cottbus _ 1016 _ textil

Nach einer längeren Unterbrechung ist es wieder einmal so weit: die Kisten mit dem Material werden zusammengepackt, die freien Rahmen zusammengesucht, das Werkzeug sortiert, die kleinen Bibliothek ebenfalls, und alles zusammen ins Auto verfrachtet.

Diesmal ist das Ziel allerdings nicht eine VHS in Berlin, sondern liegt in Cottbus, im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst, dem BLMK. Der Wochenendkurs ist Teil des Museumsatlier-Programms und begleitet die Ausstellung „Der Klang des Papiers“, in der eine meiner Arbeiten zu sehen ist.

Eigentlich sollte es ja auch die Jungfernfahrt des KUKUmobils sein. Doch davon erzähle ich später noch etwas ausführlicher, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Was jetzt nicht sein konnte, weil das KUKUmobil noch nicht fertig ist, das wird Ende Januar sein.

 

Aber jetzt erst einmal zurück zum Kurs. Denn wie immer und jedes mal aufs Neue ist es für mich ein wunderbares Erlebnis, anderen Menschen meine Begeisterung für die Bildwirkerei weitergeben zu können. Manchmal zündet die Flamme und züngelt sich durch das weitere Leben, manchmal erlischt sie nach den drei intensiven Tagen, die der Kurs dauert, weil es draußen stürmt und die innere und äußere Ruhe sich nicht einstellt; manchmal auch, weil man ausprobiert und für sich festgestellt hat, dass die Langsamkeit der Bildwirkerei doch nicht das ist, was einen mit sich selbst verbindet und die Zeit vergessen lässt.

Inspirierende Räumlichkeiten standen uns diesmal zur Verfügung. Ich war es schon so sehr gewöhnt, Tische umzustellen und mit der Buntheit meiner Wolle gegen die Klassenzimmeratmosphäre in den VHS-Räumen anzukämpfen, dass mich ein angenehm vertrautes Gefühl überkam, als ich in den Werkstattraum des Museums eintauchen durfte: alles voller Material zum kreativen, künstlerischen Arbeiten. Keine Notwendigkeit, den Raum mit einer anderen Energie zu füllen, die waberte schon zwischen den Wänden und wartete nur darauf eingefangen zu werden.

Das, und die gute Stimmung, für die Antje, Sybille, Barbara, Uta, Karla, Edeltraud und Sabine gesorgt haben, ihre Bereitschaft, sich auf diesen Ausflug in die Welt der Fäden einzulassen, mit Entdeckerfreude und Konzentration, hat dieses Wochenende zu einem Genuß gemacht.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über einen Kurs berichte. Es wird euch bekannt klingen, dieses immer wieder neue Erstaunen und die Freude darüber, wie nach dem  Einrichten des Webrahmens, das für alle gleich ist, die Arbeit an jedem Rahmen ihren ganz eigenen Weg findet, und die Ergebnisse in ihrer Einzigartigkeit  Zeugnis geben von der Verschiedenartigkeit menschlicher Wesen und der Fähigkeit, diese durch die Bildwirkerei zum Ausdruck zu bringen und mit anderen zu teilen, um sich gegenseitig zu bereichern. Drei Tage reichen aus, um das erlebbar zu machen.

 

Der Plon

Tja, ist man in der Spreewaldgegend unterwegs, dann darf er wohl nicht fehlen, der Plón. Ich bin ihm nur einmal in einer Folge des „Spreewaldkrimis“ begegnet, und jetzt, im Kurs, ein zweites Mal.

Der Plón (niedersorbisch für Drache, obersorbisch zmij) ist ein Hausgeist der sorbischen Mythologie. Er zeigt sich nur selten, jedoch kann man ihn manchmal in den Abendstunden am Himmel oder auf dem Scheunendach sehen.

Ähnlich anderen Hausdrachen bringt der Plón unverhofft Reichtum ins Haus. Im Austausch verlangt er jedoch, dass man ihn mit Hirsebrei und Keksen füttert. Je nachdem, was der Drache bringt, wird manchmal zwischen Getreidedrachen (žitny zmij), Milchdrachen (mlokowy zmij) und Gelddrachen (pjenježny zmij) unterschieden.

Die Landschaft

(1)

Ich weiss nicht, ob es eine konkrete Landschaft ist, die hier als Vorlage dient, ob es die Erinnerung an einen Spreewaldspaziergang ist, oder ein Bild aus einer ganz anderen Welt.

Landschaften sind immer eine Herausforderung, weil sie, egal welche, eine Unmenge an Emotionen in sich bergen, die mit dem Bild vermittelt werden wollen / sollen. Ich kann das gut nachvollziehen, auch, wenn es für mich als Kursleitende nicht immer leicht zu begleiten ist, denn die Gefühlslandschaft, die als Ausgangspunkt dient, ist eine ureigene, die wir in uns tragen. Auf dem Papier, in der Webvorlage, ist nur ein Teil von ihr enthalten. Der Rest ist eine Ahnung.

(2)

Bei den erdachten Landschaften ist es etwas einfacher. Es geht um eine besondere Stimmung, die man vermitteln möchte. Durch bestimmte Symbole, wie den silbernen Mond, das alleinstehende Haus…. kommt diese Stimmung für den Betrachter nachvollziehbar zur Geltung.

Und auch hier: Wie silbern der Mond… Sind wir Mondmenschen?  Klingt es warm oder kalt in uns an? Empfinden wir die Wärme, die das kleine Häuschen inmitten der Hügellandschaft mit der unendlich großen Weite des Nachthimmels, der sich über ihm spannt, durch das kleine Fenster ausstrahlt? Oder fühlen wir eine gewisse Verlorenheit? Mag sein, dass es sogar von unserer Tagesform abhängt, ob so …. oder so.

Geometrie

Geometrische Kompositionen kommen in den Workshops immer wieder vor. Sie bieten eine gute Möglichkeit, Grundlagen der Wirkerei umzusetzen, auszuprobieren und zu variieren: den Charme der Diagonalen, die Einfachheit der Horizontalen, die Herausforderung der Vertikalen und des Kreises.

Diesmal kam von allem etwas vor:

(1)

Eine Komposition von rechteckigen Farbflächen:

(2)

Eine Komposition von Dreiecken:

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Eine Pyramide:

(4)

Der Kreis

Sieben Frauen, sieben Leben, sieben unterschiedliche Herangehensweisen, sieben unterschiedliche Werke. Ich liebe es, in diese Vielfalt einzutauchen.

Einmal mehr: DANKE an euch SIEBEN, dass ihr ein kleines Stück Weg mit mir gegangen seid. Ich hoffe, es hat euch ebenso bereichert, wie mich.

Ihr habt keinen fertigen Teppich gesehen. Das hat auch seine Gründe. Recht früh schon, am zweiten Kurstag, habe ich angeboten, dass all diejenigen, die wollen, den Rahmen mitnehmen und den Teppich in Ruhe zuhause fertig weben können, sollte die Zeit nicht reichen. Wir hatten eine lange Fahrt vor uns und wollten nicht zu spät nach Berlin zurückkommen, daher konnte ich nicht, wie sonst so oft, eine oder zwei Stunden hinten dranhängen. Dann wären vielleicht drei oder vier Teppiche fertig geworden.

Aber ich komme ja wieder nach Cottbus. Die Reise mit dem KUKmobil ist ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Und in der Zwischenzeit brauche ich die Webrahmen nicht. Gerne haben fast alle Kursteilnehmerinnen von dem Angebot Gebrauch gemacht und so blieb auch der Sonntag sehr entspannt.

Nur die Pyramide ist trotz des Wegfalls des Zeitdrucks fertig geworden:

Alle anderen Arbeiten werde auch ich erst im Februar zu Gesicht bekommen, wenn ich meine Jungfernfahrt mit dem KUKUmobil nach Cottbus mache und eine Weile vor dem Museum stehen werde. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.

Die Ausstellung ist übrigens auch noch bis Februar zu sehen. Also gerne vorbeischauen. Sie ist einen Besuch wert, so wie der Rest des Museums und, natürlich, das KUKUmobil, wenn euer Besuch in diese Zeit fallen sollte.

 

Text aus der Museums-Website. Link hier

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