Eine Sage über die Lausche lautet so: Nur ausgesprochen selten lässt sich auf der Lausche ein Vogel von wunderlicher Gestalt beobachten. Sein Kopf und Schnabel scheinen von einem Lämmergeier zu stammen, die großen Fittiche vom Fregattvogel, der Schwanz vom Sekretär und der Ständer vom Storch. Das wunderschöne Gefieder ist von einzigartiger Farbenpracht. Dieses so seltsame anmutende Tier ist nichts anderes als ein mit einem bösen Fluch belegter Prinz aus dem Böhmerlande. Der Jüngling galt wegen seines schönen Gesichtes und der reizenden Gestalt, der Fertigkeit in allen Künsten und Wissenschaften seiner Zeit, der menschenfreundlichen und wohltätigen Wesensart als das vollkommene Leitbild eines Fürsten. Nur ein Laster haftete ihm an, er frönte etwas zu übereifrig der Jagd.
Es geschah bei einem Streifzug an den Ausläufern der Lausche. Zur Mittagsstunde umkreiste ein majestätischer Adler den Berg. Vom Bogen des Prinzen ausgesandt traf ein weit wie niemals zuvor fliegender Pfeil den König der Lüfte und dieser stürzte aus dem Himmel gen Boden. Der unglückliche Zufall wollte es, dass er in einen damals auf der Lausche befindlichen Garten eines Zauberers fiel. Der in den schwarzen Künsten bewanderte Mann schreckte durch das dabei verursachte Getöse aus seinem Mittagsschlaf empor und ward wütend über die Schäden an den Sträuchern und Blumen. Als er den Schützen mit seinem Bogen gewahr, griff der Magier zu seinem Zauberstab, berührte ihn damit und sprach die Worte: „Sei einer des Geschlechts, wovon du einen getötet, so lange, bis dich ein Jäger, der seiner Herrschaft nie etwas veruntreut hat, erlegt!“ Der Prinz wartet bis zum heutigen Tag auf seine Erlösung.
Frank Nürnberger: Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche. In: Großes Oberlausitzer Sagenbuch. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 1998, ISBN 3-933827-01-9, S. 34–35.
Eigentlich gibt es nach vier Jahren Berlin keine Entschuldigung mehr dafür. Fakt ist aber, dass mich, wenn ich auf die Landkarte schaue, nach wie vor ein kurzer Moment der Orientierungslosigkeit überkommt, wenn ich von Berlin aus eine Reise plane, erst recht, wenn sie in den Osten geht. Absolutes Neuland. Immer noch. Immer wieder.
So spannend, und so viel zu entdecken. Ich werde nicht alles schaffen können in der Zeit, bevor die Reise mit dem KUKU_mobil, der WanderndenWebWerkstatt beginnt.
Aber das ist auch gut so, dann bleibt Vieles zu entdecken und zu erkunden wenn der Tag kommt, an dem ich mit dem Anhänger durch Deutschland trampe auf dem Weg in den Osten Europas, auf der Suche nach interessanten Webstationen, auf den Spuren textiler Vergangenheit…..
Jetzt aber erst einmal zur Oberlausitz. Neuland. Erster Besuch. Für jemanden aus dem Ruhrgebiet ist die Tagebauproblematik nicht neu. Für jemanden, der die vergangenen Jahrzehnte in einem Land gelebt hat, das von Landflucht gebeutelt wurde und wird, miterlebte, wie ländlichen Räume langsam ausbluten, selbst den Sprung getan hat von Stadt zum Land und erleben konnte, wie komplex und kompliziert dieser Schritt sein kann…. klingt viel an auf dem Weg in die östlichste Region Deutschlands, am Dreiländereck mit Tschechien und Polen.
Ziel ist Großschönau. Textilstadt. Klar. Sonst hätte ich nicht so leicht den Weg hierher gefunden.
Wenn man aus dem lauten, quirligen Berlin hierher kommt, ist die Ruhe und Überschaubarkeit erst einmal sehr erholsam. Und da ist Großschönau ein wunderbares Beispiel, denn es bietet eine fast idyllisch anmutende Kulisse mit der üppigen Natur und seinen Umbebindehäusern im gepflegten Stadtkern.
Natürlich wissen wir alle, dass die Welt anders aussieht, wenn man die Besucherbrille abnimmt, durch die zwar sehr genau geschaut werden kann, aber eher auf der Oberfläche des Gesamtbildes.
Wenn es dann zu einem Blick in die Tiefe kommen kann, um ein längeres Verweilen, eine Auseinandersetzung mit den Menschen vor Ort, erst dann bekommt der erste Eindruck eine neue Dimension.
Dazu hatte ich an diesem letzten Wochenende im Oktober keine Zeit. Ich war dort, um einen Intensiv-Webkurs zu geben, ich hatte gerade mal Zeit, um diese wenigen Schnappschüsse bei Tageslicht zu machen, auf dem Weg von der Unterkunft zum Ort des Kurses.
Genug, um meine Neugier zu wecken. Genug, um mir Gedanken zu machen, auf welchen Wegen mich das Leben wieder hierher führen könnte, genug, um zurückzukommen.
Soweit der kurze Besucherblick. Nicht mehr als ein Pinselstrich. Juanjo hatte Zeit, eine Wanderung bis auf die Lausche zu tun, den höchsten Berg des Zittauer Gebirges. Er hat sogar die Alpenspulwurmbeobachtungsplattform erklommen (ein tolles Galgenmännchenwort, fast noch besser als Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän, das kennen wir alle schon).
Danke an Steffi Friebolin, die massgeblich dafür verantwortlich ist, dass ich dieses Zipfelchen Welt für mich entdeckt habe.
Sie hat an einigen meiner VHS-Kurse teilgenommen, weil sie ihre Ausbildung zur Handweberin durch eine Exkursion in die Welt der Bildwirkerei ergänzen wollte. Sie arbeitet am Deutschen Damast- und Frottiermuseum in Großschönau und hat mir viel erzählt über ein spannendes Projekt für die Zukunft: die Wiederbelebung der Webschule.
Davon erzähle ich euch im nächsten Beitrag, damit es hier nicht zu lang wird.
Es ist wieder soweit. Inzwischen ist es ja zur Gewohnheit geworden, dass ich im Frühjahr, so gegen April-Mai, und im Herbst, so im November, mit einem Doppel-Wochenend-Intensiv-Kurs im Programm der VHS Tempelhof-Schöneberg auftauche.
Diesmal an einem neuen Standort, der Alten Mälzerei in Lichtenrade, in der die VHS seit Sommer diesen Jahres einige Veranstaltungen anbietet. Für mich ist es, so weit am Stadtrand es auch klingt, eigentlich gar nicht so schlecht, da es nah bei meinem Atelier liegt.
Aber davon einmal abgesehen fühlt es sich schon etwas seltsam an, dass zehn Personen auf einer gut einstündigen Reise ganz Berlin durchqueren, um sich am südlichen Stadtrand zusammenzufinden und gemeinsam ein webendes Wochenende zu verbringen.
Ein ganz besonderer Dank daher an Dörte, Sive, Steffi, Hannah, Aileen, Lucie, Dorothee und Karin, die diesen weiten Weg auf sich genommen haben.
Spannend sind diese Kurse für mich inzwischen auch deshalb, weil einige der Teilnehmenden nicht das erste Mal dabei sind. Das bedeutet, so würde ich gerne denken, dass ich es anscheinend geschafft habe, das Feuer meiner Leidenschaft weiterzugeben, oder zumindest die Neugier und Lust auf MEHR bei ihnen geweckt zu haben. Das bedeutet mir sehr viel.
Schön ist es natürlich auch, weil diejenigen, die mit der Bildwirkerei beginnen an den Webrahmen der anderen sehen können, wie es weitergehen kann. Und weil diese bunte Mischung es möglich macht, dass gemeinschaftliches Lernen stattfindet, sie sich gegenseitig Techniken erklären, Tipps geben. Und weil sie immer mutiger werden und die Werke immer komplexer. Und weil die Gespräche immer intensiver werden…..
Zwei Stücke wurden im vergangenen Frühjahr begonnen und konnten an diesem Wochenende vollendet werden.
Das ist eine große Herausforderung, denn sich in die Situation hineinzufühlen, die vor Monaten bestand, und den inneren Faden der Verbindung zum eigenen Werk wiederzufinden, ist gar nicht so einfach. Schön, dass es so gut geklappt hat.
An anderen Webrahmen sind „Erstlingsarbeiten“ entstanden. Diesmal hatten alle Teilnehmenden textile Erfahrung, nicht unbedingt vielleicht im Weben, aber doch im Umgang mit dem Faden. Das macht es mir natürlich leichter, das nötige Feingefühl für das Verhalten des Materials mit einzubeziehen in meine technischen Erklärungen.
Und immer, immer wieder ist es ein Fest für mich, wenn in den zwei Tagen, einer eigentlich viel zu kurzen Zeit für die Weberei, diese kleinen Schätze entstehen, die so unterschiedlich voneinander sind, wie die Menschen, die sie erdacht und gewirkt haben.
Die Welt steht Kopf
Grün
Berg und Wolke
Und dann gibt es Projekte, die begonnen wurden und an denen in Kürze weitergearbeitet werden wird. Vom 19.-21.11.2021 findet der zweite teil des Kurses statt. Ich werde euch berichten.
Pink
Café
Neu für mich auch: wir haben die Anzahl der Teilnehmenden auf 10 erhöht, es gab eine Warteliste und wir wollten niemanden „vor der Tür“ stehenlassen.
Dieser Kurs ist also tatsächlich ausgebucht, aber im April 2022 und im Mai 2022 wird es noch einmal einen geben und ich überlege gerade gemeinsam mit der VHS, ob es einen Sommerkurs 2022 geben könnte, vielleicht sogar schon MIT der Wandernden WebWerkstatt.
Daniela Noack habe ich vor einigen Monaten in der KMH kennengelernt. Sie, mit der Gittarre auf dem Rücken, suchte die Gitarrenrunde von Rolf, die auf einen anderen Wochentag gewechselt hatte. Wir kamen ins Gespräch und vom Höcksken aufs Stöcksken, wie das nun mal so ist, wenn Eine gerne fragt und die Andere gerne erzählt.
Witzigerweise haben wir dabei den Faden erst gefunden. Einen Faden der uns in mein Atelier gebracht hat, zu einem kleinen Interview, denn Daniela schreibt schon seit Langem für „magazin forum“ über die unterschiedlichsten Menschen und tut dies in der Kolumne „Mein Büro“.
Tatsächlich abe ich für dieses Treffen meinen Laptop das allererste Mal ins Atelier gebracht. Denn dort tauche ich sonst sehr konsequent in die analoge Welt der Fäden ab.
Foto: Daniela Noack
Ich finde es ja immer wieder faszinierend, wie jemand in der Lage ist, aus den verworrenen Fäden eines langen Gesprächs einen klaren, kurzen, prägnanten und doch umfassenden Text zu schreiben.
Danke Daniela, es war ein Vergnügen und ich hoffe, nicht das letzte Mal, dass wir uns austauschen konnten.
Para mi gente de habla español, aquí la traducción del texto:
Andrea Milde(58), Tejedora de Tapices, Mariendorf
Entre bobinas de hilos y ovillos de lana asoman algunos mapas de Europa que anuncian el próximo projecto: el viaje con el Taller Textil Itinerante por el continente européo. Viajar siempre ha formado parte de la vida de esta artista alemána, nacida en la Cuenca del Ruhr. Después del bachillerato viajó por México y Guatemala. En Francia aprendió en la Ecole Nationale d’ Art Decoratif d’Aubusson la técnica clásica de los gobelinos y trabajó desde 1987 hasta 2017 en España como tejedora de tapices. Sus trabajos han podido verse en exposiciones en todo el mundo.
Desde 2017, Andrea Milde vive en Berlin. Pero su verdadero hogar es el telar. Como tejedora de tapices no fabrica tejidos sino cuadros, imágenes. „Pintar por números“ explica esta técnica, que combina el arte de la pintura con el oficio de tejer, en alusion al procedimiento de tejer determinados campos de una composición pictórica en un órden determinado. Primero hace un boceto. Los campos de diferentes colores se rellenan posteriormente. Cada elemento, cada matiz está tejido. Desde la imágen hasta la firma. Menos mal que ama la lentitud. Pues el ejercicio de este viejo oficio requiere una buena porcion de paciencia. La elaboración de un tapiz de uno por dos metros dura aproximadamente dos años.
En el telar cuelga una urdimbre de 20 metros. Suficiente para los próximos tres tapices de aproximadamente 5 metros que pinesa tejer en los próximos 15 años. Manos unidas pueden verse en el recien terminado Berlinteppich. Son el símbolo de una ciudadanía dispuesta a defender el encuentro y el entendimiento de las culturas y anuncian el viaje por Europa. En al vida, en el arte, donde sea: Andrea Milde quiere entretejer hilos.
Das ist Wotan. Fast 15 Jahre war er Teil unseres Lebens, hat uns absolut verlässlich von hier nach dort gebracht, sich nie beklagt, nie gehadert mit seinem Schicksal.
Viele gemeinsame Erinnerung stecken in ihm. Jetzt ist auch seine Zeit gekommen. Der TÜV ist eine hohe Hürde geworden, die er nur mit einem großen finanziellen Schubs nehmen könnte, den wir ihm nicht geben können.
Seitdem wir die Entscheidung getroffen haben, steht die Frage im Raum: Was tun?
Einfach so auf den Schrott? Geht gar nicht. Ausschlachten? Gruselig. Eigentlich fährt er sich ja auch nach wie vor ganz wunderbar und läßt sich nichts anmerken. Halt nur wenn man in ihn hineinschaut. Aber mit abgelaufenem TÜV ist nicht viel zu machen. Tüftler…….!!! Das wär was.
Tatsächlich haben wir es geschafft, Wotan in Hände zu geben, von denen wir hoffen, dass sie liebevoll versuchen werden, ihm noch das ein oder andere Jahr auf dem Asphalt zu ermöglichen.
Und ich habe mich Hals über Kopf verliebt in eine silbergraue Volvo-Dame.
Der Wert eines Menschen besteht nicht in dem was er leistet….sondern in dem was er ist.
Vor Kurzem, nach meinem Eintrag im Blog mit dem Zitat aus dem Prediger Salomo wurde ich von einem guten Bekannten gefragt, ob ich etwa religiös geworden wäre. Nein, bin ich nicht.
Aber ja, die Suche nach der eigenen Spiritualität, dem eigenen „Du darfst, wähle selbst“ beschäftigt mich mit dem Fortschreiten der Jahre immer mehr.
Meine Kunst, Stille und das Labyrinth sind mir dabei wertvolle Gehilfen.
Wenn ich diesen wunderbaren kleinen Film von Norbert Busè aus dem Jahre 2021 sehe, den ich zufällig im Internet gefunden habe, regt sich in mir zuallererst ein Widerstand, gegen den institutionalisierten Weg, gegen den Habit, gegen die Ordensdisziplin….
Aber wenn dieser erste Widerstand überwunden ist, dann beginnt auch bei mir ein aufmerksames Zuhören, dann bleiben die tiefen Worte bei mir hängen:
„Ein Mensch der nicht schweigen kann, kann auch nicht hören. Er kann das Anliegen, das der Anderen hinter und zwischen seinen Worten hat, nicht hören.“
Und wie von selbst kam mir ein anderer Film in den Sinn, den ich vor vielen, vielen Jahren in Spanien gesehen habe und der mich damals tief beeindruckt hat:
Die große Stille ist ein mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Philip Gröning aus dem Jahre 2005, der das Leben in dem Kartäuserkloster La Grande Chartreuse zeigt. Gemäß der Spiritualität des Ordens wird im gesamten Film kaum gesprochen,
Die Idee zu einem Film dieser Art kam dem Regisseur bereits im Jahr 1984. Allerdings hatte er zum damaligen Zeitpunkt keine Dreherlaubnis bekommen. Der Prior war der Ansicht, die Zeit sei noch nicht reif genug für einen solchen Film. Im Jahr 1999 kam dann die erwartete Dreherlaubnis und die Produktion fand im Frühjahr und im Sommer 2002 statt, innerhalb von 4 Monaten. Im Winter 2003 nutzte er nochmals drei Wochen. Er selbst lebte mit den Kartäusern im Kloster in einer Zelle. Weil er kein Team anwesend haben durfte, entschied sich Gröning für eine Kombination aus digitalen und analogen Aufnahmen.
Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.
Selten, aber doch. Manchmal. Weil, anders geht kaum noch.
Selten, aber noch. Mein persönlicher Kompromiss: mobil erreichbar ja, mobiles Internet, nein. Ich liebe mein kleines Handy auf dem ich für ein „z“ auf einer Taste 4 mal drücken muss und Nachrichten dementsprechend lange brauchen.
Aber auch das wird sich ändern, sobald ich mit dem KUKUmobil unterwegs bin. Weil, anders wird es kaum gehen. Und wie es immer so ist: wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen, dann fügt man sich überraschend schnell.
Danke an Philip Kaufmann für dieses schöne Foto bei einer seltenen Tätigkeit.
Samstagmorgen. Berliner U-Bahn. 12 Personen in einem Waggon. Kein Handy/Smartphone in Sicht. Blickwechsel,vorsichtig, herausfordernd, neugierig, freundlich…. gegenseitiges Erkennen, Gespräche, zwei Bücher.
Wahrnehmung ist immer selektiv. Das Besondere weckt auch in reizüberfluteten Alltagen die Aufmerksamkeit.
Und 12 Menschen in einem Waggon ohne Handy und Smartphone ist eben etwas Besonderes geworden. Ich gebe zu: mich überkam ein Gefühl von Nostalgie.
31 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.
Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.
Seit vielen, vielen Jahren begleitet mich das Labyrinth in seinen unterschiedlichsten Formen.
Mal groß, mal klein, mal öffentlich, mal intim, aber immer intensiv.
Seit Längerem hatte ich nicht die Ruhe gefunden, die ich brauche um mich zu sammeln und mich öffnen zu können für die Energie, die das Ritual des Labyrinthbaus und -begehens in mir weckt.
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
Zwei südlichere Tage hat das Leben mir geschenkt. Ohne genau zu wissen, wozu und wohin, bin ich am Montag auf eine geographisch lange und weite Reise gegangen. Quer über Deutschland von Berlin nach Paris und dann mit Zug und Bus in den Süden, den goldenen Süden. Bis nach Vaunières, département Hautes-Alpes, région Provence-Alpes Côte-d Azur…..
Dort, in einem Jugenddorf der Solidarités Jeunesses fand ein Treffen im Rahmen des INVOLVE-Projekts statt, mit dem ich in den vergangenen eineinhalb Jahren verbandelt war. Es war spannend, auch bei diesem Treffen noch einmal dabei gewesen zu sein.
Nun ist auch diese Verbindlichkeit fast an ihrem Ende angekommen, das Projekt fast ausgelaufen. Ein weiterer Faden, der bald eingewebt wird in das Gewebe der Vergangenheit.
Zwei Tage waren mir geschenkt. Einen davon habe ich mir auserbeten, um mich in der Natur zu verlieren. Das WinzigKleine und das UnendlichGroße gleichzeitig in mir zu spüren, und die damit verbundene tiefe Demut und Kraft des Lebens.
Auf 1800 m Höhe, unter mir das Dorf, neben mir ein Steinadlerpaar im Gleitflug und über mir das Blau, habe ich ein kleines Labyrinth gelegt. In tiefer Verbundenheit mit diesem Ort und diesem Moment. Eine tiefe Ruhe in mir.
Viele Dinge finden in solch einem Moment, in solch einem Rahmen, ihre eigentliche Dimension wieder.
Seit Langem schon wünsche ich mir, mit diesen wunderbaren Werkzeugen zu arbeiten. Liebevoll gedacht, liebevoll gemacht.
Andrew Dickinson sagt auf seiner Seite:
„I live and work in West Dean on the South Coast of the United Kingdom near the walled city of Chichester.
I trained, originally, as a Scientific Illustrator and then as a Lute Maker. As well as repairing musical instruments I work as a pattern maker/sculptor. All these skills I bring to the products that I create for Artisan Bobbins.“
Using the most beautiful materials that I can find, I aim to make the best possible tools for the Artist Tapestry Weaver.
https://artisanbobbins.com/
As an Artist Tapestry Weaver I can only say: Thank you, Andrew!!
Sie werden mich begleiten auf meiner Reise; in die Welt der Fäden und durch Europa. Feinstes Kunsthandwerk. Auch darum wird es gehen bei dem Projekt der WanderndenWebWerkstatt: eine Spurensuche des kunsthandwerklichen Könnens und ein Plädoyer für dessen Erhalt. Herz und Hand, Zeit und Zunft, Vergangenheit und Vision….
Danke, Lea, für dieses außergewöhnliche Geburtstagsgeschenk.
Diesmal nicht für Okapis oder andere aussterbende Tierarten, von denen es viele auf der Welt geben mag. Auch nicht für irgendein Kunst-, Handwerk, eine Kulturtechnik oder ein Kulturgut.
Diesmal ganz platt und einfach für die Unterstützung von Künstlerinnen über 40. So peinlich das auch klingt, es braucht diesen WUTRUF.
MIR PLATZT DER KRAGEN!!!!!
Hier der Artikel aus der TAZ von Sabine Weier vom 12.09.2021
„Benachteiligung von Künstlerinnen: Schieflage im Kunstbetrieb
Der Gabriele-Münter-Preis für Künstlerinnen ab 40 wird nicht wie geplant ausgelobt. Franziska Giffey sagte die Unterstützung erstmal ab.
Als nach mehrjähriger Schließzeit die Neue Nationalgalerie in Berlin frisch saniert wiedereröffnete und in einer Sammlungspräsentation mit großen Namen der Moderne aufwartete, offenbarten sich darin vor allem die Lücken. Bis auf Leihgaben und wenige sammlungseigene Werke sind dort nun vor allem die Arbeiten männlicher Künstler zu sehen. Der deutsche Expressionismus zum Beispiel ist mit Kandinsky oder Kirchner groß vertreten. Dass die Malerin Gabriele Münter bedeutende expressionistische Werke schuf und in der Gruppe Der Blaue Reiter aktiv war, weiß kaum noch jemand.
Münter gehört zu den wenigen Frauen, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gegen alle Widrigkeiten den Beruf der Künstlerin ergriffen. Später wurden die Werke dieser Künstlerinnen kaum gekauft. Frauen haben es im Kunstberuf nach wie vor schwer.
Das liegt oft an der Doppelrolle als Mutter und Künstlerin – an der Herausforderung, Kinder zu betreuen und gleichzeitig um Präsenz in Ausstellungen und um Förderungen kämpfen zu müssen. Wenn sich die Karriere in die Vierziger verlagert, sind Künstlerinnen zudem von Stipendien oder Preisen ausgeschlossen, die an Altersgrenzen gebunden sind.
Jede Vergabe erkämpft
Speziell an Künstlerinnen ab 40 Jahren richtet sich der bisher mit 20.000 Euro dotierte Gabriele-Münter-Preis. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) machte die Auslobung des Preises seit 1994 im Abstand von drei Jahren möglich. Als Bundesministerin für Frauen und Jugend hatte Angela Merkel den Preis durchgesetzt. Doch in diesem Jahr wird er nicht wie geplant ausgelobt. Franziska Giffey, die zuletzt das Ministerium leitete, sagte die finanzielle Unterstützung erstmals ab.
Marianne Pitzen, Künstlerin und Leiterin des Frauenmuseums Bonn, hatte den Preis gemeinsam mit anderen Frauen des Bonner Kollektivs gegründet. Der Etat wurde anfangs für sechs Ausgaben zur Verfügung gestellt, musste allerdings immer wieder neu beantragt werden. „Wir konnten den Preis nie einfach so machen, mussten jede Vergabe aufs Neue erkämpfen“, sagt Pitzen. Bisher habe aber jede Ministerin hinter dem Preis gestanden, nur Franziska Giffey nicht. Nur einmal, bis zur Auslobung der 7. und bisher letzten Ausgabe, sei es zu einer mehrjährigen Verzögerung gekommen, das habe aber nicht an der damaligen Ministerin gelegen.
Die Idee zum Preis hatte das Bonner Kollektiv schon in den 1980er Jahren. „Damals meldeten sich unzählige Frauen bei uns, und in nahezu jedem Brief kam das Thema auf: Frauen in ihren Vierzigern versuchten wieder in ihren Kunstberuf einzusteigen, hatten aber keine Chance.“ Prominente Unterstützung erhielten die Frauen von der CDU-Politikerin Rita Süssmuth, die in den 1980er Jahren als Ministerin das BMFSFJ leitete und es erst um das Ressort Frauenpolitik erweiterte. Sie war regelmäßig im Frauenmuseum und hielt Reden bei den Eröffnungen. Die Wege in der damaligen Hauptstadt der BRD seien noch kurz gewesen, erinnert sich Pitzen, die Medien schauten nach Bonn.
Männer sind erfolgreicher
Seit der ersten Auslobung organisierte das Frauenmuseum den Preis gemeinsam mit dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, BBK, und vom Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden, Gedok. Unter Tausenden Bewerberinnen wurden je 40 Nominierte ausgewählt und in einer großen Ausstellung in Bonn sowie im Martin-Gropius-Bau oder der Akademie der Künste in Berlin gezeigt. Bekannte Künstlerinnen, wie Valie Export, Ulrike Rosenbach oder Cornelia Schleime, zählten zu den Preisträgerinnen, aber auch weniger bekannte Frauen. Der Preis errang internationales Renommee und sensibilisierte die Öffentlichkeit für das Thema.
An der Situation von Künstlerinnen hat sich bis heute zu wenig geändert. Zwar sind mehr als die Hälfte der Student:innen an Kunsthochschulen Frauen. Es erhalten mehr Frauen Einzelausstellungen oder sind in Gruppenausstellungen und Galerien vertreten. Aber die Zahl erfolgreicher Männer im Kunstberuf ist deutlich höher und das Einkommen von Künstlerinnen ist nach wie vor deutlich niedriger.
So gibt etwa der in diesem Jahr veröffentlichte Spartenbericht Bildende Kunst des Statistischen Bundesamtes an, dass in der Gruppe der Künstler:innen mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 1.100 Euro 60 Prozent Frauen sind. Während Frauen am häufigsten Jahreseinkünfte zwischen 3.000 und 5.000 Euro angaben, gaben Männer am häufigsten Einkünfte zwischen 10.000 und 20.000 Euro an. Auch die Daten der Künstlersozialkasse bestätigen das Bild: Bei selbstständig tätigen Frauen in der bildenden Kunst liegen die Jahreseinkommen deutlich unter denen der Männer. In Bayern etwa verdienen Männer durchschnittlich 23.513 Euro; Frauen 16.334 Euro.
Kunst von Frauen günstiger
Auch beim Verkauf von Kunstwerken sind die Unterschiede eklatant. Am Kunstmarkt werden die Werke von Frauen deutlich preiswerter gehandelt als die von Männern. Die Kunstmarktreporte der Art Basel und der Finanzsberatung UBS gaben in den vergangenen Jahren an, dass sich erst bei der jüngsten Gruppe der Berufskünstlerinnen größere Erfolgschancen abzeichneten, was auf die wachsende Zahl sammelnder Frauen zurückzuführen sei.
Auf Nachfrage der taz verwies das BMFSFJ auf die „intensiven Anstrengungen“, die in der Legislaturperiode unternommen worden seien, „um in der Breite, unter Berücksichtigung des gesamten Kultur- und Mediensektors, Sexismus zu bekämpfen“. Als Beispiele wurden die geförderte Dialogreihe „Gemeinsam gegen Sexismus“ angeführt, zudem zwei Projekte im Bereich der Medien- und Filmwirtschaft, ohne Frage eine ebenfalls stark betroffene Branche.
Das Ministerium könne nicht alle Bereiche in gleichem Maße unter gleichstellungspolitischen Gesichtspunkten fördern, hieß es weiter. Man habe den Preis auch deswegen nicht ausgelobt, weil er ausschließlich der Zielgruppe von bildenden Künstlerinnen über 40 Jahren zugutegekommen wäre.
Angela Merkel hatte das noch anders gesehen. In ihrer Rede zur ersten Auslobung hob sie gerade die Notwendigkeit vor, diese besonders benachteiligte Gruppe mit politischen Instrumenten zu fördern: „Damit berücksichtigen wir die besondere Situation von Frauen, die oft für viele Jahre durch Kinder und Familie in ihren künstlerischen Möglichkeiten stark eingeschränkt sind. Gegenüber den Männern ergibt sich daraus ein erheblicher Wettbewerbsnachteil auf dem Kunstmarkt – zumindest eine oft deutliche zeitliche Verzögerung des Schaffensprozesses.“
Doch in einem Punkt hat das Ministerium recht: Es reicht nicht, einen Preis auszuloben, der sich an die Zielgruppe der über Vierzigjährigen richtet. Zusätzlich müssen jüngere Künstlerinnen unterstützt werden. Initiativen wie „Mehr Mütter für die Kunst“ oder „Kunst + Kind Berlin“ fordern zum Beispiel Residenzstipendien mit Kinderbetreuung, Zuschläge für Betreuungskosten, Unterstützung beim Wiedereinstieg nach der Familienphase sowie die Abschaffung der Altersbeschränkungen. Forderungen, die zeigen, dass deutlich mehr getan muss, gerade auch für junge Mütter im Kunstberuf.
Die jahrhundertelang etablierte Schieflage reguliert sich nicht von selbst. Was sich als strukturelles Problem der Diskriminierung und Benachteiligung festgesetzt hat, bedarf politischer Lösungen. Pitzen und ihr Team müssen nun die Bundestagswahl und die Neubesetzung des Ministeriums abwarten. Die nächste Minister:in wird dann Gelegenheit haben, nicht nur den Preis zu retten, sondern sich noch umfangreicher als die bisherigen für die bildenden Künstlerinnen einzusetzen.
Zwei intensive Tage, die ich gerne bewahren und mit euch teilen möchte. Nehmt euch ZEIT, denn um sie und nur mit ihr geht es. Ohne sie nicht.
Utopie Konferenz 2021 mit Maja Göpel und Richard David Precht: Wohlstand im 21. Jahrhundert. Das utopische Momentum? Maja Göpel David Precht laden zur zweiten Leuphana Utopie-Konferenz ein. Der Utopie-Sommer vom 23. bis zum 25. August erfindet in Pandemie-Zeiten das Zusammenkommen neu. Über 120 gute Orte öffnen als Utopie-Camps ihre Türen für interessierte Menschen aus der Zivilgesellschaft, um einem enkeltauglichen Wohlstand auf die Spur zu kommen. Maja Göpel und Richard Precht begleiten die Camps mit Live-Gesprächen aus dem Utopie-Studio in Lüneburg.
Dienstag, 24. August 2021
13:00 – 14:15 Uhr
Auftakt im Utopie-Studio: Wie verwandeln wir die Krise in eine Gelegenheit? – Maja Göpel und Richard David Precht im Gespräch mit Carola Rackete und Hartmut Rosa – Blick in die Camps
18:30 – 19:15 Uhr
Camp Magazin – Mit Lanna Idriss, Ferda Ataman, Detlef Grooß und Michael Braungart – Moderation: Cornelius Gesing und Johanna Hopp
19:30 – 20:30 Uhr
Utopie-Studio: Wie sieht das Wachstum der Zukunft aus? Maja Göpel und Richard David Precht im Gespräch mit Joe Kaeser
20:45 – 21:45 Uhr
Utopie-Studio: Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns Richard David Precht im Gespräch mit Eckart von Hirschhausen und Anna-Nicole Heinrich
Mittwoch, 25. August 2021
9:15 – 10:00 Uhr
Utopie-Studio: Wie geht Veränderung? Maja Göpel und Richard David Precht im Gespräch mit Diana Kinnert und Harald Welzer
13:00 – 13:45 Uhr
Utopie-Studio: Wie utopisch ist das Silicon Valley? Maja Göpel und Richard David Precht im Gespräch mit Christoph Burkhardt
18:30 – 19:15 Uhr
Camp-Magazin – Mit Claudia Emmert, Katrin Elsemann und Manouchehr Shamsrizi – Moderation: Cornelius Gesing und Johanna Hopp
19:30 – 21:00 Uhr
Utopie-Studio – Jam-Session: Wie verwandeln wir die 20er Jahre in ein utopisches Momentum? – Maja Göpel und Richard David Precht im Gespräch mit Eva von Redecker, Antje Boetius und Ralph Ruthe
Weil ich dankbar dafür bin, daran erinnert zu werden.
Weil es mir wichtig ist, nicht zu vergessen.
Weil man nur immer und immer wieder versuchen kann, mit
Beharrlichkeit und Überzeugung die Dinge in dieser schrägen Welt
gerade zu rücken.
The yellow ribbon…. auch dieses Jahr wurde am 25.07. wieder mit gelben Bändern an die Situation von Julian Assange erinnert. #FreeAssange
Seit einiger Zeit bin ich treue Hörerin der Interviews von Jung&naiv. Meist sind sie interessant, manchmal sind sie aufwühlend……
Das folgende Interview stammt vom 9.08.2021. Zu Gast im Studio: Nils Melzer, Schweizer Rechtswissenschaftler, Diplomat und Autor. Er wurde 2016 vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zum Sonderberichterstatter über Folter ernannt und verfasste 2019 einen Bericht über den investigativen Journalisten und Politaktivisten Julian Assange. Wir sprechen über seine Untersuchung des Fall Assange, den laufenden Prozess gegen den Wikileaks-Gründer sowie den Umgang der deutschen Regierung mit Assange.