Arbeit im Atelier _ Zu den Vorbereitungen einer Reise gehört für mich auch, vorherige Projekte so abzuschließen, dass man gehen kann, ohne das Gefühl zu haben, es wäre noch etwas zu tun gewesen.
Dazu gehört, dass die Bildwirkerei, einmal herausgelöst aus dem Webstuhl, liebevoll auf Herz und Nieren geprüft wird, also alle Fäden gestutzt werden, die nicht bedeutend sind, sowohl am Rand, als auch im gesamten Webstück. Und dass alle Schlitze, die im Gewebe entstanden sind, darauf geprüft werden, ob sie so stehen gelassen werden können/sollen oder sogar müssen, oder ob sie im Nachhinein vernäht werden.
Text, Musik, Arrangement: Felix Meyer, Max Prosa, Fayzen, Sarah Lesch & Andi Fins Zimmer 16: http://www.zimmer-16.de/ Aufnahme: Zodiaque https://www.zodiaque.de Kamera & Equipment: Philip Vogt https://www.ufo-filmgeraet.de Europa Bilder: Hans-Peter Schroeder & Arne Weiss Schnitt & Farbkorrektur: Felix Meyer
Wir wissen nicht, was morgen wird. Wir sind keine klugen Leute. Der Spaten klirrt, und die Sense sirrt, Wir wissen nicht, was morgen wird. Wir ackern und pflügen das Heute.
Wir wissen wohl, was gestern war, Und wir hoffen, es nie zu vergessen. Wir wissen wohl, was gestern war, Und wir säen das Brot, und das Brot ist rar, Und wir hoffen, es auch noch zu essen.
Wir wissen nicht, was morgen wird, Ob der Kampf unsrer harrt oder Frieden, Ob hier Sense sirrt oder Säbel klirrt – Wir wissen nur, daß es Morgen wird, Wenn wir Schwerter zu Pflügen schmieden.
Pastrana ist ein kleines knapp 900 Einwohner zählendes Dorf in der spanischen Provinz Guadalahara, ca. eineinhalb Autostunden von Madrid entfernt. Eigentlich wird es dadurch nicht unbedingt zu einem „Muss“ besuchenswerter Orte wenn man sich für eine Woche in Madrid aufhält, es sei denn….
Tja, es sei denn man hätte einen Faible für historische Bildwirkereien. Denn dann sieht die Welt ganz anders aus und Pastrana rutscht im Handumdrehn im Ranking auf einen der ersten zehn Plätze der Besucherliste.
Nun, den Faibel habe ich, bekanntermaßen. Und gute Freunde noch dazu, die diese Reise mit mir getan haben. Und so bin ich nach Pastrana gekommen und konnte mit eigenen Augen eine der beeindruckendsten Bildteppichserien sehen, die ich kenne.
Die Pastrana-Bildwirkereien wurden einst vom portugiesischen König Afonso V in Auftrag gegeben, um die Ereignisse an den Kriegsschauplätzen Arzila und Tanger, an denen Portugal Ende des 15. Jahrhunderts in Nordafrika erfolgreich beteiligt war, zu dokumentieren. Gewebte Kriegsberichterstattung. Durchaus üblich, wenn man es sich leisten konnte.
Kriege, besser gesagt Siege waren ein beliebtes Motiv. Die dazugehörige Verherrlichung der Kriegstreiber eingeschlossen. Wenn Pippi Langstrumpf singt: „Ich mach mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt“, dann ist das okay, denn sie ist ein Sympathieträger und steht nicht im Verdacht, sich anderer Leute Hab und Gut, Land und Kultur anzueignen. Bei den Königen der damaligen Zeit, wir reden hier konkret über das Jahr 1471, hat uns die Geschichte gelehrt, dass das anders war. Und Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Die Verlierer kommen selten zu Wort.
Damals gab es keine bildhafte Kriegsberichterstattung. Andererseits war nur ein kleiner Teil der Menschen des Lesens mächtig. Wollte man also von sich Reden machen, ging das nur über Erzählungen und über Bilder.
Was diese aus vier Wandteppichen bestehende Serie so besonders macht, ist nicht nur die Größe (jeweils 11 m x 4 m, also insgesamt 44 m Kriegsbericht), oder das Material (feinster Wolle und Seide) und die hervorragende technische Qualität, die angesichts der beauftragten Werkstatt nicht verwundert (Weberei Passchier Grenier, in der Stadt Tournai in Flandern, im heutigen Belgien).
Was sie wirklich einmalig macht ist die Zeitnähe ihrer Fertigstellung zu den Geschehnissen, über die sie berichten. Es ist nicht bekannt, ob es eine Bildvorlage gab und wenn, wer ihr Autor war. Auch ist nicht bekannt, wer die Webvorlage hergestellt hat.
Die Unmittelbarkeit ihrer Herstellung hinsichtlich der Ereignisse könnte fast die Vermutung nahelegen, dass sie direkt vom Text in die gewebte Textur gewandert sind. Sicherlich gab es Schriftstücke, Chroniken, die Zeugnis ablegten von dem, was Alfonso V in Nordafrika erreicht hatte.
Wer auch immer es gewesen sein mochte, der dafür verantwortlich zeichnet: Begnadet war er; ebenso wie die vielen fleißigen Hände, die die insgesamt 176 Quadratmeter in nur 4 Jahren gewebt haben. Eine wahre Meisterleistung.
Vor dem Hintergrund der derzeitigen Situation bekommen solche Werke eine ganz besondere Bedeutung. Noch vor einem halben Jahr hätte ich mich auf die Schönheit des Gewebes und der Komposition konzentriert, wohl auch auf die Qualität der Restauration.
Heute stehe ich davor, schau mir die Erzählung eines Eroberungskrieges an. Und wieder wird deutlich, wie Geschichte sich wiederholt. Nein, wir hatten gesagt, wie MENSCH sich wiederholt.
Vor drei Tagen schrieb ich: „Geschichte wiederholt sich“. Genauer hätte ich schreiben sollen „MENSCH wiederholt sich“. Leider.
Abgesehen von der eigenen Orientierungslosigkeit in dieser Zeitenwende und dem Gefühl, wegzusacken ins Bodenlose, tauchen Fäden auf aus der nahen und fernen Vergangenheit und verknüpfen sich. Leid. Trauer.
Vor einigen Tagen schrieb ich auch über das Wiedersehen mit Anna Brägger, die ich 2017 in Berlin anläßlich einer Ausstellung im MEK kennengelernt hatte.
Fäden, die sich miteinander verknüpfen. Fäden, die versuchen, die Welt zu verstehen und zu erzählen. Mahnend. Gegen das Vergessen. In der Hoffnung, die Erinnerung möge MENSCH vor der Wiederholung bewahren.
„1000 Tücher gegen das Vergessen“
Das Massaker von Srebrenica, schreckliche Höhepunkt der Jugoslawienkriege, die Anfang der 1990er entbrannten, kostete über 8.000 Menschen das Leben. Der Krieg forderte unzählige Opfer, deren Schicksal bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt ist, er zerriss Familien und Gemeinschaften und löste eine Fluchtbewegung aus. Nachbarn haben hier Nachbarn bekämpft, Volksgruppen, die zuvor Jahrzehnte friedlich zusammengelebt hatten, wurden von nationalistischen Parteien aufeinandergehetzt.
Das Fazit der Jugoslawienkriege sind weit über 100.000 Tote und eine Region, deren Wunden bis heute nicht verheilt sind.
Vom 6. März bis zum 28. Juni 2020 zeigte das Trierer Kultur- und Kommunikationszentrum Tufa die Ausstellung „1000 Tücher gegen das Vergessen“, ein soziokulturelles Ausstellungsprojekt, das die Künstlerin Anna S. Brägger gemeinsam mit kriegstraumatisierten Frauen aus dem Westbalkan in Berlin entwickelt hat.
Die Frauen haben Tücher mit den Namen, Lebensdaten und Lieblingsmotiven ihrer ermordeten Freunde und Familienmitglieder bestickt und diese Tücher zu einer mittlerweile 47 Meter langen „Rolle des Gedenkens“ zusammengefügt. In Trier wird die Rolle des Gedenkens mit Texten zum Zeitgeschehen, Hörstationen mit den Lebensberichten der Frauen und Landschaftsfotografien von Nino Nihad Pusica ausgestellt.
Es gibt Momente im Leben, die fühlen sich an, wie wenn man verwaist. Fixpunkte unseres Lebens gehen, hinterlassen eine bodenlose Leere. Die Eltern, manchmal die Partner, aber auch Ideale, Überzeugungen, Visionen…. Ich erinnere mich, dass mich dieses Gefühl ganz stark erfüllte, nachdem wir in Spanien, wie überall auf der Welt, am 15. Februar 2003 vor dem Irakkrieg zu Tausenden auf die Straße gingen, mit dem „No a la guerra“. Und dann kam er doch, der Krieg im Irak.
Damals fühlte ich mich verwaist. Jetzt fühle ich mich verwaist. Eine große Leere ist geblieben…….
Weil ich auf der Suche bin nach Orientierung und Anna aus der Schweiz kommt, passt vielleicht das folgende Video, als eine weitere Stimme in diesen so düsteren Zeiten……
Europas Verantwortung für eine Friedensperspektive
Geschichte wiederholt sich. Leider, muss man sagen, wenn es um ihre Schattenseiten geht. Und einmal mehr findet sie in der Textilkunst entsprechenden Erzählraum.
Eine fast zeitgenössische Chronik (nur 10 Jahre nach den Ereignissen entstanden) erzählt von Macht, Loyalität, Verrat, Krieg, Tod…. Mit unzähligen Tausenden von Nadelstichen von unbekannter Hand auf einem 68 Meter langen Stoffstreifen gestickt…..
Geschichte wiederholt sich. Leider. Namen und Orte sind andere. Schmerz und Zerstörung sind gleich entsetzlich.
Ihr Lieben, bis Ende des Jahres werde ich voraussichtlich noch in Berlin bleiben, und daher biete ich, wie in den Vorjahren, Bildwirkereikurse an der VHS Berlin (Tempelhof-Schöneberg).
Die beiden nächsten Kurse sind bereits belegt, aber die Sommerkurse sind jetzt für die Anmeldung online gestellt.
Ich würde mich freuen euch dort zu sehen. Wenn der Termin nicht passt, wird es auch noch zwei Kurse im Herbst geben. Das werden dann definitiv die letzten in Berlin sein.
Anfang März habe ich Anna Brägger besucht. Kennengelernt haben wir uns 2017 in Berlin, anlässlich der Ausstellung der „Rola“, die sie im MEK organisiert hatte.
Später gab es ein kurzes Wiedersehen in Berlin und dann nur gelegentliche Kontakte in der virtuellen Welt. Das Leben hatte für jede von uns viel vorgesehen. Ein erneutes Zusammensein gehörte erst einmal nicht dazu. Bis jetzt.
Drei Tage, die wir intensiv genutzt haben. Anna hat mir den Altenkrichener Westerwald gezeigt und ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich irgendwann mit dem KUKUmobil dorthin käme, eine Webstation dort etablieren würde, z.B. in der Jugendkunstschule Altenkirchen, und damit begönne Menschen, Landschaft, Geschichte und Kultur dieser Region in den Europateppich einzuweben.
Und wir haben uns viel Zeit genommen für einen intensiven Gedankenaustausch, der mich sehr bereichert hat. Neben aller gedanklicher Abstraktion gab es auch das ein oder andere Konkrete, das ich lernen durfte.
So habe ich zum Beispiel den OLOID entdeckt, von dessen Existenz ich bis dahin keine Ahnung hatte. Ihr?
Bevor ich versuche, euch zu erklären, was ein Oloid ist und warum er so etwas Besonderes ist, schicke ich euch lieber auf die Wikipedia-Seite.
Da wird der praktische Nutzen dieses geometrischen Körpers beschrieben. Ich habe ihn las Handschmeichler lieb gewonnen und mir selbst einen zugelegt.
Es ist ein wunderschönes Objekt. Aus Ulme. Und schmiegt sich wie von selbst in die Hand.
Ich versuche, mich in dieser neuen Konstellation zurechtzufinden. Ich versuche, diese „Zeitenwende“ für mich zu definieren, ich versuche, gegen das Gefühl anzukämpfen, dass mir der Teppich unter den Füßen und die Grundmauern meines Gedankengebäudes weggerissen werden; und das in dem Bewußtsein, dass dieser Kampf nicht vergleichbar ist, mit dem, der in den Städten der Ukraine so viel Schmerz und Wut und Angst und Traurigkeit verbreitet.
Ich versuche, mich dagegen zu wehren, dass eine Überzeugung, die mich seit Jahrzehnten trägt und von der ich getragen werde, im allgemeinen Diskurs mit einem teilweise hämischen Beiklang als „naiv“ einfach zur Seite geschoben wird.
Ich versuche bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlieren.
Ohnmächtig der derzeitigen Situation gegenüber, auf der Suche, wieder Boden unter den Füßen zu finden, bemühe ich mich weiterhin darum, aufmerksam zuzuhören, mich nicht zu sehr der Bilderflut auszusetzen, die ein solch übermäßiges Grausen vermittelt, dass ich fürchten müßte, meine Reaktion bestünde darin, mich in mich selbst zu verkriechen und nicht einmal in der Lage zu sein, das zu tun, was ich jetzt tue: kleine Gesten.
Bevor ich mich mit dem KUKUmobil auf den Weg durch Europa mache, wird es noch ein Labyrinth geben. Zum Abschied.
Als ich vor 5 Jahren hier ankam, gab es viele Dinge, die meine Aufmerksamkeit erregten. Dazu gehörte der Kronkorkenteppich auf den Berliner Straßen. Damals hatte ich beschlossen, dass mein Berliner Labyrinth eins aus Kronkorken sein würde.
Seitdem sammel ich. Und, wie das manchmal so ist, wenn man Freundschaften hat, die auch die schrulligsten Ideen begleiten, kommen immer mehr Beiträge wie dieser, von meiner Freundin Rosa aus Madrid. DANKE!!!
Es fühlt sich seltsam an, aber es hilft. Das Gefühl der Ohnmacht zu überwinden, der Hilflosigkeit, der Banalität des eigenen Alltags gegenüber der dramatischen Lage, die plötzlich den Alltag anderer Menschen vollkommen zerstört hat.
Jeder von uns sucht gerade seinen Weg, um mit der Situation fertig zu werden, konkrete Hilfe zu leisten dort, wo es geht und Sinn macht; aber auch, um positive Energie zu generieren, Zuversicht zu nähren, sich zu wehren gegen diese diffuse Angst, die sich wie eine giftige Wolke über uns legt.
Mir helfen die Labyrinthe. Haben sie immer getan, seitdem sie mir begegnet sind. Als Zeichen der Verbundenheit, in Zeit und Raum, und des Wunsches nach Frieden.
Sie sollten, sie hätten,… aber sie sind nicht, und das nicht, weil die Qualität ihrer Arbeiten zu wünschen übrig ließe. Sie sind nicht sichtbar, weil sie Frauen waren, und weil die Kunstgeschichte und der Kunstbetrieb von Männern bestimmt wurde, zu der Zeit, als sie malten, fotografierten, schrieben, bildhauerten, als sie webten und gestalteten; als sie lebten und darum kämpften anerkannt zu werden als das was sie waren: Künstlerinnen.
Wir können ein Lied davon singen. Vielen von uns geht es nicht anders. Auch wenn sich einiges geändert hat, fühlen wir an allen Ecken und Enden die ungleiche Behandlung. Im Kleinen und im Großen.
Heute haben wir einmal mehr gemeinsam deutlich gemacht, dass wir nicht aufgeben, dass wir weiter dafür kämpfen, dass Frauen, die Kunst machen die gleichen Chancen erfahren, wie ihre männlichen Kollegen.
Und nicht nur das. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es viele Frauen gibt, die gar kein Interesse daran haben, an diesem Kunstbetrieb teilzunehmen, so wie er derzeit funktioniert. Sie wollen nicht in Wettbewerb treten, nicht weil sie es sich nicht zutrauen, sondern weil es nicht ihrem Wesen entspricht. Sie wollen nicht nach Leistung gemessen werden. Nicht, weil sie sich nicht in der Lage sehen, etwas zu leisten, sondern weil sie das Leistungsprinzip, so wie es derzeit auf der Kunst lastet, nicht mittragen wollen. Sie suchen nicht nach dem Großen, nach der Berühmtheit, sondern wollen im Kleinen wirken und bewirken. Sie wollen nah und direkt sein, alltäglich.
Und sie werden nicht aufhören, dafür auf die Straße zu gehen. Immer wieder. Und sie werden nicht aufhören, in ihren Ateliers, an ihren Computern, am Wohnzimmertisch, in der Garage oder wo auch immer zu malen, fotografieren, schrieben, zu bildhauern, zu weben und zu gestalteten; zu leben und darum zu kämpfen anerkannt zu werden als das was sie sind: Künstlerinnen.
Es gibt diese Momente im Leben, da denkt man, die Welt müsse stillstehen. Nicht nur für einen selbst. Sondern für jeden einzelnen von uns. Still stehen weil das Unfassbare Raum und Zeit braucht, um fassbar zu werden.
Still stehen. Und erst dann wieder beginnen sich zu drehen, wenn das Sandkorn im Getriebe der Menschlichkeit gefasst und ausgesondert wurde.
Und dann wundert man sich, dass dem nicht so ist. Dass an einem Ort Menschen auf Menschen schießen, und an anderen Orten Menschen ganz normale Dinge tun, wie sie sie jeden Tag tun. Dass Mensch das kann. So zu sein, oder so, oder ganz anders.
Und alles findet zeitgleich statt. In meinem kleinen Kosmos feiern Menschen Karneval, spielen mit ihren Kindern und treffen Freunde. Ich lese Bücher, plane meine Reisen der kommenden Wochen und webe Bilder. Und überall schwingt das Unfassbare mit.
Gestern. Generalprobe an der Neuen Nationalgalerie für die Performance am 08.03.2022.
Ein weiteres Jahr fordern wir:
Anerkennung der Leistungen von Künstlerinnen aller Jahrhunderte bis heute
Gendergerechte Gestaltung von Ankaufs- und Ausstellungstätigkeiten
Steigerung der Werkpäsenz weiblicher Autorenschaft in Schausammlungen und Ausstellungen – im zeitgenössischen Bereich 50%
Förderung von Forschungsprojekten und Publikationen zu Künstlerinnen
Etablierung und Fortschreibung einer bundesweiten Künstlerinnen-Datenbank im Ressort der Staatsministerin für Kultur und Medien
Aufarbeitung und Neuschreibung kunsthistorischer Publikationen und Lehrbücher der Vergangenheit
Einführung von deutlich mehr und gezielten Förderungen und Preisen für Künstlerinnen aller Altersstufen
Abschaffung von Altersbeschränkungen bei Ausschreibungen
Förderprogramme für Künstler*innen mit Erziehungs- und Care-Aufgaben, sowie die Entwicklung von Förderprogrammen zur gezielten Unterstützung des Wiedereinstiegs nach familienbedingter Auszeit aus aktuellem Anlass nicht-elitäre Förderungen z. B. der staatlichen Stiftung Kunstfonds, die auch die soziale und wirtschaftliche Situation insbesondere von Künstlerinnen in Augenschein nehmen.
…
www.fairshareforwomenartists.de
…
..
..
UNSERE EINLADUNG:
Am 08.03.2022 werden wir uns um 14 Uhr an der Neuen Nationalgalerie treffen, 110 Frauen, 110 Künstlerinnen.
Wir stehen stellvertretend für 110 Künstlerinnen, die wir vermissen. 110 Künstlerinnen, die ein hervorragendes Werk geschaffen haben. Ebenso hervorragend, wie ihre männlichen Zeitgenossen. 110 Künstlerinnen, deren Werk es verdient hat, dem breiten Publikum gezeigt zu werden.
110 Künstlerinnen, die allen Vorurteile und allen Ungerechtigkeiten zum Trotz ihren künstlerischen Weg gegangen sind. Schon allein darum haben sie es verdient, gesehen zu werden.
Sie, und all die unsichtbaren Frauen, die darum kämpften und kämpfen, gesehen zu werden.
Jede von uns wird an diesem 08.03.2022 stellvertretend für eine unserer Vorkämpferinnen stehen. Jede von uns hat sich einen Namen aus der Liste herausgesucht. Jede von uns kann berichten….. Sprecht uns an!
Nach der Performance geben wir gerne vor der Neuen Nationalgalerie Auskunft über diese 110 Künstlerinnen, deren Werk wir drinnen nicht finden werden.
Zum Beispiel…….
..
… HELENE SCHJERFBECK
Ich habe vor vielen Jahren den Katalog ihrer Ausstellung in „The Finish National Gallery Ateneum“, 1992, in die Hände bekommen und war vollkommen von ihr begeistert. Es hat mich gefreut ihren Namen auf der Liste zu sehen, und es ist mir eine Ehre, ihre Stellvertreterin sein zu dürfen.
Ich habe aus dem Internet einige ihrer Werke zusammengesucht, damit ihr nachvollziehen könnt, warum ich so angetan bin von dem Werk dieser Frau, das mich zutiefst berührt in seiner Kraft:
1902 zieht Helene Schjerfbeck, damals 40-jährig, mit ihrer Mutter nach Hyvinkää, einen kleinen, friedlichen Industrieort – weitab von der Kunstszene samt ihren Querelen.
Adriane von Hoop schreibt dazu: „In der selbstgewählten Einsamkeit findet Schjerfbeck zu einer neuen Malweise. Schon in ihren frühen Bildern reichten sparsame Mittel und die Konzentration auf das Wesentliche aus, um atmosphärische Dichte zu erzeugen. Nun beginnt sie die Welt zu malen, wie sie sie in ihrem Innern sieht und empfindet. Dabei reduziert sie ihre aus flächigen Elementen aufgebauten Motive auf das Nötigste und erreicht so eine enorme Intensität.“
Sie selbst schreibt 1921: „Jetzt, da ich so selten die Kraft habe zu malen, habe ich mit einem Selbstporträt begonnen“, schrieb sie 1921 an einen Freund. „So habe ich immer ein Modell zur Verfügung, obwohl es ganz und gar nicht angenehm ist, sich selbst ins Auge zu blicken.“
In den rund 40 Selbstportraits zeigt sie auf eindrückliche Weise ihre eigene Verletzlichkeit und die mit dem Altern einhergehenden Veränderungen. Gleichzeitig sind sie ein hervorragendes Zeugnis ihrer künstlerischen Entwicklung.
Nun, inzwischen ist Helene Schjerfbeck keine Unbekannte mehr. 2020 entstand ein Film, der uns einen Teil ihres Lebens erzählt….. ich habe ihn selbst leider noch nicht gesehen. Wenn es sich mal ergibt, werde ich es nachholen.
Derweil bleiben mir ihre Bilder.
Based on Rakel Liehu’s 2003 novel of the same name, HELENE tells the real-life story of celebrated Finnish painter Helene Schjerfbeck and her star-crossed romance with art critic Einar Reuter, who later became her biographer. In 1915, Helene Schjerfbeck is a forgotten artist, living with her elderly mother in the Finnish countryside. Years have passed since her last exhibition, and while Helene continues painting, she has given up hope of pursing it as living. When an art dealer rediscovers Helene’s work and decides to organize a large solo exhibition, she is reinvigorated. And when she meets young amateur painter and art critic Einar Reuter, a passionate admirer of her art, he becomes Helene’s confidante and, despite their age difference, the unfulfilled love of her life. A vibrant portrait of a bold, talented and fiercely determined woman, HELENE covers a key period in Schjerfbeck’s artistic development as we see her grow more independent and a stronger artist than ever before.
DIR/SCR/PROD Antti J. Jokinen; SCR Marko Leino, from the novel by Rakel Liehun; PROD Mikko Tenhunen. Finland/Estonia, 2020, color, 122 min. In Finnish with English subtitles.
In Gedanken bei all den VIELEN, die wieder einmal mehr Opfer sind des Größenwahns EINIGER WENIGER.
Musizieren für den Frieden Aufruf zur Demonstration
Der Landesmusikrat, das Präsidium des Chorverbandes Berlin sowie weitere Verbände sind bestürzt über den russischen militärischen Angriff auf die Ukraine. Wir sind davon überzeugt, dass es viele Chöre, Sängerinnen und Sänger die ihre Stimmen für den Frieden erheben werden. Vor dem Brandenburger Tor zeigen wir Solidarität mit einer politischen Demonstration.
Das letzte Stück der Meisen-Serie ist in der Mache. Klein und vielsagend. Diese ältere Frau mit geschlossenen Augen basiert auf einem Foto, das mich seit langer, langer Zeit begleitet.
Bosnien. 1994. Inmitten eines Trümmerhaufens sitzt sie erschöpft in der Warteschlange neben einem LKW mit mobilem Wassertank.
Knallpinkfarbene Lockenwickler in einem Meer aus Grau. Das verzweifelte Festhalten an einem Alltag, der einem von heute auf morgen entrissen wird.
Vor zwei Tagen habe ich mit der Weberei an diesem kleinen Stück begonnen. Da war meine Assoziation noch eine ganz andere.
Von heute auf morgen hat sich die Welt ein wenig verändert und vielen Menschen den Alltag entrissen.