Im Prinzip schon, aber nicht in dieser Kombination.
westerwald _ 1395 _ fundstück
elkhausen _ 1394 – mobilität
Mobilität im ländlichen Raum
Mobilität ist ein Thema, spätestens, seit es das KUKUmobil gibt. Aber eigentlich schon immer. Wenn man im ländlichen Raum groß wird, dann ist es das, zwangsläufig. Egal ob in Deutschland oder in Spanien oder sonst wo auf der Welt.
Die Mitfahrbank
Am Dorfausgang von Elkhausen steht sie: die Mitfahrbank. Gedacht ist sie dafür, dass sich Menschen, die eine Mitfahrgelegenheit brauchen, dort hinsetzen und mit einem der verfügbaren Schilder anzeigen können, wohin sie gerne mitgenommen werden wollen.
Interessant. Das jetzt in so offizieller Form zu sehen. Wir hatten damals, vor 40 Jahren, keine Bank. Wir standen irgendwo am Straßenrand und hielten den Daumen raus und hatten manchmal, aber nur manchmal, handgemalte Schilder mit unserem Wunschfahrzielen dabei. Mit denen, die sich wiederholten. Gerne gesehen war das nicht unbedingt. Weder von den Eltern, noch von der Nachbarschaft. Und es haftete dem „Trampen“ immer etwas gefährliches an, so als ob man gegenseitig voneinander annehmen würde, jeder wartet nur auf die Gelegenheit…… Manchmal kam es dann von selbst zu Mitfahrgemeinschaften. Man groovte sich ein, würde man heute wohl sagen. Bekam ein Gespür dafür, wer, wann, wohin……
Ich weiß nicht, ob es in einem Dorf wie Elkhausen nicht einfacher wäre, eine digitale Plattform einzurichten, weiß nicht, so eine Art Mitfahr-Whats-App-Gruppe, in der diejenigen die suchen und diejenigen die anbieten relativ flexibel und relativ ihren Mobilitätsbedarf miteinander organisieren können.
Ich habe nachgefragt und es scheint jetzt nicht so zu sein, dass es eine große Nachfrage gäbe. Naja, die meisten haben eben einen Pkw, oder zwei, oder drei. Und den ein oder anderen Bus gibt es, außer am Wochenende, da gibt es nichts. Aber da will vielleicht auch niemand irgendwo hin.
Ich habe es in die andere Richtung einmal probiert. Letzte Woche. Aber in die andere Richtung. Von Wissen nach Elkhausen. Denn am Ortsausgang von Wissen in Richtung Bröhlbachtal gibt es natürlich auch eine solche Bank.
Es war Streiktag und ich dachte, die Busse fahren nicht. Taten sie dann doch. Glücklicherweise. Denn die halbe Stunde, die ich dort im Dunkeln gesessen habe, war nicht wirklich erfolgsversprechend.
Wie man die Frage der Mobilität für nicht motorisierte Menschen im ländlichen Raum lösen kann, ist sicherlich eine große Frage. Nicht nur in Deutschland.
Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Die Fahrt mit dem Schulbus hin und zurück war ein Graus für mich. Alle konnten alles mögliche machen in der Zeit, Hausaufgaben, Abschreiben, Lernen, Quatschen, Blödsinn machen, wenn der Busfahrer nicht hinsah….. und ich saß da, in mich gekehrt, und versuchte meine Magensäfte und sonstigen Körperflüssigkeiten in einer inneren Balance zu halten und so eine „Übergabe“ an die Außenwelt zu verhindern. Das bedurfte all meine Konzentration, selbst Reden ging da manchmal gar nicht.
Ich war froh, dass meine Kinder eine relativ kurze und gerade Fahrstrecke zur Schule hatten, als wir in Nordspanien wohnten, denn auch da hätte es für sie durchaus kompliziert werden können.
Jetzt sitze ich weder im Bus, der auf der kurvenreiche Strecke von Wissen nach Elkhausen durch das Bröhlbachtal Menschen von A nach B bringt. Ich merke, dass sich in mir nicht viel verändert hat. Ich habe nur gelernt, besser damit umzugehen und kann jetzt auch gleichzeitig reden.
Spannend finde ich dann den anderen Umgang mit der Frage nach Mobilität, dem ich vor Ort begegne.
Vor einigen Wochen habe ich ein interessantes Gespräch mit dem Mobilitätsforscher Andreas Knie gehört, das ich HIER gerne noch einmal verlinke.
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Früh übt sich……
Heute hatte ich einen kleinen Gast im KUKUmobil, den ich sehr lieb gewonnen habe. Er hält die Gobelinpinnen mit einer Selbstverständlichkeit, und das auch noch beidhändig…..
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Ein Fundstück ganz besonderer Art wartete heute am KUKUmobil auf mich. Nicht ich habe es, sondern es hat mich gefunden.
Es macht mich glücklich, zu wissen, dass ich so liebevoll begleitet werde.
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Wanderungen im Westerwald. Teil I
Meine erste Wanderung geht von Elkhausen, dem kleinen Ort in dem ich so liebevoll umsorgt werde und das KUKUmobil so tatkräftige Unterstützung gefunden hat, nach Wissen.
Auf der Alten Poststraße, die als Höhenwanderweg beide Orte miteinander verbindet, kann man die ca. 6 km Entfernung in gut eineinhalb Stunden zurücklegen, ….
…. wenn man nicht den Ausblick genießen möchte, der sich immer mal wieder auf das Siegtal bietet, an jeder Infotafel stehenbleibt, um sie zu lesen…. oder sich von bemoosten „Skulpturen“ verführen läßt und immer mal wieder vom „eigentlichen“ Weg abkommt, so wie Rotkäppchen.
Ein weiter Teil der Strecke ist zugleich auch als Botanischer Weg ausgezeichnet und vermittelt dem Wanderer nicht nur Kenntnisse über die heimische Vegetation, sondern auch über die gängige Bewirtschaftung dieser Kulturlandschaft und über die Frage, wie man den Auswirkungen des Klimawandels sinnvoll begegnen kann.
Übrigens mache ich ja jetzt die Fotos mit dem Smartphone und bin ganz begeistert von der „Dokumente“-Funktion, mit der ich diese Tafeln fotografieren kann, ohne sie später perspektivisch zurechtrücken zu müssen. Ich lerne!
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Es werde warm und licht…..
Seit über einem Jahr gibt es jetzt das KUKUmobil. Vor über einem Jahr haben wir die Fußbodenheizung eingebaut, haben die Led-Lichtstreifen in die Leisten eingelegt und an der Decke angebracht, haben die Steckdosen eingebaut und die Kabel verlegt.
Aber der Anschluss fehlte. Das orange Stromkabel quetschte sich durch einen kleinen Spalt zwischen Fenster und Rahmen. Und nicht nur das Kabel, auch die Kälte und die Feuchtigkeit.
Man gewöhnt sich an alles, auch an die Kälte. Die Fußbodenheizung wurde durch eine Infrarotheizung ersetzt, die nicht funktionierenden Steckdosen in der Wand durch einen Mehrfachsteckdose und die Led-Lichter durch meine Arbeitslampe. Klar geht das. Irgendwie.
Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie dankbar ich Simon bin, der sich in den letzten Tagen um die Elektroinstallation gekümmert hat. Jetzt funktioniert alles. Wenn ich im KUKUmobil ankomme, ist es kuschelig warm. An allen vier Ecken fliesst Strom aus der Wand.
Und ich habe ein neues Spielzeug: meine kleine Fernbedienung für die Ledstreifen. Jetzt kann ich nicht nur wählen zwischen warmem Weiss und kaltem Weiss. Ich kann über den Regenbogen wandern…..
…. und stehenbleiben beim Waldmeistergrün, oder beim Schlumpfblau, oder beim Sonnenuntergangsorange. Zumindest für eine Weile. Definitiv ist es ein Hingucker, selbst wenn ich das Rotlicht überspringe, um falsche Assoziationen gar nicht erst aufkommen zu lassen….
Für den 8.März steht die Farbe jedenfalls schon fest. Und vielleicht gibt es ja irgendwann mal einen KUKUmobil-Farbcode, so wie türkis= bin intensiv am weben, bitte nicht stören, grün= komm gerne rein…..
In welcher Farbe gefällt euch denn das KUKUmobil am besten?
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Ich weiß, zwischen Wissen und Weisheit kann manchmal ein ganzer Ozean liegen, aber die Binsen, die ich aus Bratislava mitgebracht habe unterscheiden sich vor meinem Auge nicht wesentlich von den Binsen, die ich hier im Brölbachtal „geerntet“ habe.
Daher passt es ganz gut, diese Gemeinsamkeit auszunutzen und der Serie der 12×12 cm Arbeiten mit ungewohnten Materialien ein weiteres Stück hinzuzufügen.
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Es geht weiter am kleinen Rahmen. Diesmal verarbeite ich die Binsen, die ich aus Bratislava mitgebracht habe.
„Binsenweisheit“ _
Als Binsenweisheit wird ein Gemeinplatz oder eine allgemein bekannte Information bezeichnet, besonders, wenn zum Ausdruck gebracht werden soll, dass eine als interessant vorgetragene Erkenntnis keinen besonderen materiellen Wert hat, keine Neuigkeit darstellt oder keinen Wissenszuwachs bringt. (wikipedia)
Wohl nach lateinisch nodum in scirpo quaerere = einen Knoten an der (glatten) Binse suchen, d. h., Schwierigkeiten suchen, wo es keine gibt. (Duden)
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Tag 1….
… in Wissen, die Sonne scheint, es wird so warm im KUKUmobil, dass ich die Heizung zeitweise ausschalten kann. Wunderbar. Alles neu sortiert, alles hat seinen Platz gefunden. Erste Gespräche mit Vorübergehenden. Viel Interesse, viel Wohlwollen. Es fühlt sich gut an, hier zu sein.
Kurz vor dem Aufbruch hatte ich mich dagegen entschieden, die Baustellentreppe, die Uli so liebevoll entworfen und gebaut hatte, mit auf die Reise zu nehmen. Sie ist stabil, aber auch schwer. Und vor allen Dingen waren die Holzplanken glitschig bei Regen und glatt bei Frost, also wirklich nicht geeignet für Publikumsverkehr im öffentlichen Raum.
Jetzt hat das KUKUmobil eine neue Treppe bekommen. Anna hat sie heute zusammengebaut. Ich finde, sie fügt sich sehr gut ein in das Gesamtbild.
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DER Tag
Jetzt ist er endlich gekommen, der Tag, an dem die große Reise beginnt……
Ich habe vor Aufregung kaum geschlafen, bin früh raus aus dem Schlafsack, um alles zu verzurren und das KUKUmobil abfahrbereit zu haben für den Moment, wenn Martin mit seinem mächtigen RAM auftaucht.
Und dann kam er, morgens um sechs, wie die kleine Hex‘ und im Handumdrehen war das KUKUmobil angehängt, durch das Tor und weg. Und wenn da nicht der seltsame Fleck auf dem Tartanboden wäre, könnte man fast denken, es wäre nie dagewesen.
Wir sind gut und zügig voran gekommen und ich habe mich endlich etwas entspannt. Es tut so gut, jemanden wie Martin am Steuer zu haben: die Ruhe selbst, geduldig mit mir, und souverän mit dem KUKUmobil.
Wir sind gut vorangekommen und weil die Gespräche mit Martin immer so unterhaltsam sind, kam uns die Reise kürzer vor, als sie eigentlich war.
Immerhin sind neun Stunden zusammengekommen. Es sind halt nur die 80 KM/h mit denen man über die Autobahn zuckeln kann. Dafür aber eine schöne Landschaft.
In Wissen wartete schon ein keines Empfangskomitee auf uns. Der Platz ist perfekt. Ich denke er wird uns Freude machen und wir werden uns bemühen, diese an die Menschen in und um Wissen herum weiterzugeben.
Morgen wird aufgebaut, heute hab ich nur den Webstuhl von der Verzurrung befreit, dass er wieder atmen kann. Und morgen erzähle ich euch mehr, auch über das Begleitprogramm, falls ihr in der Gegend seid und Lust habt, vorbei zu schauen.
Jetzt erst einmal nur da Wichtigste: Die Reise hat begonnen und das erste Ziel ist erreicht.
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Es geht los!!!
Die Winterpause ist fast zu Ende und das KUKUmobil bereitet sich auf die große Reise vor. Die Kisten und Kästen mit den Garnen und dem Werkzeug sind sortiert, einiges geht morgen noch von hier nach da, von da nach hier.
Donnerstag wird alles verzurrt und am Freitag brechen wir ganz früh morgens auf, um möglichst bei Tageslicht am neuen Standort anzukommen: Wissen an der Sieg, Rathausstraße 32.
Immerhin fast 600 km von Berlin bis zum neuen Standort. Wenn man nur mit 80 km/h voran kommt, dann bedeutet das schon einige Stunden unterwegs zu sein.
Dort wird das KUKUmobil sich warm laufen, wird hoffentlich viele Menschen neugierig machen auf die Welt der Bildwirkerei. Als Offene Werkstatt wird das KUKUmobil der perfekte Raum sein, in dem zu sehen ist, wie die Arbeit an einem Hochwebstuhl abläuft. Vielleicht ergibt sich sogar die Möglichkeit, eine kleine Pop-Up-Ausstellung zu organisieren.
Wir werden sehen, und in den kommenden Tagen hier darüber berichten. Jedenfalls macht sich in mir das Reisefieber schon breit. Ich freu mich, dass es nun endlich wieder auf Tour geht und ich bin dankbar für die Unterstützung aller, die gerade dabei sind, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.
Im Altenkirchener Kurier ist schon ein Artikel erschienen, der das Kommen des KUKUmobils ankündigt:
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Mein Freund, der Baum…..
Seitdem ich vor wenigen Wochen die Dicke Marie im Tegeler Forst besucht und danach über die Nationalerbe-Bäume gelesen habe, ist mein Blick wach für die alten Genossen und Genossinnen…
Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (Vereinigung für Baumkunde) wurde 1892 gegründet. 2019 rief sie ein fünfköpfiges Kuratorium ins Leben. Seine Aufgabe ist es, 100 „Nationalerbe-Bäume“ mit über 400 cm Stammumfang und möglichst über 400 Jahren Alter zu benennen, damit sie geschützt werden können und, was ich faszinierend finde: in Ruhe und Würde altern können, frei von der Notwendigkeit Schönheitsvorstellungen oder Sicherheitsbedürfnisse erfüllen zu müssen, die so oft dazu führen, dass alternde Bäume zurechtgestutzt oder gefällt werden.
Auf der Freundschaftsinsel in Potsdam, gleich wenn man aus dem Bahnhof kommt und sich rechterhand über die Brücke Richtung Sanssouci begibt, sieht man eine beeindruckende Baumruine. 2022 ist die Buche frühzeitig mit noch nicht mal 100 Jahren an einer Komplexkrankheit gestorben.
Auf ihrer Leiche tummeln sich jetzt Insekten und Pilze. Alles spannend, alles interessant, aber: der Baum ist tot.
Der Klimawandel wird all diejenigen, die sich beruflich mit dem Erhalt unserer Parkanlagen und Gartenlandschaften beschäftigen vor große Herausforderungen stellen. Der alte Baumbestand leidet unter den Veränderungen des Klimas: Hitze, Wassermangel, Extremwetterlagen, das sind alles Stressfaktoren. Und auch wenn alte Bäume Lebenserfahrung gesammelt haben und bis zu einem gewissen Punkt stresserprobt sind, ist es eben nur bis zu einem gewissen Punkt und wenn es zu viel wird, dann ist es zu viel.
Sehen tun wir Laien das ja erst viel später, eigentlich erst dann, wenn es fast schon zu spät ist. Das habe ich inzwischen begriffen. Aber ahnen können wir es immer mehr. Und es ist nicht so, als ob ich jetzt nur noch tote Bäume um mich herum wahrnehmen würde, aber ich mache mir immer mehr Gedanken dazu.
Beruhigend ist es, zu wissen, dass viele andere das natürlich auch tun und sie dazu noch über das entsprechende Fachwissen verfügen. Ich habe in der Berliner Morgenpost einen Artikel vom Juni 2023 gefunden in dem es genau darum geht: Baumsterben in historischen Parkanlagen, in diesem Fall in Sanssouci, und wie man dem begegnen kann.
„Ein Großteil unserer Bäume wird absterben“, meint Gartenarchitekt Sven Kerschek in Potsdam, der die Parks seit langem betreut und früher Chefgärtner war.
Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Fachleute vor allem von einer neuen Branitzer Baumuniversität in Cottbus, die der Bund mit fünf Millionen Euro fördert. Sie soll im kommenden Jahr entstehen und gilt als größtes Modellprojekt der Bundesregierung für den Erhalt historischer Gärten im Klimawandel.
Da schließt sich mein kleiner Erfahrungsbericht, und ich erinnere mich gerne an den langen Spaziergang durch den Fürst-Pückler-Park in Branitz, als ich mit dem KUKUmobil vergangenes Jahr in Cottbus stand.
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Aufbruch _ Abschied
Bald ist es soweit. Am 23.02.2024 wird das KUKUmobil die erste Etappe seiner Reise zurücklegen. Es geht erst einmal nach Wissen an der Sieg. Dort wird es zwei Wochen stehen, wird sich „warmlaufen“ nach der langen Winterpause. Ich bin so unendlich dankbar darüber, dass ich an diesen Ort stehen durfte.
Ich habe eine kleine Abschiedsserie begonnen. Tartan, Meerlagunengrün, Moos….
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berlin _ 1370 – fundstück
berlin _ 1368 _ fundstück
berlin _ 1367 _ fundstück
Übrigens: diese Berliner Erfindung erlebt ein Revival: Nachdem 2019 der Betreiber Ilg-Außenwerbung das Geschäft von Wall übernommen hatte, wurden berlinweit zunächst 2500 der alten Säulen abgebaut. Mittlerweile stehen 1480 neue – und es kommen immer mehr dazu.
Sara Orlos Fernandes hat vor Kurzem in der BZ dazu einen kleinen Artikel veröffentlicht.
Ich mag sie. Und ich fänd es toll, wenn es nicht nur Werbe- sondern auch Bürger-Kommunikationsflächen werden würden, so ’ne Art Wandzeitung, Schwarzes Brett… keine Ahnung. Aber das wäre vielen vielleicht wiederum wohl zu „schubbelig“.
bratislava _ 1366 – textil
Bratislava
Ein einziger Punkt stand auf meiner MUST-SEE-Liste schon bevor ich nach Bratislava gefahren bin. Ich meine, neben dem Wiedersehen mit Tereza, das mich ja überhaupt in diese Stadt geführt hat. Das einzige, was ich vor Reiseantritt gemacht habe, war, den Wikipediaeintrag über Bratislava zu lesen. Der ist recht ausführlich, und ehrlich gesagt habe ich einiges nur überflogen, ABER da stand doch tatsächlich in einem knappen Satz: Im 1781 erbauten Primatialpalais (Primaciálny palác), dem heutigen Sitz des Bürgermeisters, wurde 1805 der vierte Frieden von Pressburg unterzeichnet. In der dortigen Galerie sind unter anderem sechs englische Gobelins aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt, die die Geschichte von Hero und Leander aus der griechischen Mythologie erzählen.
VI. Die Gobelins im Primatialpalais
1903 wurde das Palais vom Erzbischof an die Stadt verkauft. Bei den Sanierungsarbeiten entdeckte man eine bis dahin unbekannten Serie von sechs Gobelins aus dem 17. Jahrhundert. Sie basieren auf den Entwürfen des aus Rostock stammenden Malers Franz Cleyn und erzählen die Geschichte von Hero und Leander.
Cleyn kam 1599 an den Hof König Christians IV. von Dänemark in Kopenhagen. 1611 wurde er zum Hofmaler ernannt. 1617 erhielt er das Bürgerrecht von Kopenhagen. 1624, ausgestattet mit Empfehlungsschreiben von Sir Robert Anstruther, außerordentlicher Botschafter Englands am dänischen Hof sowie von Sir Henry Wotton, dem damaligen englischen Botschafter in der Republik Venedig, nach England zu Charles, zu der Zeit Prinz von Wales. Da dieser außer Landes war, wurde er von James I. empfangen. Dieser sah in ihm genau den Mann, den er für die neue Wandteppichmanufaktur benötigte, die er unter Sir Francis Crane in Mortlake bei London hatte einrichten lassen, die Mortlake Tapestry Works. Da Cleyn zur Beendigung einiger Arbeiten nach Dänemark zurück musste, James I. ihn aber unbedingt nach England holen wollte, schrieb er persönlich an den dänischen König und bat um dessen Freigabe. Der Antrag wurde bewilligt, und Cleyn kehrte nach England zurück und trat in den Dienst von Prinz Charles. Er wurde sofort in Mortlake angestellt.
Die Tapisserien und anderen Produktionen der Manufaktur Mortlake wurden vor allem in Frankreich hoch geschätzt und über den Kontinent verteilt.Wie damals durchaus üblich, wurden bestimmte Vorlagen mehrmals gewebt, mal etwas größer oder kleiner, weil sie an die Wünsche der Auftraggeber angepasst wurden, denn sie wurden immer zusammen mit den Räumlichkeiten gedacht, die sie schmücken sollten. Heute gibt es vollständige Serien in Liverpool, in der Sammlung des Schwedischen Königshauses in Drottningholm, in der Nähe von Stockholm und eben in Bratislava.
Wie genau die Serie der sechs Tapisserien nach Bratislava gekommen ist, weiss man bis heute nicht. Sie haben überlebt, das ist das wichtigste. Und sie werden gezeigt, im heutigen Rathaus. Und sie weisen eine Besonderheit auf: es sind sechs Gobelins, wobei der sechste einem Ausschnitt aus dem fünften zeigt: den traurigen Eros mit zerbrochenem Bogen, der im fünften Gobelin eher am Rande der Bildkomposition auftaucht und im sechsten noch einmal in den Mittelpunkt gerückt wird.
Hero und Leander
Gobelins wurden oft als Bildergeschichten konzipiert und erzählen von Schlachten, stellen biblischen Geschehnissen und Gleichnissen dar, oder, wie hier, eine Geschichte aus der griechischen Mythologie.
Der Sage zufolge war Hero eine Priesterin der Aphrodite in Sestos am westlichen Ufer der Meerenge Hellespont. Ihr Geliebter Leander lebte in Abydos am gegenüberliegenden kleinasiatischen Ufer. Da er Hero nur heimlich besuchen konnte, durchschwamm er allnächtlich den Hellespont. Ein Leuchtfeuer, das Hero in einem Turm entzündete, oder eine von ihr dort verwendete Öllampe oder Fackel wies ihm den Weg. Einmal verirrte er sich jedoch bei einem Sturm, der das Feuer auslöschte, und ertrank. Am folgenden Morgen entdeckte Hero seinen angeschwemmten Leichnam am Ufer und stürzte sich vom Turm in den Tod.
1
Unerfahren in der Liebe, bat Hero ihre göttliche Herrin darum, möglichst lange ein jungfräuliches Leben führen zu dürfen. Doch als eines Tages der schöne Held Leander in Sestos auftaucht ist wenig später um beide geschehen. Der Pfeil sitzt. Sie verlieben sich heftig ineinander.
2
Als Priesterin ist Hero nicht frei in den Entscheidungen ihres Herzens. Auch sind die beiden sich sicher, dass ihre Eltern die Verbindung zwischen ihnen nicht gutheißen würden. Deshalb halten sie ihre Liebe geheim.
3
Leander wohnt in Abydos, einem auf der anderen Seite des Hellesponts gelegenen Ort. Um zu Hero zu gelangen, muss er nachts die Meerenge durchschwimmen. Damit er den Weg zu ihr finden kann, zündet Hero jeden Abend eine Lampe an. Sie wird zum Sinnbild ihrer Liebe. Ihr schwaches Licht allein schon spornte Leander an, die Strecke durch die Meerenge zu bewältigen.
4
Obwohl beiden die Gefahr bewusst ist, dass die Lampe bei stürmischem Wetter gelöscht werden könnte, läßt Hero eines Nachts voller Sehnsucht nach ihrem Geliebten die notwendige Vorsicht außer acht.Hier sieht man Eros mit dem leitenden Licht und im Hintergrund erahnt man schon, was sich da zusammenbraut.
5
So geschieht es, dass ein Sturm das Licht ausbläst. Leander verliert die Orientierung und ertrink im Meer. Als anderntags seine Leiche ans Gestade von Sestos gespült wird, stürzt sich Hero in Trauer und Schmerz von einem Turm und folgt ihm in den Tod.

Gemälde Hero und Leander von Domenico Fetti – 1. Kunsthistorisches Museum Wien, Bilddatenbank.2. gallerix.ru, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5224487
6
Die Serie in Bratislava endet mit der Darstellung der verzweifelten Hero und des traurigen Eros. Ihr Freitod hätte das Motiv des sechsten Gobelins sein können. Doch das war wohl dann doch zu heftig, oder die Wand war zu klein….
Hier ein Link zur Gobelinmanufaktur in Bratislava. Ich habe sie leider nicht besuchen können. Vielleicht beim nächsten Mal.
Und noch ein kleines Anhängsel zum Thema unglückliche Liebespaare: Ins deutsche Liedgut hat diese tragisch-schöne Sage mit den Strophen „Es waren zwei Königskinder“ Eingang gefunden.
Rudolf Schock, René Kollo…. im Internet gibt es die verschiedensten Versionen, gesprochen, gesungen, einzeln und im Chor….. wir haben die Balladen für Kinder von Lutz Görner immer gerne gehört, als die Kinder noch klein waren. Hier seine Version dieses deutschen Volksliedes:











































































































