berlin _882 _textil

FAST wäre gestern der Welttag des Buches seiten- und zeilenlos an mir vorübergegangen. Aber eben nur FAST. Denn am Nachmittag habe ich unerwarteterweise von einem Freund ein Buch geschenkt bekommen:

Eine „Enzyklopädie der weiblichen Handarbeit“. Von Thérèse de Dillmont im Jahr 1886 verfasst.

Sich selbst beschreibt es als ein Buch mit englischem Einband und Goldschnitt im Taschenformat. 750 Seiten mit 1107 Holzschnitten und 17 farbigen Tafeln, 20 Kapitel enthaltend.

Eine kleine Bibel der Nadelarbeit. Kompakt. Konkret. Kostbar.

Ich bewundere Menschen, die bereit sind, mit liebevoller Sorgfalt und beharrlicher Gründlichkeit bestehendes Wissen zusammenzutragen, zu sortieren, und somit für die Gemeinschaft zugänglich und dadurch erlern- und nutzbar zu machen und zu (er)halten.

Nun wird diese kleine Kostbarkeit mit mir auf Reisen gehen. Immer mal wieder werde ich einen Blick hinein tun und Neues lernen.

Gestern habe ich damit angefangen. Beim Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses ist mein Blick an einem mir bis gestern unbekannten Begriff hängen geblieben: Frivolitätenarbeiten.

Laut Duden bezeichnet man mit Frivolität:

  • eine mit sexueller Anspielung versehene Mehrdeutigkeit meist schlüpfrigen Charakters
  • eine mit einem Schiffchen hergestellte Handarbeit in der Spitzenmacherei, auch Okkispitze genannt. Diese Handarbeit wird auch Schiffchenarbeit oder Frivolitätenarbeit genannt. Auf einer Fadenschlinge werden dichte Knoten aufgereiht und zu kleinen Bogen und Ringen vereinigt. Dabei ist der Arbeitsfaden auf Schiffchen aufgespult.

Tja, man lernt eben NIE aus.

In diesem Sinne: möge es für uns alle viele Tage des Buches geben, nicht nur im April. Nehmt euch Zeit, genießt es einzutauchen in andere Welten…. des Wissens, der Ideen, der Visionen, der Gedanken, Gefühle und Träume.

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berlin _ 881 _ textil

Es geht voran. Halb/Halb mit Wiedererkennungseffekt.

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berlin _ 880 _ fundstück

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berlin _ 879 _ fundstück

Es gab Zeiten, da hab ich Ostern ganz intensiv gefeiert. Nicht das christliche, sondern diese Verquickung aus überliefertem heidnischem Brauchtum und Tradition. Kultureller Nährboden halt. Ostereier ausblasen, färben, suchen, Osterfeuer genießen…. Die Wiederkehr der Lebenskraft begrüßen, in der Natur, an jedem Baum, im emsigen Bau der Vogelnester, in mir……

45 Jahre sind diese Ostereier jetzt schon alt. Und immer noch begleiten sie mich.

Es gab Zeiten, als die Kinder noch klein waren, als ich an anderen Orten lebte, da habe ich das Bedürfnis gehabt, all dieses Brauchtum zu bewahren, umzugestalten und weiterzugeben.

Der KUKU auf einem Osterei, von ULi gemalt.

Es gab Zeiten, da wurden die weissen Eier für uns zu Notizblöcken, zu kleinen Leinwänden auf denen wir unsere Nachrichten hinterlassen haben. Erinnerungen, Wünsche…….

Nach wie vor bedeuten mir diese weissen Hüllen in all ihrer Zerbrechlichkeit viel, wie die sonnengebleichten Schneckenhäuser, die ich jahrelang gesammelt habe. Sie sind Versprechen und Mahnung zugleich, tragen Anfang und Ende in sich ohne selbst Anfang und Ende zu haben.

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berlin _ 878

Dass dem so sein kann

Wie so oft, nein, eigentlich wie immer ist das was zu sehen ist nur die berühmte Spitze des Eisbergs, der im Meer der Mühe und Anstrengung, der Ungewissheit und Unsicherheit schwimmt und nur deshalb nicht untergeht, weil viele helfende Hände, Köpfe und Herzen mit Beharrlichkeit, mit Geduld, mit Zuversicht und Liebe dafür sorgen, dass dem so ist.

Das ist so in meiner analogen Welt, in der ich jede Bildwirkerei voller Dankbarkeit webe im Bewusstsein all dessen, was andere dazu beitragen, dass dem so sein kann.

Das ist so in meiner digitalen Welt, in der ich noch viel hilfloser unterwegs bin und viel mehr Unterstützung brauche, damit Räume wie dieser weiterhin bestehen können. Denn eigentlich wäre dieser Blog vor drei Wochen an seine Grenze gestoßen. Der nach eingekauftem Plan vorgesehene Speicherraum war nach fast zehn Jahren ausgeschöpft. Ihm über diese Hürde hinweg zu helfen, hätte ich alleine nicht geschafft.

Das ist so in meiner Vergangenheit so gewesen. Liebe und wichtige Menschen haben mich mit Rat und Tat und mit viel Geduld auf meinen nicht selten verworren anmutenden Wegen begleitet. Manchmal voller Unverständnis und Verwunderung, manchmal voller Vorbehalte, manchmal auch voller Begeisterung. Aber immer mit Liebe und Fürsorge.

Das ist so in meiner Gegenwart. Oft tauche ich unter im Atelier und versinke in meiner Arbeit am Webstuhl. Wenn ich dort bin, bin ich nicht andernorts. Wenn dann der Alltag trotzdem weitergeht und die Basisinfrastruktur trotzdem da ist, bedeutet das, dass andere sich kümmern.

Das ist so in meiner Zukunft. Wenn Ende 2022 das KUKUmobil fahrbereit in Berlin steht und die ersten Webstationen auf seine Ankunft warten, dann, weil es Menschen gibt, die dazu beitragen, dass dem so sein kann.

Das erfüllt mich mit großer Demut, Dankbarkeit und Freude.

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berlin _ 877 _ textil

DER EPILOG

Arbeit im Atelier _Für die Arbeit an meinem „Berliner Teppich 21“ hatte ich erstmals so viele Gobelinpinnen, dass ich zwischendurch keine frei machen musste für neue Garnmischungen. Am Ende gab es nicht nur eine Bildwirkerei, sondern auch eine Kiste voller VOLLER Pinnen. Zu schade, um daraus nichts zu machen.

Da ich, wenn ich die Arbeit an einem neuen Werk beginne, nicht in allen Schritten gleich akribisch, manchmal sogar eher nachlässig vorgehe und zum Beispiel nie eine Probe-Farbkarte, ein Musterstück oder dergleichen webe, sondern direkt eintauche in das „kalte“ Wasser, liegt es nahe auszuprobieren, wie es sich anfühlt, wenn danach noch etwas kommt…..

…..Wenn es ein Nachspiel gibt, im besten Sinne des Wortes, eine Nachgeburt sozusagen, ein sich Treiben lassen auf dem Wasser, Luft schöpfen, die Gelassenheit nach der Anspannung genießen…..

Es ist das erste Mal, dass ich solch einen Epilog webe.

Nach einer Woche sind ca. ein Drittel der Pinnen frei gewebt und ich versuche vorzuempfinden und bin sehr gespannt darauf zu sehen, wie dieser Epilog (80 cm hoch und wahrscheinlich um die 60 cm breit) neben dem Hauptstück wirken wird.

Ein weiterer Impuls für mich, um an eine Ausstellung zu denken, bevor ich mich mit dem KUKUmobil auf die Reise begebe. Und ein weiteres Abschließen.

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berlin _ 876 _ textil

Arbeit im Atelier _ Zu den Vorbereitungen einer Reise gehört für mich auch, vorherige Projekte so abzuschließen, dass man gehen kann, ohne das Gefühl zu haben, es wäre noch etwas zu tun gewesen.

Dazu gehört, dass die Bildwirkerei, einmal herausgelöst aus dem Webstuhl, liebevoll auf Herz und Nieren geprüft wird, also alle Fäden gestutzt werden, die nicht bedeutend sind, sowohl am Rand, als auch im gesamten Webstück. Und dass alle Schlitze, die im Gewebe entstanden sind, darauf geprüft werden, ob sie so stehen gelassen werden können/sollen oder sogar müssen, oder ob sie im Nachhinein vernäht werden.

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berlin _ 875 _ fundstück

Felix Meyer: http://felixmeyer.eu/
Max Prosa: https://www.maxprosa.de
Fayzen: https://www.fayzen.de
Sarah Lesch: https://www.sarahlesch.de
Andi Fins (Piano): https://www.finsmusic.com

Text, Musik, Arrangement: Felix Meyer, Max Prosa, Fayzen, Sarah Lesch & Andi Fins
Zimmer 16: http://www.zimmer-16.de/
Aufnahme: Zodiaque https://www.zodiaque.de
Kamera & Equipment: Philip Vogt https://www.ufo-filmgeraet.de
Europa Bilder: Hans-Peter Schroeder & Arne Weiss Schnitt & Farbkorrektur: Felix Meyer

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berlin _ 874 _ fundstück

Wir wissen nicht, was morgen wird.
Wir sind keine klugen Leute.
Der Spaten klirrt, und die Sense sirrt,
Wir wissen nicht, was morgen wird.
Wir ackern und pflügen das Heute.

Wir wissen wohl, was gestern war,
Und wir hoffen, es nie zu vergessen.
Wir wissen wohl, was gestern war,
Und wir säen das Brot, und das Brot ist rar,
Und wir hoffen, es auch noch zu essen.

Wir wissen nicht, was morgen wird,
Ob der Kampf unsrer harrt oder Frieden,
Ob hier Sense sirrt oder Säbel klirrt –
Wir wissen nur, daß es Morgen wird,
Wenn wir Schwerter zu Pflügen schmieden.

Mascha Kaléko

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pastrana _ 873 _ textil

Pastrana ist ein kleines knapp 900 Einwohner zählendes Dorf in der spanischen Provinz Guadalahara, ca. eineinhalb Autostunden von Madrid entfernt. Eigentlich wird es dadurch nicht unbedingt zu einem „Muss“ besuchenswerter Orte wenn man sich für eine Woche in Madrid aufhält, es sei denn….

Tja, es sei denn man hätte einen Faible für historische Bildwirkereien. Denn dann sieht die Welt ganz anders aus und Pastrana rutscht im Handumdrehn im Ranking auf einen der ersten zehn Plätze der Besucherliste.

Nun, den Faibel habe ich, bekanntermaßen. Und gute Freunde noch dazu, die diese Reise mit mir getan haben. Und so bin ich nach Pastrana gekommen und konnte mit eigenen Augen eine der beeindruckendsten Bildteppichserien sehen, die ich kenne.

Die Pastrana-Bildwirkereien wurden einst vom portugiesischen König Afonso V in Auftrag gegeben, um die Ereignisse an den Kriegsschauplätzen Arzila und Tanger, an denen Portugal Ende des 15. Jahrhunderts in Nordafrika erfolgreich beteiligt war, zu dokumentieren. Gewebte Kriegsberichterstattung. Durchaus üblich, wenn man es sich leisten konnte.

Kriege, besser gesagt Siege waren ein beliebtes Motiv. Die dazugehörige Verherrlichung der Kriegstreiber eingeschlossen. Wenn Pippi Langstrumpf singt: „Ich mach mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt“, dann ist das okay, denn sie ist ein Sympathieträger und steht nicht im Verdacht, sich anderer Leute Hab und Gut, Land und Kultur anzueignen. Bei den Königen der damaligen Zeit, wir reden hier konkret über das Jahr 1471, hat uns die Geschichte gelehrt, dass das anders war. Und Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Die Verlierer kommen selten zu Wort.

Damals gab es keine bildhafte Kriegsberichterstattung. Andererseits war nur ein kleiner Teil der Menschen des Lesens mächtig. Wollte man also von sich Reden machen, ging das nur über Erzählungen und über Bilder.

Was diese aus vier Wandteppichen bestehende Serie so besonders macht, ist nicht nur die Größe (jeweils 11 m x 4 m, also insgesamt 44 m Kriegsbericht), oder das Material (feinster Wolle und Seide) und die hervorragende technische Qualität, die angesichts der beauftragten Werkstatt nicht verwundert (Weberei Passchier Grenier, in der Stadt Tournai in Flandern, im heutigen Belgien).

Was sie wirklich einmalig macht ist die Zeitnähe ihrer Fertigstellung zu den Geschehnissen, über die sie berichten. Es ist nicht bekannt, ob es eine Bildvorlage gab und wenn, wer ihr Autor war. Auch ist nicht bekannt, wer die Webvorlage hergestellt hat.

Die Unmittelbarkeit ihrer Herstellung hinsichtlich der Ereignisse könnte fast die Vermutung nahelegen, dass sie direkt vom Text in die gewebte Textur gewandert sind. Sicherlich gab es Schriftstücke, Chroniken, die Zeugnis ablegten von dem, was Alfonso V in Nordafrika erreicht hatte.

Wer auch immer es gewesen sein mochte, der dafür verantwortlich zeichnet: Begnadet war er; ebenso wie die vielen fleißigen Hände, die die insgesamt 176 Quadratmeter in nur 4 Jahren gewebt haben. Eine wahre Meisterleistung.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Situation bekommen solche Werke eine ganz besondere Bedeutung. Noch vor einem halben Jahr hätte ich mich auf die Schönheit des Gewebes und der Komposition konzentriert, wohl auch auf die Qualität der Restauration.

Heute stehe ich davor, schau mir die Erzählung eines Eroberungskrieges an. Und wieder wird deutlich, wie Geschichte sich wiederholt. Nein, wir hatten gesagt, wie MENSCH sich wiederholt.

 

https://youtu.be/T-uBr91HsJE

 

Links zum Text:

Blogeinträge hier, Juni 2010:

http://www.andreamilde.eu/2010/06/12/textiles-nomadas-1-herunmziehende-textilien/
http://www.andreamilde.eu/2010/06/12/textiles-nomadas-primera-etapabruselas-herumziehende-textilien-erster-halt-brussel-2/

Website Museo de Tapices de Pastrana

Wikipediabeitrag zu den Bildwirkereien auf Spanisch (auch auf Englisch)

Blogeintrag „Planet Portugal“ 2011, anläßlich der Wanderausstellung der Bildwirkereien in USA (auf Deutsch)

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berlin _ 872 _ textil

Es fällt mir schwer, mich auf neue Projekte zu fokussieren, die Energie zu bündeln……

Zeit für den Rückzug in vertrautes Land…..

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berlin _ 871 _ erinnerung

2003. Jugoslawienkrieg. Verlorene Kindheit.

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berlin _ 870 _ textil

Vor drei Tagen schrieb ich: „Geschichte wiederholt sich“. Genauer hätte ich schreiben sollen „MENSCH wiederholt sich“. Leider.

Abgesehen von der eigenen Orientierungslosigkeit in dieser Zeitenwende und dem Gefühl, wegzusacken ins Bodenlose, tauchen Fäden auf aus der nahen und fernen Vergangenheit und verknüpfen sich. Leid. Trauer.

Vor einigen Tagen schrieb ich auch über das Wiedersehen mit Anna Brägger, die ich 2017 in Berlin anläßlich einer Ausstellung im MEK kennengelernt hatte.

Fäden, die sich miteinander verknüpfen. Fäden, die versuchen, die Welt zu verstehen und zu erzählen. Mahnend. Gegen das Vergessen. In der Hoffnung, die Erinnerung möge MENSCH vor der Wiederholung bewahren.

„1000 Tücher gegen das Vergessen“

Das Massaker von Srebrenica, schreckliche Höhepunkt der Jugoslawienkriege, die Anfang der 1990er entbrannten, kostete über 8.000 Menschen das Leben. Der Krieg forderte unzählige Opfer, deren Schicksal bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt ist, er zerriss Familien und Gemeinschaften und löste eine Fluchtbewegung aus. Nachbarn haben hier Nachbarn bekämpft, Volksgruppen, die zuvor Jahrzehnte friedlich zusammengelebt hatten, wurden von nationalistischen Parteien aufeinandergehetzt.

Das Fazit der Jugoslawienkriege sind weit über 100.000 Tote und eine Region, deren Wunden bis heute nicht verheilt sind.

Ausstellung 1000 Tücher, Tufa Trier © Foto: Anna S. Brägger

Vom 6. März bis zum 28. Juni 2020 zeigte das Trierer Kultur- und Kommunikationszentrum Tufa die Ausstellung „1000 Tücher gegen das Vergessen“, ein soziokulturelles Ausstellungsprojekt, das die Künstlerin Anna S. Brägger gemeinsam mit kriegstraumatisierten Frauen aus dem Westbalkan in Berlin entwickelt hat.

Die Frauen haben Tücher mit den Namen, Lebensdaten und Lieblingsmotiven ihrer ermordeten Freunde und Familienmitglieder bestickt und diese Tücher zu einer mittlerweile 47 Meter langen „Rolle des Gedenkens“ zusammengefügt. In Trier wird die Rolle des Gedenkens mit Texten zum Zeitgeschehen, Hörstationen mit den Lebensberichten der Frauen und Landschaftsfotografien von Nino Nihad Pusica ausgestellt.

Links zum Text:

SüdOst Europa Kultur e.V. mit der Genesis des Projektes

Der Dokumentarfilm zum Projekt

MEK _ Die Ausstellung 2017

Mein Blogeintrag von 2017

TUFA Trier

Es gibt Momente im Leben, die fühlen sich an, wie wenn man verwaist. Fixpunkte unseres Lebens gehen, hinterlassen eine bodenlose Leere. Die Eltern, manchmal die Partner, aber auch Ideale, Überzeugungen, Visionen…. Ich erinnere mich, dass mich dieses Gefühl ganz stark erfüllte, nachdem wir in Spanien, wie überall auf der Welt, am 15. Februar 2003 vor dem Irakkrieg zu Tausenden auf die Straße gingen, mit dem „No a la guerra“. Und dann kam er doch, der Krieg im Irak.

Damals fühlte ich mich verwaist. Jetzt fühle ich mich verwaist. Eine große Leere ist geblieben…….

Weil ich auf der Suche bin nach Orientierung und Anna aus der Schweiz kommt, passt vielleicht das folgende Video, als eine weitere Stimme in diesen so düsteren Zeiten……

Europas Verantwortung für eine Friedensperspektive

Gerald Häfner·25. Februar 2022

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berlin _ 869 _ labyrinth

Erster Besuch im Britzer Garten; zugegebenermassen mit therapeutischem Ansatz.

Weiter Blick, Farbtupfer in gelb, weiss und lila, Sonnenwärme, Ruhe.

UND, weil sie mir immer gutgetan haben: ein Labyrinth…..

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berlin _ 868 _ fundstück

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berlin _ 867 _

https://www.facebook.com/1253505994/videos/500537018366765

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berlin _ 866 _ textil

Geschichte wiederholt sich. Leider, muss man sagen, wenn es um ihre Schattenseiten geht. Und einmal mehr findet sie in der Textilkunst entsprechenden Erzählraum.

Eine fast zeitgenössische Chronik (nur 10 Jahre nach den Ereignissen entstanden) erzählt von Macht, Loyalität, Verrat, Krieg, Tod…. Mit unzähligen Tausenden von Nadelstichen von unbekannter Hand auf einem 68 Meter langen Stoffstreifen gestickt…..

Geschichte wiederholt sich. Leider. Namen und Orte sind andere. Schmerz und Zerstörung sind gleich entsetzlich.

DER LINK zur DOKU:

https://www.arte.tv/de/videos/091170-000-A/der-teppich-von-bayeux/

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berlin _ 865 _ fundstück

Aus der inneren Zerrissenheit, die ich seit dem Kriegsausbruch spüre, mit offenem Ohr, Herz und Geist zugehört:

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berlin _ 864 _ fundstück

Ich habe mit Engeln und Teufeln gerungen

genährt von der Flamme, geleitet vom Licht,

und selbst das Unmögliche ist mir gelungen,

aber das Mögliche schaffe ich nicht.

Mascha Kaléko

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berlin _ 863

Ihr Lieben, bis Ende des Jahres werde ich voraussichtlich noch in Berlin bleiben, und daher biete ich, wie in den Vorjahren, Bildwirkereikurse an der VHS Berlin (Tempelhof-Schöneberg).

Die beiden nächsten Kurse sind bereits belegt, aber die Sommerkurse sind jetzt für die Anmeldung online gestellt.

Wer also Lust und Zeit hat:

www.berlin.de/vhs-tempelhof-schoeneberg/

Ich würde mich freuen euch dort zu sehen. Wenn der Termin nicht passt, wird es auch noch zwei Kurse im Herbst geben. Das werden dann definitiv die letzten in Berlin sein.

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berlin _ 862 _ fundstück

In meinen Träumen läutet es Sturm

Wie kommt es nur, dass wir noch lachen,

Dass uns noch freuen Brot und Wein,

Dass wir die Nächte nicht durchwachen,

Verfolgt von tausend Hilfeschrein.

Habt Ihr die Zeitung nicht gelesen,

Saht Ihr des Grauens Abbild nicht?

Wer kann, als wäre nichts gewesen,

In Frieden nachgehn seiner Pflicht?

Klopft nicht der Schrecken an das Fenster,

Rast nicht der Wahnsinn durch die Welt,

Siehst Du nicht stündlich die Gespenster

Vom blutigroten Trümmerfeld ?

Des Tags, im wohldurchheizten Raume:

Ein frierend Kind aus Hungerland,

Des Nachts, im atemlosen Traume:

Ein Antlitz, das Du einst gekannt.

Wie kommt es nur, dass Du am Morgen

Dies alles abtust wie ein Kleid

Und wieder trägst die kleinen Sorgen,

Die kleinen Freuden, tagbereit.

Die Klugen lächeln leicht ironisch:

Ça c’est la vie. Des Lebens Sinn.

Denn ihre Sorge heißt, lakonisch:

Wo gehen wir heute Abend hin?

Und nur der Toren Herz wird weise:

Sieh, auch der große Mensch ist klein.

Ihr lauten Lärmer, leise, leise,

Und lasst uns sehr bescheiden sein.

Mascha Kaléko

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berlin _ 861 _ fundstück

Geduld

Geduld. Gelassenheit. O wem gelänge

Es still in sich in dieser Zeit zu ruhn,

Und wer vermöchte die Zusammenhänge

Mit allem Grauen von sich abzutun?

Zwar blüht das Land. Die reichen Zweige wehen,

Doch Blut und Tränen tränken rings die Erde

Und in der Tage stillem Kommen, Gehen

Verfällt das Herz der tiefsten Ungebärde.

Und ist des Leidens satt und will ein Ende

Und schreit für Tausende nach einer Frist,

Nach einem Zeichen, dass das Kreuz sich wende.

Und weiß doch nicht, mit welchem Maß der Bogen

Des Unheils über diese Welt gezogen

Und welches Schicksal ihm bereitet ist.

Marie Luise Kaschnitz

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westerwald _ 860 _

Anfang März habe ich Anna Brägger besucht. Kennengelernt haben wir uns 2017 in Berlin, anlässlich der Ausstellung der „Rola“, die sie im MEK organisiert hatte.

Später gab es ein kurzes Wiedersehen in Berlin und dann nur gelegentliche Kontakte in der virtuellen Welt. Das Leben hatte für jede von uns viel vorgesehen. Ein erneutes Zusammensein gehörte erst einmal nicht dazu. Bis jetzt.

Drei Tage, die wir intensiv genutzt haben. Anna hat mir den Altenkrichener Westerwald gezeigt und ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich irgendwann mit dem KUKUmobil dorthin käme, eine Webstation dort etablieren würde, z.B. in der Jugendkunstschule Altenkirchen, und damit begönne Menschen, Landschaft, Geschichte und Kultur dieser Region in den Europateppich einzuweben.

Und wir haben uns viel Zeit genommen für einen intensiven Gedankenaustausch, der mich sehr bereichert hat. Neben aller gedanklicher Abstraktion gab es auch das ein oder andere Konkrete, das ich lernen durfte.

So habe ich zum Beispiel den OLOID entdeckt, von dessen Existenz ich bis dahin keine Ahnung hatte. Ihr?

Bevor ich versuche, euch zu erklären, was ein Oloid ist und warum er so etwas Besonderes ist, schicke ich euch lieber auf die Wikipedia-Seite.

Da wird der praktische Nutzen dieses geometrischen Körpers beschrieben. Ich habe ihn las Handschmeichler lieb gewonnen und mir selbst einen zugelegt.

Es ist ein wunderschönes Objekt. Aus Ulme. Und schmiegt sich wie von selbst in die Hand.

Wenn ihr Interesse habt: www.oloid-holz.de

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pastrana _ 859 _ fundstück

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berlin _ 858 _

Kleine Gesten, die verhindern, dass die Welt ganz aus den Fugen gerät:

Gesten der Verbundenheit. Diesmal Glasweihnachtsbaumschmuck von Steffi.

DANKE!!!

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madrid _ 857 _ fundstück

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berlin _ 856

Ich versuche, mich in dieser neuen Konstellation zurechtzufinden. Ich versuche, diese „Zeitenwende“ für mich zu definieren, ich versuche, gegen das Gefühl anzukämpfen, dass mir der Teppich unter den Füßen und die Grundmauern meines Gedankengebäudes weggerissen werden; und das in dem Bewußtsein, dass dieser Kampf nicht vergleichbar ist, mit dem, der in den Städten der Ukraine so viel Schmerz und Wut und Angst und Traurigkeit verbreitet.

Ich versuche, mich dagegen zu wehren, dass eine Überzeugung, die mich seit Jahrzehnten trägt und von der ich getragen werde, im allgemeinen Diskurs mit einem teilweise hämischen Beiklang als „naiv“ einfach zur Seite geschoben wird.

Ich versuche bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlieren.

www.feministsagainstwar.org

Und ich versuche zuzuhören:

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berlin/madrid _ 855 _ labyrinthe

Ohnmächtig der derzeitigen Situation gegenüber, auf der Suche, wieder Boden unter den Füßen zu finden, bemühe ich mich weiterhin darum, aufmerksam zuzuhören, mich nicht zu sehr der Bilderflut auszusetzen, die ein solch übermäßiges Grausen vermittelt, dass ich fürchten müßte, meine Reaktion bestünde darin, mich in mich selbst zu verkriechen und nicht einmal in der Lage zu sein, das zu tun, was ich jetzt tue: kleine Gesten.

Bevor ich mich mit dem KUKUmobil auf den Weg durch Europa mache, wird es noch ein Labyrinth geben. Zum Abschied.

Als ich vor 5 Jahren hier ankam, gab es viele Dinge, die meine Aufmerksamkeit erregten. Dazu gehörte der Kronkorkenteppich auf den Berliner Straßen. Damals hatte ich beschlossen, dass mein Berliner Labyrinth eins aus Kronkorken sein würde.

Seitdem sammel ich. Und, wie das manchmal so ist, wenn man Freundschaften hat, die auch die schrulligsten Ideen begleiten, kommen immer mehr Beiträge wie dieser, von meiner Freundin Rosa aus Madrid. DANKE!!!

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hoyo de manzanares _ 854

Es fühlt sich seltsam an, aber es hilft. Das Gefühl der Ohnmacht zu überwinden, der Hilflosigkeit, der Banalität des eigenen Alltags gegenüber der dramatischen Lage, die plötzlich den Alltag anderer Menschen vollkommen zerstört hat.

Jeder von uns sucht gerade seinen Weg, um mit der Situation fertig zu werden, konkrete Hilfe zu leisten dort, wo es geht und Sinn macht; aber auch, um positive Energie zu generieren, Zuversicht zu nähren, sich zu wehren gegen diese diffuse Angst, die sich wie eine giftige Wolke über uns legt.

Mir helfen die Labyrinthe. Haben sie immer getan, seitdem sie mir begegnet sind. Als Zeichen der Verbundenheit, in Zeit und Raum, und des Wunsches nach Frieden.

https://www.facebook.com/andrea.milde.9/videos/310762491158575

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berlin _ 853

https://www.fairshareforwomenartists.de/

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