinweisen, die diesem Menschen widerfährt.
Es war mir wichtig, dabei zu sein. Allerdings muss ich gestehen, dass es kurze Momente gab, bei denen mich ein leichtes Unwohlsein beschlichen hat. Ich habe generell keine Berührungsängste. Ich denke es ist wichtig den Dialog zu suchen, zuzuhören, zu versuchen, das Gegenüber zu verstehen und selbst wenn das nicht gelingt, zu akzeptieren, dass dem so ist, ohne die Freiheit des Andersdenkenden kleiner machen zu wollen, als es die eigene Freiheit ist.
Das Unwohlsein hat sich immer dann eingestellt, wenn direkt oder indirekt vorausgesetzt wurde, dass wir Anwesenden nicht nur in Fragen der Meinungs- und Pressefreiheit und konkret im Fall Assange einer Meinung sind, sondern der Sack aufgemacht wurde und Corona und Ukraine und Impfpflicht und Pazifismus heraussprangen und kreuz und quer durcheinanderhüpften.
Ich muss dazusagen, dass ich seit der ganzen Querdenkerdebatte, die mich enorm ärgert, weil ich mich beraubt fühle um das Querdenkertum als Alternative zum gleichgebürsteten „Mainstreamdenken“, wenn ich richtig überlege, an keiner Demo teilgenommen habe, die eins dieser Themenfelder berührt, und es daher das erste mal war, dass ich mich in dieser Situation sah und dieses Gemeinschaftsgefühl oder WIR nicht richtig in mir wach werden wollte.
Quer zu denken ist manchmal mühsam, manchmal erfrischend, manchmal schmerzhaft, aber wichtig. Und diesen Begriff so negativ besetzt zu sehen macht mich ärgerlich, jedes mal aufs neue. Da ist es dann nicht hilfreich, wenn man an einer Kundgebung teilnimmt und diese Übergriffigkeit spürt.
Trotz allem, mein Unwohlsein mal außer Acht gelassen, das angesichts der Schwere der Sache nun nicht wirklich relevant ist, hier einige der Redebeiträge.
Denn der Fall Julian Assange ist ein Skandal. Und als solcher sollte er uns so lange aufregen, richtig aufregen, so, dass wir nicht müde werden, bis es frei ist.
Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen:
Andrej Hunko, Mitglied des Deutschen Bundestags (Fraktion DIE LINKE) und der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.
Ulrike Guerot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin.
berlin _ 1183 _ Fundstück
Se las acabará llevando el viento……
berlin _ 1181 _ KUKUmobil
Angekommen
Wie angespannt ich gestern war habe ich erst heute beim Aufwachen gemerkt. Der ganze Körper hat mir wehgetan, als ob eine Gewaltanstrengung hinter mir liegen würde.
Dabei gab es keinen Grund, schließlich hat Kay den Transport übernommen, und Kay kenn ich und ich weiß, dass er weiß, was er macht. Ganz so, als wenn er es jeden Tag machen würde. Naja, nicht ganz, aber fast stimmt das ja auch, oft genug ist er schon mit einem Tinyhaus von hier nach da gefahren. Darunter das ein oder andere selbstgebaute!
Ich sollte also lernen loszulassen. Denn es kann nicht sein, dass ich bei jedem Umzug in solch ein Stadium der Anspannung komme, noch dazu, wenn man bedenkt, dass es ja beim Trampen so ist, dass man die Menschen nicht immer kennt, die bereit sind, einen mitzunehmen.
Aber gut, ich hoffe, dass sich auch da, so wie beim Ver- und Entzurren, mit der Zeit eine Routine einstellt. Nichts gegen das Kribbeln im Magen. Das ist gut, ein wenig wie Lampenfieber. Ich finde, es ist ein Zeichen, dass einem die Dinge ernst und wichtig sind und dass man einen gesunden Respekt vor den Unvorhersehbarkeiten des Lebens hat.
Jedenfalls ist die Reise getan und der Ort, der das KUKUmobil für fünf Monate beherbergt hat, ist wieder leer. Er hat mir besondere Begegnungen mit besonderen Menschen gebracht, bereichernde Gespräche und Gedanken. Ich werde sie aufbewahren.
Und DANKE Kay!!!! für die Bereitschaft, doch relativ spontan einzuspringen und das KUKUmobil an diesen neuen Ort zu bringen, auf den ich mich sehr freue, weil er so ganz anders ist, als alle, an denen das KUKUmobil bisher stand. Davon werde ich in den kommenden Tagen berichten.
Jetzt geht es erst einmal darum, wieder Bodenhaftung zu bekommen. Das ist hier besonders einfach: auf diesem türkis_grünen Granulatboden des ehemaligen Sportplatzes läuft es sich super gut barfuß.
Das KUKUmobil steht nach Nordost und wirft auch wenn die Tage wieder heißer werden, einen kleinen Schatten, in dem man gut sitzen und plaudern kann.
Das JA!Space-Team, Handan, Valentina und Desislava haben mich mit Freude, Wohlwollen und Großzügigkeit aufgenommen in ihrer Nachbarschaft. Es ist alles im Fluß.
Und im KUKUmobil ist alles sortiert und startbereit. Es kann also weitergehen.
berlin _ 1180 _ KUKUmobil
UMZUG
52°33’30.8″N 13°28’16.8″E
Am Sonntag begibt sich das KUKUmobil wieder auf Wanderschaft. Es bleibt zwar noch ein wenig in Berlin, so ungefähr bis Mitte Juli oder bis ich jemanden gefunden habe, der es nach Großschönau bringt, aber es tauscht die beschauliche Ruhe und Zurückgezogenheit hinter dem Museum Kesselhaus, auf dem KEH-Gelände in Herzberge gegen die beschauliche Geselligkeit in Nachbarschaft des Ja!Space. DAS wurde am 21. Oktober 2022 an seinem ersten Einsatzort, auf dem ehemalige Sportplatz in der Neumagener Straße in Weißensee, eröffnet.
Das Ja!Space als Einsatzort für die Mobile Stadtteilarbeit, bietet Zugang zu verschiedensten Informationen aus dem Kiez, Unterstützung in herausfordernden Lebenslagen, Empowerment, Kultur, Sport und jeder Menge Begegnung.
Das Tiny House auf Rädern wurde in Den Haag in den Niederlanden maßgeschneidert angefertigt. Beim Bau wurden Wert darauf gelegt, möglichst viele recycelte Materialien zu verwenden, um die Ressourcen zu schonen. Regenwasser kann direkt vor Ort aufbereitet werden und es gibt ein Kompost-WC, das ganz ohne die Verwendung von Wasser funktioniert.
Mit einer Größe von 4,8×2,3 Metern und einer Höhe von 3,5 Metern kann es sich perfekt an verschiedenen Standorten in die Nachbarschaft einpassen. Eine kleine Terrasse macht es noch einladender.
Unter der Woche ist hier Raum für verschiedene Sprechstunden des Teams der „Mobilen Stadtteilarbeit“ und seinen Kooperationspartner:innen. Für Jugendliche wird ein spezielles Beratungsangebot geschaffen. Es wird Zeiten für Co-Working geben, für Yogastunden, Qi Gong und Meditation…. Am Wochenende ist der Ort dann offen für weitere Nutzungen durch Initiativen aus dem Kiez.
Ich freu mich und bin sehr gespannt auf diese neue Konstellation und die Energie, die sich an diesem besonderen Ort bereits ausgebreitet hat.
Ihr wisst, wie sehr ich solche Orte liebe, die Zeugnis davon ablegen, wie wandelbar das Leben ist, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Dieser ehemalige Sportplatz lag lange verlassen da. Niemand hat sich um ihn gekümmert, und so hat die Natur damit begonnen, sich langsam den Raum zurückzuholen. Jetzt meldet MENSCH sich wieder zu Worte, tut es verhalten, vielleicht ein wenig nachdenklich und abwägend, was denn hineinpasst in eine Zwischennutzung, was es bedeutet, wenn man sich Räume und Orte leiht, für eine Weile die Verantwortung übernimmt, und sie dann wieder zurückgibt in den großen Pool der Möglichkeiten, für andere und anderes.
So wie ich solche Orte liebe, liebe ich das Konzept der Zwischennutzung, es hat für mich etwas Geschmeidiges, Fließendes, Weiches. Es ist ein Spiel mit der Ungewissheit, ist deshalb aber nicht weniger ernst, nicht weniger verbindlich.
Im Idealfall ist es auch das, was die Energie an solchen Orten auszeichnet: sie ist leicht und lieblich und kann zugleich mächtig sein in ihrer Wirkungskraft.
Und ich werde neue Menschen kennenlernen und begegne anderen, die mir lieb geworden sind. Und ja, ihr merkt es schon, es wird ein neues GRÜN in meinem Alltag geben. 🙂
Morgen werde ich also wieder einmal alles verstauen und verzurren, was so „rumzustehen kommt“ im KUKUmobil, werde Abschied nehmen von den Bäumen und dem Getier, das mich in den letzten Monaten in guter Nachbarschaft begleitet hat und aufgeregt auf das Auto warten, denn immer noch ist jeder Umzug eine Aufregung wert.
berlin _ 1179 _ textil
Die Wanderer zwischen den Welten
Bei den Serien, die ich gerade arbeite, gibt es einige Stücke, die sich nicht nur zu einer 9er-Gruppe zugehörig fühlen, sondern gerne wandern, sich mal hier, mal dort einfügen und immer wieder andere Gedankenwelten entstehen lassen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die letzte kleine Bildwirkerei, die während meiner Zeit auf dem Gelände des KEH entstanden ist:
FARBEN
Oft, aber nicht immer und nicht unbedingt ist es das Bildmotiv, das eine Serie entstehen lässt. Auch das Material, die Technik oder, wie hier, die Farben (Gold und Türkis) können das verbindende Element sein. Manchmal ist die Affinität ganz offensichtlich, manchmal braucht sie vielleicht ein zweites oder sogar ein drittes Hinschauen. So wie manchen Menschen die Verwandtschaft ja auch mal mehr, mal weniger deutlich „ins Gesicht geschrieben“ steht.
GESICHTER
können auf sehr unterschiedliche Art und Weise dargestellt werden, auch auf 12 x 12 cm.
SPRICHWÖRTER
die Nadel im Heuhaufen
Schweigen ist Gold
Stroh zu Gold
Linien
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EUROPA
Die Europa-Serie ist fertig. Fast zufällig ist sie entstanden, erst als Restkettenverwertung angedacht, dann sich spielerisch weiter entfaltend…..
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Ein Kapitel findet sein Ende
Vier Jahre ist es jetzt her. Vor 4 Jahren habe ich den Vertrag unterschrieben und bin eingezogen, in das Atelier in der Marienburg, in Alt Mariendorf.
Mein Gott, ich war damals stolz wie Bolle, es geschafft zu haben: ein eigener Arbeitsraum; über das vom bbk verwaltete Atelierprogramm. Es bedeutete für mich mehr, als nur einen großen, hellen, bezahlbaren Raum zu meiner alleinigen Verfügung zu haben. Es war auch für einen kurzen Moment das Gefühl, dazuzugehören, zu dieser Welt der Kunst in der Metropole Berlin.
In der Vergangenheit gab es Wohnzimmer in diversen Wohnungen, die ich zum Webatelier umfunktionierte, weil es die größten Zimmer waren und der Webstuhl dort hineinpasste. Es gab auch mal einen Raum in der Autowerkstatt unseres Mechanikers in Nordspanien, den ich für die Arbeit an einem Entwurf benutzen durfte. Es gab ein Zimmer im KUKU, unserem kleinen selbstorganisierten Kulturzentrum, in dem mein Webstuhl stand……
Und auf einmal gibt es diesen Raum, reserviert für die Kunst. Und ausgerechnet dann, wenn endlich das da ist, nach dem ich mich immer gesehnt hatte und von dem ich dachte, es würde ein Vorher und Nachher markieren, in der Art und Weise, wie ich meine Arbeit strukturiere, ausgerechnet dann beginne ich, mir meinem Webstuhl zu wandern, mir Orte auszuleihen …..
… bin mal hier, mal dort zu Gast: erst für einen kurze Weile im Museum Kesselhaus, dann für fast zwei Jahre in der KulturMarktHalle.
Und das Atelier, dieser „heilige Ort“ des künstlerischen Schaffens, verwaist zusehends. Denn was tu ich an einem Ort, an dem kein Webstuhl steht?
Jetzt ist das KUKUmobil fertig. Damit hat der Webstuhl sein definitives Heim gefunden, und somit auch ich.
Zeit aufzuräumen, loszulassen, Platz zu machen für andere, die diesen Raum, in dem ich zugegebenermaßen nie so wirklich angekommen bin, nötig brauchen und besser nutzen können, als ich. Es ist eine große Erleichterung, für die sinnvolle Nutzung dieses Raumes nicht weiter verantwortlich zu sein.
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3 x 3
Gesichter, Sprichwörter, Grafik, Farbe?
Ein steter Ausreißer, der gleich auf mehreren Hochzeiten tanzen kann.
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Nachtrag zum Bildwirkereikurs im Kesselhaus
Es hat sich mit der Zeit eingebürgert, dass ich den Kursteilnehmerinnen _ übrigens bewusst im Femininum, ohne Sternchen, Doppelpunkt und sonstigen Schnickschnack, weil Männer bisher durch Abwesenheit glänzen _ anbiete, die Webrahmen mit nachhause zu nehmen, um ihr Stück in Ruhe, ohne Stress fertig zu weben.
Denn meistens ist es nur die Zeit, die fehlt. Die Kenntnisse reichen aus, die Fragen und Lösungsansätze sind besprochen und es muss jetzt „nur noch“ umgesetzt werden. Selbst in einem Kurs wird hier eins der Probleme deutlich, das die Wissensweitergabe im Handwerk charakterisiert und in gewisser Weise „straft“: es braucht Zeit, denn es reicht nicht aus, die Theorie zu hören, es muss getan werden, mehrmals, und in seinen Varianten durchgespielt, auch Fehler gemacht werden.
Denn wenn es darum geht, mit seiner Hände tun Dinge zu beseelen, dann muss das Wissen verinnerlicht werden. Es muss in der in der Seele Verankerung finden, erst dann kann es sich vermehren und wieder veräußert werden.
Es macht mich immer sehr glücklich, wenn ich sehe, wie die Arbeiten in eigenständiger Arbeit wachsen und abgeschlossen werden. Manchmal sitze ich noch in der Nähe, für den Fall der Fälle, manchmal sehe ich die fertige Arbeit, und kann dann noch einmal Hinweise geben, die dann bei der Arbeit an dem kommenden Stück zur Anwendung kommen.
Bei dem letzten Kurs war es so, dass fast alle Teilnehmerinnen dieses Angebot angenommen haben. Jetzt sind alle fertig geworden und ich habe die kleinen Juwele bestaunen können. Wie die Fliege im Bernstein haben sie das Kostbarste eingeschlossen, das Mensch zu bieten hat: Lebenszeit.
Hier das Resultat:
1. Die Tänzerinnen
2. Erinnerung an die Großmutter
Die Bildwirkerei ist fast fertig. Oben und unten muss die Webkante noch abgenäht werden. Ich lade immer dazu ein, die Webkante als Bestandteil des Bildes zu verstehen, als Ganzheit des gewirkten Bildes. Natürlich kann man sie auch eher klassisch umschlagen und auf der Rückseite vernähen, sogar das Webstück hinterfüttern, wenn man möchte.
Hier fehlt noch das Abnähen und das Verarbeiten der Randfäden. Das werden wir gemeinsam tun, sobald wir einen ruhigen Tag finden.
3. Der Krug
Mit Gritt habe ich noch einen weiteren Mittwoch zusammengesessen und unter freiem Himmel gewebt, ich an meiner EUROPA-Serie, sie an ihrem Krug:
berlin _ 1172 _ textil
3 x 3
Die EUROPA-Serie ist fast fertig. Das ist das vorletzte Stück. Aus gegebenen Anlass mit Neon-Orange.
berlin _ 1171 _ KUKUmobil
berlin _ 1169 _ textil
FREILUFTWEBEN am KUKUMOBIL
Wenn man den Bock zum …… Webrahmen macht,
und die Gärtnerin zur Fotografin……
berlin _ 1167 _ fundstück
BEIGE
Vor vielen Jahren, als ich in meiner damaligen Wahlheimat in Nordspanien Teil der Jury des jährlich stattfindenden Kurzfilmfestivals war, begegnete mir ein Kurzfilm, der mich so begeistert hat, dass ich ihn in die Auswahl mit reingenommen habe.
Sein Titel: Beige. Worum es geht? Schaut selbst:
Ich muss dazu sagen, dass es gut sein kann, dass meine Tochter und ich damals die einzigen im Publikum waren, die Spass an diesem Film hatten _ das ging uns mit „Goodby Lenin“ übrigens ähnlich, da waren wir im Madrider Kino die einzigen, die an bestimmten Stellen gelacht, an anderen geweint haben.
Wie auch immer, ich fand und finde den Film witzig. Ich habe ihn vergangene Woche im virtuellen Kosmos gesucht, weil mich meine Reise nach Ludwigslust an ihn erinnert hat.
Fakt ist, der Film ist noch aktuell, im Sinne von zutreffend. Vielleicht nicht mehr in dieser Wucht wie in der Generation meiner Eltern, auf die er sich bezieht. Aber mit zunehmendem Alter, d.h. mit der Verschiebung meiner Perspektive _ denn inzwischen stehe ich auf der Schwelle zum BEIGE _ schaue ich mir dieses Phänomen auch anders an.
Ihr kennt das ja: selektive Wahrnehmung. Als ich das erste Mal schwanger war, hatte ich das Gefühl, die Madrider Straßen waren voller schwangerer Frauen und Kinderwagen. Jetzt schau ich auf die Rollatormodelle.
Naja, und dann beobachte ich auch mich. Meine neuen Sandalen sind……
Muss ich mir Sorgen machen, oder ist es der Lauf der Dinge und der Zeiten? Denn eigentlich finde ich die Idee des „Sich langsam auflösen“ sehr verlockend. Ich merke jetzt schon, wie ich mich auf den Weg mache, nicht nur mit dem KUKUmobil, sondern auch sonst. Neues anzuschaffen kostet mich immer mehr Überwindung, Bestehende „aufzubrauchen“ ist immer mehr angesagt. Und wenn dann dadurch eine Leere entsteht, ist das mit einem Gefühl der Erleichterung verbunden, denn das Bedürfnis nach Ent-Lastung, nach Leichtigkeit nimmt zu. Und Gandalf hatte auch erst einen grauen Umhang und dann einen weißen, d.h. auch er wurde mit zunehmender Weisheit zur Lichtgestalt.
Also, so lange ich meine Sandalen noch mit meinen farbenfrohen Huipils kombiniere, liegt noch ein Stück Weg vor mir. Ich bin gespannt…….
berlin _ 1166 _ labyrinth
Casual Labyrinth im Monat Juni
Während die Linden sich bereit machen für ihre Blüte, häufen sich die Akazienblütenblätter am Gehsteinrand und überall dort, wo der Wind sie hinweht. Auf meinem täglichen Weg zum KUKUmobil bilden sie an manchen Stellen einen richtigen Teppich.
Da kann man eigentlich nicht widerstehen:
Und was ich so liebe, bei solchen Labyrinthen, ist der Tag danach:
berlin _ 1165 _ textil
STOFF.TASCHEN.TUCH.
„Die steigenden Lebenshaltungskosten, insbesondere für Lebensmittel und Energie, stellen Berlinerinnen und Berliner vor immense Herausforderungen. Der Berliner Senat hat daher ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Entlastung beschlossen. Ein wichtiger Bestandteil ist der Ausbau der solidarischen Infrastruktur. Damit Energiearmut nicht zu sozialer Ausgrenzung führt, gibt es in Berlin das Netzwerk der Wärme. Es schafft Orte der Begegnung und des nachbarschaftlichen Austauschs, bündelt bestehende Angebote, fördert zivilgesellschaftliches Engagement und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Für den Erfolg des Netzwerks braucht es viele Unterstützerinnen und Unterstützer: Stadtteilzentren und Nachbarschaftstreffs, Kultureinrichtungen und Clubs, Bibliotheken und Vereine, Gemeinden, Unternehmen, Verbände und private Initiativen. Ob zusätzliche Öffnungszeiten in der Bücherei, ein warmes Getränk und Beratung, Kulturangebote oder Hilfe zur Selbsthilfe – unter dem Motto „Gemeinsam geht besser!“ öffnen die Mitglieder des Netzwerks ihre Türen und stehen dafür ein, dass niemand in dieser schwierigen Zeit alleine bleiben muss.“ (Quelle: HIER)
Auch das Museum Kesselhaus tut das Seinige dazu und erweitert ab Mai seine Öffnungszeiten um einen Tag: den Mittwoch. Im „Wonnemonat Mai“ mit einem konkreten Vorschlag:
2. Textil_Treffen am Kesselhaus
Irgendwie naheliegend, aus den Umständen zu schöpfen und etwas Positives zu gestalten, sei es auch nur als guter Anlass, um sich in diese wunderbar beschauliche Enklave mitten in der Berliner Quirligkeit zu begeben, der Natur nah zu sein und die Ruhe auf die Arbeit mit den Fäden zu übertragen.
Dabei findet jede und jeder seine Art und Weise, vom Entwirren kunterbunter Fadenreste, über das Besticken von gespendeten Stofftaschentüchern mit den unterschiedlichsten Motiven, bis hin zu der Arbeit am Webrahmen.
3. Die Stickerei
Ganz nüchtern betrachtet, und wenn man als „Output“ nur das berücksichtigt, was man im Materiellen begutachten kann, dann muss man sagen, dass sich die Ausbeute bei der Stickerei in einem überschaubaren Rahmen hält.
Gut, dass wir, die wir dort waren, wissen, dass es nicht, oder zumindest nicht nur um das Materielle geht; dass das Materielle eher eine Art ist, um sich an irgendetwas festzuhalten, während die Seele und der Geist auf Wanderschaft gehen, im Gespräch, im Austausch oder in der konzentrierten Stille.
Wie es mit dem „STOFF.TASCHEN.TUCH“ weitergeht, wird die Zeit zeigen. Ich habe mich in diesen Wochen mit dem Thema Stofftaschentuch damals und heute und mit unterschiedlichen Stickprojekten auseinandergesetzt. Vor allem aber habe ich festgestellt, dass viel Menschen in irgendeiner Schublade Stofftaschentücher ihrer Lieben verwahren…. von Großeltern, Eltern, Tanten und sonstigen Verwandten…. Sie sind kleine Erinnerungsträger und sind vielen Menschen wichtig, auch wenn Stofftaschentücher in ihrem Alltag ansonsten keine Rolle mehr spielen.
Naja, und wer sagt, dass es unbedingt Stofftaschentücher sein sollen, die bestickt werden? Maike hat ihr Projekt mitgebracht. Sie beschenkt gerade Menschen, die ihr wichtig sind, mit kleinen liebevoll bestickten Lavendelsäckchen.
4. Die Bildwirkerei
Warum auch nicht? Da ich wußte, ich würde im Mai jeden Mittwoch am Museum Kesselhaus sein, habe ich den Teilnehmer:innen an den Bildwirkereikursen angeboten. ihre Arbeiten am Webrahmen an diesen Nachmittagen fertigzustellen.
So kam es, dass diese Mittwoche immer bunter wurden, was die textilen Techniken betrifft. Und wir konnten die Begeisterung für die Bildwirkerei und den besonderen Moment des Abnehmens der Arbeiten vom Webrahmen miteinander teilen.
So haben wir gesehen, wie Hannah und Charlie ihre Arbeiten vervollständigen, Maren hat ihre kleine Serie von Bildwirkereien mitgebracht, um sie zu zeigen, Lucie hat ihre gewebte Kakaofrucht, die sie vor zwei Jahren in einem VHS-Kurs begonnen hat nun endlich fertig weben können. Manchmal schenkt das Leben eben im Alltag keine Zeit und man muss sich freischaufeln. Das geht dann besser, wenn es einen äußeren Rahmen gibt.
5. Strickerei
Wenn es um das Arbeiten mit Nadel und Faden geht, kann natürlich die Strickerei nicht fehlen. Zumal sie mich seit meiner Kindheit begleitet, in der erst meine Mutter mich strickend eingekleidet hat und später ich meine eigenen Entwürfe umgesetzt habe, die ich teilweise heute noch wie eine zweite Haut trage und immer wieder ausbessre, wenn der Faden durch die Abnutzung in den letzten 30 Jahren dünn wie ein Hauch geworden ist und zu reißen droht.
Die Strickerei wird übrigens die textile Technik sein, die Morgen am Kesselhaus und an vielen anderen Orten auf der Welt im Mittelpunkt stehen wird. Denn Morgen ist der zweite Samstag im Juni, und das heißt für alle, die die Nadeln gerne tanzen lassen, dass sie sich anlässlich des Weltstricktages an irgendeinem öffentlichen Ort mit Gleichgesinnten zusammen tun, um ihrer Leidenschaft zu frönen.
berlin _ 1164 _ textil
TAGEWERK
Heute ganz intensiv gearbeitet. Die Entwürfe für die EUROPA-Serie sind alle gemacht. Das bedeutet ein relativ fliessendes „Abweben“ am Rahmen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis und kann es kaum erwarten, alle 9 Teppiche zusammen zu sehen.
berlin _ 1163 _ textil
berlin _ 1162 _ textil
OUTDOOR_WEAVING
Im Museum Kesselhaus wurde der Monat Juni mit einem Bildwirkerei-Kurs eingeläutet. Bei dem guten Wetter, das wir im Moment hier in Berlin genießen dürfen _ sonnig aber nicht zu warm _ haben wir die Tische, Stühle und das Material nach draußen gebracht, haben die Ruhe und Beschaulichkeit der Umgebung mit eingebunden in unsere Arbeit und uns davontragen lassen auf einen kurzen Ausflug in die Welt der Wirkerei.
Hier nun, wie gewohnt, ein Blick über die Schulter der Teilnehmerinnen an diesem Wochenendkurs, damit ihr einmal mehr sehen könnt, wie schnell und wie schön die Einzigartigkeit der Arbeiten, die an jedem Webrahmen entstehen, die Weite und Vielfältigkeit der Bildwirkerei deutlich machen……. Selbst dann, wenn ich, wie mir gesagt wurde, mit „liebevoller Strenge“ immer wieder auf ihre Besonderheiten hinweise und versuche, in meinen Kursen in einem Rahmen bestimmter Grundvoraussetzungen der klassischen Gobelinwirkerei das Potential voll auszuschöpfen.
Am Anfang steht die Kette…
Zuallererst muss der Webrahmen _ ein umfunktionierter Tischbock _ vorbereitet werden. Die Kette wird aufgezogen. Für die Wochenendkurse schlage ich auf Grund der zeitlichen Begrenztheit eine Breite von 10 – 12 cm vor. Auch sollte, aus demselben Grund, das Material _ hier ist es dreifach gezwirnte naturbelassene Baumwolle _ nicht zu fein gewählt werden.
Bei den Rahmen, die wir benutzen, sitzen 3 Nägel auf 1,5 cm. Das bedeutet für die Kette 4 Fäden auf 1 cm bei einfacher Bespannung. Das ist der Normalfall. Wenn schon ein wenig Webpraxis vorhanden ist, dann bietet sich ein etwas feineres Kettgarn an, bei dem jeder 3. Nagel doppelt bespannt wird, wodurch 8 Fäden auf 1,5 cm kommen. Die „Arbeitseinheit“ wird dadurch etwas kleiner, die Form etwas genauer……
Bis hierhin sieht es an allen Webrahmen gleich aus. Ab hier wird an jedem von ihnen ein anderes Bild entstehen:
1. Von Handwerk zu Handwerk
Von Ton zu Garn, von Scheibe zum Rahmen…. aber Handwerk bleibt Handwerk und genau so viel wie das eine vom anderen trennt, verbindet sie miteinander: die Sorgfalt dem Material gegenüber, die Innigkeit im Dialog von Hand und Geist und Seele, die Wertschätzung der Hände Werk und des Lebens Zeit…
Gritt ist Töpferin, unter anderem. Wir haben uns im Februar in Cottbus kennengelernt, als das KUKUmobil dort vor dem BLMK stand. Tja, und was passiert, wenn sich eine Töpferin vor den Webstuhl setzt und die Gobelinpinnen in die Hand nimmt? Genau, sie webt einen Krug. 😉
Falls ihr wissen wollt, was Gritt an der Töpferscheibe macht, dann könnt ihr es HIER sehen.
2. Von schwingenden Röcken und tänzelnden Schritten
Else hat eine aparte Vorlage mitgebracht, die sie mit den eigenen Händen, Augen und vor allem mit den eigenen Entscheidungen nachwebt. Zwei Tänzerinnen mit Blütenrock vor blauem Grund.
Fast wäre das Stück fertig geworden. Ein wenig vom Hintergrund fehlt noch und natürlich der Rock mit der “ hachure sauvage“ , der „wilden Schraffur“. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.
3. Von Klarheit und Kontur
Geometrische Formen in Symmetrie zu weben hat seine Vor- und Nachteile: Der Vorteil liegt in der Tatsache, dass die einmal getroffene Entscheidung für die gesamte Bildkomposition gilt und gut is‘. Also, die Dicke der Konturen, die Steigung der Diagonalen, die Zahl der für die Form zur Verfügung stehenden Fäden, die „Wendefäden“ für jedes Farbfeld…….
Und dieser Vorteil kann gleichzeitig auch ein Nachteil werden, denn diese Entscheidungen werden verbindlich und müssen immer wieder erinnert und beachtet werden, sonst wird das Bild in sich nicht stimmig. Karin hat es geschafft. Die Form stimmt, die Symmetrie stimmt. Und sie ist fertig geworden.
4. Vom Früher und Heute
Barbara hat einen Entwurf ihrer Großmutter mitgebracht, die selbst im Textildesign unterwegs war. Es war ihr ein Anliegen, einen Ausschnitt des Originalentwurfes nachzuarbeiten.
5. Von Bäumen und Farben
Deisy ist nicht das erste mal dabei. Sie hat diesmal die Gelegenheit genutzt, die Arbeit aus dem vorherigen Kurs fertig zu weben.
Das ist jetzt der zweite Baum, aus einer kleinen Serie. Rechts der Araguaney, der Nationalbaum Deisys Heimatland Venezuela. Voller Begeisterung erzählt sie uns von der Schönheit dieses Baums, wenn er mit seinen leuchtend gelben Blüten die Landschaft prägt.
Links der Apamate, schlanker und höher wachsend, rosa blühend aber ebenso üppig und markant im der tropischen Landschaft.
Die nächste Arbeit, für die die Zeichnung entstanden ist und die Kette vorbereitet wurde, wird eine rotblühende Akazie sein.
berlin _ 1160 _ nachbarschaft
berlin _ 1159 _ KUKUmobil
So, nun ist auch der Wonnemonat Mai vorbei. Die Magnolien sind durch, der Flieder auch, die Bäume im vollen, die Vögel damit beschäftigt, den Hunger ihrer Brut zu stillen…. und das KUKUmobil hat endlich sein grünes Provisorium angelegt, sich GRAU gekleidet und damit das vorletzte Kapitel seines Bautagebuches geschrieben.
Am Ende ist es also tatsächlich eine EPDM-Plane geworden. Joschka, von tinycollective.org war in diesem Fall der Bauleiter und ich habe versucht, ihm dabei zu helfen, so gut ich konnte.
Durch die Umstellung von Blech- auf Planendach mussten wir als allerersten Arbeitsschritt den Dachüberstand abgesägt und die Wirrfasermatte entfernen, die wir ja schon auf den OSB-Platten befestigt hatten. Beim Blechdach wäre sie sinnvoll gewesen, unter anderem auch um das Geprassel bei Regen etwas zu mildern. Aber die Plane braucht eine glatte Oberfläche ohne Verwirrungen.
An den ersten Maitagen, an denen das Wetter er zuließ, haben wir mit den Vorbereitungen begonnen. Unter anderem mussten natürlich alle Bleche und die Regenrinne angebracht werden, bevor die Plane drauf konnte.
Auch auf dem First haben wir ein Blech verlegt, um die Plane an der Firstkante zu schützen, und um den Spanngurten genug Luft zu lassen, damit sie gut durch die Führung laufen und nach Bedarf gespannt, bzw. gelockert werden können, ohne irgendwo zu klemmen oder zu reiben.
Marie und Uli waren mit dabei, als es um die letzten Arbeitsschritte ging. Sie haben die Plane an den Giebelseiten angeschraubt. auf der Dachfläche haben wir sie verklebt. Das gleiche Dilemma, wie bei dem Linoleumboden, denn nachhaltiges Bauen setzt im Idealfall voraus, dass alle Materialien so verbaut werden, dass sie gegebenenfalls beim Zurückbauen gut voneinander getrennt werden können, um wiederverwendet oder adäquat recycelt zu werden. Aber ganz ehrlich? Ich gehe mal davon aus, dass ich in meinem Idealfall die kommenden 20 Jahre in dem KUKUmobil den Großteil meiner verbleibenden Lebenszeit verbringen werde. Dann bin ich 80 und, ….. naja, dann ist es halt eine „Altlast“ für diejenigen, die das KUKUmobil übernehmen und es sei mir nachgesehen, dass ich jetzt darüber hinwegsehe.
berlin _ 1158 _ textil
3 x 3
Serie EUROPA zu 2/3 fertig. Ganz spontan haben sich diese drei Gesichter verselbständigt und mit den EU _ RO _ PA _ Teppichen zu einer neuen Serie zusammengefunden. Ich bin selbst sehr gespannt, wie viele Serien ich bis September schaffe. 🙂
berlin _ 1157 – textil
3 x 3
Status quo im KUKUmobil:
Aus der Serie „EUROPA“, oder war es „GESICHTER“?
Ich merke, ich muss mich etwas zur Ordnung rufen, wenn ich bis September die 9 Serien zusammen bekommen möchte. Mit jedem Teppich eröffnet sich eine neue Welt und somit auch eine neue Serie. Wenn das so weitergeht, dann ver_webe ich mich auf dem Weg zu meinem Crowdfunding-Projekt…..


































































































































































































































