Der letzte TATORT beginnt und endet mit einem Labyrinth. Ob man sonst etwas mit dieser besonderen Ausgabe anfangen kann, das muss jeder selbst entscheiden.
Ich liebe Murot und ich liebe das Prinzip Hoffnung, bin daher vollkommen voreingenommen……

Der letzte TATORT beginnt und endet mit einem Labyrinth. Ob man sonst etwas mit dieser besonderen Ausgabe anfangen kann, das muss jeder selbst entscheiden.
Ich liebe Murot und ich liebe das Prinzip Hoffnung, bin daher vollkommen voreingenommen……

Vergangenes Wochenende hat der letzte VHS-Kurs Bildwirkerei 2021 stattgefunden. Mit einem Blick zurück, einmal mehr allen ein großes DANKE für die Offenheit und das Interesse für diese besondere Welt der „Fadenmalerei“.

In der Vorstellungsrunde zu Beginn eines jeden Wochenendes versuche ich herauszufinden, welche Motivation die Teilnehmenden mitbringen, natürlich auch welche Erfahrung und welche Erwartungen.
Das hilft mir unter anderem dabei so gut wie möglich abzuwägen, wie jeder Mensch mit der großen Herausforderung umgeht, die Erwartungen an einen Zweitagekurs in Bildwirkerei in das richtige Maß und die schaffbare Komplexität zu bringen. Denn nach oben sind da keine Grenzen gesetzt.

Meist gelingt es mir, manchmal nicht. Glücklicherweise findet sich auch in solchen Fällen eine Lösung. Und die Doppelkurs-Struktur nimmt da einigen Druck raus, was ich als große Erleichterung erfahre.
Jetzt aber zurück zum letzten Kurs, denn inzwischen ist ja ausreichend deutlich geworden, wie abwechslungsreich die Ergebnisse sind, die in diesen intensiven zwei Tagen erreicht werden:
01
Ein „Übertrag“ aus dem vorhergehenden Kurs. Sive hat ihre Komposition fertiggestellt und danach eine neue Arbeit begonnen.




Die sieht ganz anders aus, und auch das ist ein wunderbares Erlebnis: zu sehen, wie diese einfache Grundtechnik der Leinwandbindung mit der ein oder anderen Ergänzung ein Weg ist, um solch unterschiedliche bildhafte Ansätze zu materialisieren.



Hier entsteht gerade eine irische Strandlandschaft. Sive hat versprochen, ein Foto zu schicken, wenn sie fertig ist. Ich bin sehr gespannt. Der Beginn ist vielversprechend.
02
Ein mutiger erster Teppich, nicht nur mit Kreis, sondern mit Überschneidung. Der Kreis ist immer eine große Herausforderung, noch dazu, wenn es der erste Teppich ist, wenn das Arbeitsfeld klein und die Kette relativ grob ist.
Aber auch das geht. Mit Geduld und Konzentration.




03
Kein Kreis, aber fast. Ein gutes Beispiel für eine notwendige Anpassung vom Entwurf zur Webvorlage. Die Vorlage war für das vorhandene Arbeitsfeld und die zum Einsatz kommende Kette zu kleinteilig, also haben wir die Webvorlage entsprechend vereinfacht.




04
Eine entspannende Komposition, die nicht einmal unbedingt eines Entwurfs bedarf, wenn man ein gutes Gefühl für Farben hat und den Überblick über die Ausgewogenheit der Gesamtkomposition behält.







Ganz spannend ist hier übrigens, zu sehen, was passiert, wenn man den Teppich aus dem Rahmen nimmt und ihn um 90 Grad dreht. Manchmal ist das ja schon angelegt in der Bildhaftigkeit und läßt keine Wahl zu. Manchmal, wie hier, stellt sich heraus, dass die optische Wirkung ganz anders ist….


05
Im Entstehen….


06


Noch einmal in eigener Sache: Der nächste Kurs an der VHS ist für 2022 schon im Programm, diesmal wieder am Barbarossaplatz.

Danke noch einmal an Sive, Steffi, Rita, Anne-Marie, Urzsula und Meike für das wunderbare Wochenende, und allen anderen, die bei den Kursen 2021 dabei waren, sich interessiert haben, die Einträge gelesen und vielleicht sogar mit dem Gedanken gespielt haben, es selbst mal auszuprobieren.
Habt ein geruhsames, besinnliches, frohgemutes Jahresende und bleibt gesund.
Wir werden sehen, was 2022 auf die Kette bringt…..

Ich werde über den Jahreswechsel hinweg an einer kleinen Gigko-Teppich-Serie arbeiten. Das hat viel mit meiner derzeitigen Situation zu tun.
Die Klarheit wird, wie so oft, beim Weben kommen.


Rummelsburger Bucht _ Berlin. Kaum wiederzuerkennen.

Jetzt grätsche ich ein klein wenig in die Domäne von Juanjo, der sich seit Längerem schon auf die Suche nach etwas Spanischem in Berlin begeben hat. Aber ich konnte nicht widerstehen. Es passt gerade so gut in mein Leben.

Kein OKAPI, das stimmt. Aber auch schön.
Ich habe für mich das OKAPI übrigens als Maskottchen auserkoren. Ich finde, diese Puzzeltier kann sehr gut stehen für meine Art, das Leben zu verstehen und meins zu leben.
Viele Teilchen, die an anderes erinnern, haben sich im Laufe der Zeit zu etwas Eigenem verbunden. Friedlich, unscheinbar im Kontext, sanft. Ich mag das.
Ohne den Schatten zu kennen, hat Licht keine Bedeutung.



So, nach all den Erzählungen über die Geschichte und die Zukunft textiler Techniken und Künste in und um Großschönau herum….. kommen wir zu dem Wochenende, das mich hierher gebracht hat.
Inzwischen ist es schon ein erprobtes Paket:
Freitag 18 – 21 Uhr: Beginn, kurze Vorstellungsrunde, Einführung in die Geschichte und Philosophie der Bildwirkerei, Einführung in die Technik (kleine Materialkunde, kleine Werkzeugkunde, Vorbereitung des Webrahmens, Aufbringen der Kette.
Samstag 10 – 16 Uhr: Besprechung der Webvorlagen, Festlegung des Materials, der Faben, etc.Auswahl zwischen den Techniken: Geometrische Formen, Gewebte Verbindungen, Farbverläufe….Betreuung individuell an jeder Webstation, allgemeine Erklärungen zur Technik, Tipps und Tricks, Geschichte und neue Ansätze der textilen Kunst in der großen Runde.
Sonntag 10 – 16 Uhr: Fortsetzung der Webarbeit, Abschluss und Abnahme des Webstücks. Betreuung individuell an jeder Webstation, allgemeine Erklärungen zur Technik, Tipps und Tricks, Geschichte und neue Ansätze der textilen Kunst in der großen Runde. Fertigstellung und Abnahme der Arbeiten.
Das Besondere diesmal: Wir teilen einen wunderbaren Raum voller Graffitis an der Wand und voller Webstühle mit einer zweiten Gruppe von WeberInnen. Die werden entspannt 2 Meter schaffen, einen weichen, kuscheligen Schal. wir werden froh sein, wenn unser 10 x 10 cm Bild fertig wird. Spannend, beides in dieser räumlichen Nähe zu erleben.
Hier noch einmal ein Blick über die Schulter. Ihr kennt das ja: an jedem Webrahmen eine wunderbare Welt für sich…..
01







02










03







04







05



Es war eine schöne Erfahrung, die ich gerne wiederholen würde. Und ich hoffe sehr, wie immer, wenn ich mit all meiner Leidenschaft durch die Gegen reise, dass die Menschen, denen ich begegnet bin, denen ich versucht habe, den Weg in diese besondere Welt der Bildwirkerei zu ebnen, die Zeit genossen haben.

Einer der Orte, an dem der Textillehrfahrt vorbeiführt, DER ORT für mich bei diesem ersten Besuch ist die alte Webschule von Großschönau.

Ehemals Ausbildungsstätte für die WeberInnen in der Textilindustrie steht dieser Gebäudekomplex am Stadtrand seit einigen Jahren leer. Auch das kommt mir bekannt vor. „Viel Potential“, bekam man lakonisch in Spanien zu Antwort, wenn man den Eigentümer einer Immobilien fragte, die aufgrund ihrer Struktur, Geschichte oder Lage das Interesse geweckt hatte. Und je nachdem wo man unterwegs war, gab es davon einige, die mit ihrem Potential das eigene herausforderten um eine gemeinsame Zukunft zu denken.
„Viel Potential“, absolut. Aber auch eine enorme Herausforderung für Gemeinden mit einem Haushalt, der ungefähr so überschaubar ist, wie ihre Einwohnerschaft, zumindest kann ich mir das vorstellen. Und allein mit der Sanierung eines solchen Gebäudes ist es nicht getan. Es muss belebt werden, es sollte nachhaltig sein, es sollte Menschen Raum geben und Möglichkeiten: zu gestalten, zu erleben, zu vermitteln.


Dann gibt es Orte wie Großschönau, die haben Glück. Dort laufen zur richtigen Zeit wichtige Fäden zusammen: es gibt ein Gebäude und eine Idee; es gibt engagierte Menschen, die an ein Projekt glauben und es voranbringen wollen; es gibt offene Ohren bei Politik und Gemeinde, und bei den Menschen, zu deren Lebenserfahrung und Alltag diese Immobilie gehört.
Ah, fast vergessen: und es gibt Finanzierungsmöglichkeiten. Und so kommt es, dass in der ehemaligen Webschule von Großschönau bald wieder Leben sein wird. Wäre die Corona-Pandemie nicht gewesen, die alle Pläne allerorts über den Haufen geworfen hat, dann wäre das Projekt schon einen Schritt weiter.
Aber selbst so fügt sich alles recht vielversprechend. Geld zieht Geld an, auch hier. Das Eis zu brechen, ist immer am schwierigsten. Hat man das erst einmal geschafft, geht alles andere zwar nicht von selbst, aber doch wesentliche einfacher.
Zu dem Preisgeld aus dem Wettbewerb kommen jetzt weitere Gelder, die helfen werden, dass dieses Projekt Wirklichkeit wird. Ich bin sehr gespannt und wünsche es den GroßschönauerInnen.
Ich werde mich freuen, die Webschule auf meiner Reise zu besuchen. Eine Webstation in Großschönau. Das passt.


Textildorf. Textilhandwerk. Textilkunst. Darum bin ich hier, in der Peripherie, die ich so sehr liebe, in einer kleinen großen Stadt. Klein an Umfang, groß an Vergangenheit, wenn man an den Fäden zieht.
Großschönau kann davon berichten, wie sich der Sektor der Textilindustrie verändert hat, wie die Wende, aber auch die Entwicklung des Marktes gerade solche Regionen wie diese, die mit der Textilproduktion eng verwoben waren, mitgenommen hat.
Auch da klingt bei mir einiges an. Auch Wuppertal hat eine kleine Textilgeschichte und kennt den Überlebenskampf. Mein erster eigener Unterschlupf außerhalb der elterlichen Wohnung, etwas anderes kann man nicht dazu sagen, war eine leerstehende Bandweberei, mit großen Fenstern, hoher Decke und Spulen mit Goldgarn auf dem Dachboden.
Da wo Wuppertal das Bandwebermuseum hat und Bramsche das Tuchmachermuseum, hat Großschönau das Deutsche Damast- und Frottiermuseum.

Ein wahrer Schatz ist hinter diesen Türen verborgen. Faszinierende Hand-Webstühle mit einer Komplexität, die einem das Staunen ins Gesicht bringt. Selbst wenn man wenig weiss über dieses Handwerk, sind alleine die Objekte als solche von einer überzeugenden Ästhetik.
Schwärmt da gerade das Weberinnenherz? Mag sein. Und auch hier: Alle wissen wir, und sollten beim Bestaunen der Zeugnisse aus der Vergangenheit nicht vergessen, wie damals die Bedingungen waren (und je nachdem an welchem Ort auf diesem Globus man sich befindet, immer noch sind) unter denen die Menschen in der Textilproduktion gearbeitet haben.
Alle Info findet ihr auf der Website des Museums, daher unterlasse ich es hier jetzt ausführlicher darüber zu berichten. Ein Besuch vor Ort ist eh immer das Beste, und in der Weberei kennen sich viele wesentlich besser aus, als ich als Bildwirkerin.
Aber hier ein kleiner Blick hinter die Tür, denn das habe ich gerade noch geschafft am zweiten Tag, dank Steffi, die die Sonderöffnungszeit für uns netterweise möglich gemacht und uns durch die Räume geführt hat:
Die Handwebstühle:







Die Industriewebstühle










DER DAMAST

Soweit die Geschichte. Dazu kommt noch ein Textillehrpfad, der BesucherInnen durch das ganze Dorf führt und an Orten, die es noch gibt, und anderen, die schon längst verschwunden sind, die Vergangenheit bewahrt und die Grundlage bildet für eine mögliche Zukunft.

Eine Sage über die Lausche lautet so: Nur ausgesprochen selten lässt sich auf der Lausche ein Vogel von wunderlicher Gestalt beobachten. Sein Kopf und Schnabel scheinen von einem Lämmergeier zu stammen, die großen Fittiche vom Fregattvogel, der Schwanz vom Sekretär und der Ständer vom Storch. Das wunderschöne Gefieder ist von einzigartiger Farbenpracht. Dieses so seltsame anmutende Tier ist nichts anderes als ein mit einem bösen Fluch belegter Prinz aus dem Böhmerlande. Der Jüngling galt wegen seines schönen Gesichtes und der reizenden Gestalt, der Fertigkeit in allen Künsten und Wissenschaften seiner Zeit, der menschenfreundlichen und wohltätigen Wesensart als das vollkommene Leitbild eines Fürsten. Nur ein Laster haftete ihm an, er frönte etwas zu übereifrig der Jagd.
Es geschah bei einem Streifzug an den Ausläufern der Lausche. Zur Mittagsstunde umkreiste ein majestätischer Adler den Berg. Vom Bogen des Prinzen ausgesandt traf ein weit wie niemals zuvor fliegender Pfeil den König der Lüfte und dieser stürzte aus dem Himmel gen Boden. Der unglückliche Zufall wollte es, dass er in einen damals auf der Lausche befindlichen Garten eines Zauberers fiel. Der in den schwarzen Künsten bewanderte Mann schreckte durch das dabei verursachte Getöse aus seinem Mittagsschlaf empor und ward wütend über die Schäden an den Sträuchern und Blumen. Als er den Schützen mit seinem Bogen gewahr, griff der Magier zu seinem Zauberstab, berührte ihn damit und sprach die Worte: „Sei einer des Geschlechts, wovon du einen getötet, so lange, bis dich ein Jäger, der seiner Herrschaft nie etwas veruntreut hat, erlegt!“ Der Prinz wartet bis zum heutigen Tag auf seine Erlösung.
Frank Nürnberger: Die Sage vom Wundervogel auf der Lausche. In: Großes Oberlausitzer Sagenbuch. Oberlausitzer Verlag Frank Nürnberger, Spitzkunnersdorf 1998, ISBN 3-933827-01-9, S. 34–35.



Eigentlich gibt es nach vier Jahren Berlin keine Entschuldigung mehr dafür. Fakt ist aber, dass mich, wenn ich auf die Landkarte schaue, nach wie vor ein kurzer Moment der Orientierungslosigkeit überkommt, wenn ich von Berlin aus eine Reise plane, erst recht, wenn sie in den Osten geht. Absolutes Neuland. Immer noch. Immer wieder.
So spannend, und so viel zu entdecken. Ich werde nicht alles schaffen können in der Zeit, bevor die Reise mit dem KUKU_mobil, der WanderndenWebWerkstatt beginnt.

Aber das ist auch gut so, dann bleibt Vieles zu entdecken und zu erkunden wenn der Tag kommt, an dem ich mit dem Anhänger durch Deutschland trampe auf dem Weg in den Osten Europas, auf der Suche nach interessanten Webstationen, auf den Spuren textiler Vergangenheit…..
Jetzt aber erst einmal zur Oberlausitz. Neuland. Erster Besuch. Für jemanden aus dem Ruhrgebiet ist die Tagebauproblematik nicht neu. Für jemanden, der die vergangenen Jahrzehnte in einem Land gelebt hat, das von Landflucht gebeutelt wurde und wird, miterlebte, wie ländlichen Räume langsam ausbluten, selbst den Sprung getan hat von Stadt zum Land und erleben konnte, wie komplex und kompliziert dieser Schritt sein kann…. klingt viel an auf dem Weg in die östlichste Region Deutschlands, am Dreiländereck mit Tschechien und Polen.

Ziel ist Großschönau. Textilstadt. Klar. Sonst hätte ich nicht so leicht den Weg hierher gefunden.
Wenn man aus dem lauten, quirligen Berlin hierher kommt, ist die Ruhe und Überschaubarkeit erst einmal sehr erholsam. Und da ist Großschönau ein wunderbares Beispiel, denn es bietet eine fast idyllisch anmutende Kulisse mit der üppigen Natur und seinen Umbebindehäusern im gepflegten Stadtkern.
Natürlich wissen wir alle, dass die Welt anders aussieht, wenn man die Besucherbrille abnimmt, durch die zwar sehr genau geschaut werden kann, aber eher auf der Oberfläche des Gesamtbildes.

Wenn es dann zu einem Blick in die Tiefe kommen kann, um ein längeres Verweilen, eine Auseinandersetzung mit den Menschen vor Ort, erst dann bekommt der erste Eindruck eine neue Dimension.
Dazu hatte ich an diesem letzten Wochenende im Oktober keine Zeit. Ich war dort, um einen Intensiv-Webkurs zu geben, ich hatte gerade mal Zeit, um diese wenigen Schnappschüsse bei Tageslicht zu machen, auf dem Weg von der Unterkunft zum Ort des Kurses.
Genug, um meine Neugier zu wecken. Genug, um mir Gedanken zu machen, auf welchen Wegen mich das Leben wieder hierher führen könnte, genug, um zurückzukommen.

Soweit der kurze Besucherblick. Nicht mehr als ein Pinselstrich. Juanjo hatte Zeit, eine Wanderung bis auf die Lausche zu tun, den höchsten Berg des Zittauer Gebirges. Er hat sogar die Alpenspulwurmbeobachtungsplattform erklommen (ein tolles Galgenmännchenwort, fast noch besser als Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän, das kennen wir alle schon).
Danke an Steffi Friebolin, die massgeblich dafür verantwortlich ist, dass ich dieses Zipfelchen Welt für mich entdeckt habe.
Sie hat an einigen meiner VHS-Kurse teilgenommen, weil sie ihre Ausbildung zur Handweberin durch eine Exkursion in die Welt der Bildwirkerei ergänzen wollte. Sie arbeitet am Deutschen Damast- und Frottiermuseum in Großschönau und hat mir viel erzählt über ein spannendes Projekt für die Zukunft: die Wiederbelebung der Webschule.
Davon erzähle ich euch im nächsten Beitrag, damit es hier nicht zu lang wird.

Es ist wieder soweit. Inzwischen ist es ja zur Gewohnheit geworden, dass ich im Frühjahr, so gegen April-Mai, und im Herbst, so im November, mit einem Doppel-Wochenend-Intensiv-Kurs im Programm der VHS Tempelhof-Schöneberg auftauche.
Diesmal an einem neuen Standort, der Alten Mälzerei in Lichtenrade, in der die VHS seit Sommer diesen Jahres einige Veranstaltungen anbietet. Für mich ist es, so weit am Stadtrand es auch klingt, eigentlich gar nicht so schlecht, da es nah bei meinem Atelier liegt.
Aber davon einmal abgesehen fühlt es sich schon etwas seltsam an, dass zehn Personen auf einer gut einstündigen Reise ganz Berlin durchqueren, um sich am südlichen Stadtrand zusammenzufinden und gemeinsam ein webendes Wochenende zu verbringen.

Ein ganz besonderer Dank daher an Dörte, Sive, Steffi, Hannah, Aileen, Lucie, Dorothee und Karin, die diesen weiten Weg auf sich genommen haben.
Spannend sind diese Kurse für mich inzwischen auch deshalb, weil einige der Teilnehmenden nicht das erste Mal dabei sind. Das bedeutet, so würde ich gerne denken, dass ich es anscheinend geschafft habe, das Feuer meiner Leidenschaft weiterzugeben, oder zumindest die Neugier und Lust auf MEHR bei ihnen geweckt zu haben. Das bedeutet mir sehr viel.
Schön ist es natürlich auch, weil diejenigen, die mit der Bildwirkerei beginnen an den Webrahmen der anderen sehen können, wie es weitergehen kann. Und weil diese bunte Mischung es möglich macht, dass gemeinschaftliches Lernen stattfindet, sie sich gegenseitig Techniken erklären, Tipps geben. Und weil sie immer mutiger werden und die Werke immer komplexer. Und weil die Gespräche immer intensiver werden…..




Zwei Stücke wurden im vergangenen Frühjahr begonnen und konnten an diesem Wochenende vollendet werden.
Das ist eine große Herausforderung, denn sich in die Situation hineinzufühlen, die vor Monaten bestand, und den inneren Faden der Verbindung zum eigenen Werk wiederzufinden, ist gar nicht so einfach. Schön, dass es so gut geklappt hat.




An anderen Webrahmen sind „Erstlingsarbeiten“ entstanden. Diesmal hatten alle Teilnehmenden textile Erfahrung, nicht unbedingt vielleicht im Weben, aber doch im Umgang mit dem Faden. Das macht es mir natürlich leichter, das nötige Feingefühl für das Verhalten des Materials mit einzubeziehen in meine technischen Erklärungen.
Und immer, immer wieder ist es ein Fest für mich, wenn in den zwei Tagen, einer eigentlich viel zu kurzen Zeit für die Weberei, diese kleinen Schätze entstehen, die so unterschiedlich voneinander sind, wie die Menschen, die sie erdacht und gewirkt haben.
Die Welt steht Kopf





Grün




Berg und Wolke





Und dann gibt es Projekte, die begonnen wurden und an denen in Kürze weitergearbeitet werden wird. Vom 19.-21.11.2021 findet der zweite teil des Kurses statt. Ich werde euch berichten.
Pink



Café



Neu für mich auch: wir haben die Anzahl der Teilnehmenden auf 10 erhöht, es gab eine Warteliste und wir wollten niemanden „vor der Tür“ stehenlassen.
Dieser Kurs ist also tatsächlich ausgebucht, aber im April 2022 und im Mai 2022 wird es noch einmal einen geben und ich überlege gerade gemeinsam mit der VHS, ob es einen Sommerkurs 2022 geben könnte, vielleicht sogar schon MIT der Wandernden WebWerkstatt.
Ich freu mich schon!
Daniela Noack habe ich vor einigen Monaten in der KMH kennengelernt. Sie, mit der Gittarre auf dem Rücken, suchte die Gitarrenrunde von Rolf, die auf einen anderen Wochentag gewechselt hatte. Wir kamen ins Gespräch und vom Höcksken aufs Stöcksken, wie das nun mal so ist, wenn Eine gerne fragt und die Andere gerne erzählt.
Witzigerweise haben wir dabei den Faden erst gefunden. Einen Faden der uns in mein Atelier gebracht hat, zu einem kleinen Interview, denn Daniela schreibt schon seit Langem für „magazin forum“ über die unterschiedlichsten Menschen und tut dies in der Kolumne „Mein Büro“.
Tatsächlich abe ich für dieses Treffen meinen Laptop das allererste Mal ins Atelier gebracht. Denn dort tauche ich sonst sehr konsequent in die analoge Welt der Fäden ab.

Ich finde es ja immer wieder faszinierend, wie jemand in der Lage ist, aus den verworrenen Fäden eines langen Gesprächs einen klaren, kurzen, prägnanten und doch umfassenden Text zu schreiben.
Hier der LINK zum Artikel
Danke Daniela, es war ein Vergnügen und ich hoffe, nicht das letzte Mal, dass wir uns austauschen konnten.
Para mi gente de habla español, aquí la traducción del texto:
Andrea Milde(58), Tejedora de Tapices, Mariendorf
Entre bobinas de hilos y ovillos de lana asoman algunos mapas de Europa que anuncian el próximo projecto: el viaje con el Taller Textil Itinerante por el continente européo. Viajar siempre ha formado parte de la vida de esta artista alemána, nacida en la Cuenca del Ruhr. Después del bachillerato viajó por México y Guatemala. En Francia aprendió en la Ecole Nationale d’ Art Decoratif d’Aubusson la técnica clásica de los gobelinos y trabajó desde 1987 hasta 2017 en España como tejedora de tapices. Sus trabajos han podido verse en exposiciones en todo el mundo.
Desde 2017, Andrea Milde vive en Berlin. Pero su verdadero hogar es el telar. Como tejedora de tapices no fabrica tejidos sino cuadros, imágenes. „Pintar por números“ explica esta técnica, que combina el arte de la pintura con el oficio de tejer, en alusion al procedimiento de tejer determinados campos de una composición pictórica en un órden determinado. Primero hace un boceto. Los campos de diferentes colores se rellenan posteriormente. Cada elemento, cada matiz está tejido. Desde la imágen hasta la firma. Menos mal que ama la lentitud. Pues el ejercicio de este viejo oficio requiere una buena porcion de paciencia. La elaboración de un tapiz de uno por dos metros dura aproximadamente dos años.
En el telar cuelga una urdimbre de 20 metros. Suficiente para los próximos tres tapices de aproximadamente 5 metros que pinesa tejer en los próximos 15 años. Manos unidas pueden verse en el recien terminado Berlinteppich. Son el símbolo de una ciudadanía dispuesta a defender el encuentro y el entendimiento de las culturas y anuncian el viaje por Europa. En al vida, en el arte, donde sea: Andrea Milde quiere entretejer hilos.
Das ist Wotan. Fast 15 Jahre war er Teil unseres Lebens, hat uns absolut verlässlich von hier nach dort gebracht, sich nie beklagt, nie gehadert mit seinem Schicksal.
Viele gemeinsame Erinnerung stecken in ihm. Jetzt ist auch seine Zeit gekommen. Der TÜV ist eine hohe Hürde geworden, die er nur mit einem großen finanziellen Schubs nehmen könnte, den wir ihm nicht geben können.
Seitdem wir die Entscheidung getroffen haben, steht die Frage im Raum: Was tun?

Einfach so auf den Schrott? Geht gar nicht. Ausschlachten? Gruselig. Eigentlich fährt er sich ja auch nach wie vor ganz wunderbar und läßt sich nichts anmerken. Halt nur wenn man in ihn hineinschaut. Aber mit abgelaufenem TÜV ist nicht viel zu machen. Tüftler…….!!! Das wär was.
Tatsächlich haben wir es geschafft, Wotan in Hände zu geben, von denen wir hoffen, dass sie liebevoll versuchen werden, ihm noch das ein oder andere Jahr auf dem Asphalt zu ermöglichen.
Und ich habe mich Hals über Kopf verliebt in eine silbergraue Volvo-Dame.

Sieben und Sieben. Wie so oft war ich auf der Suche nach ganz etwas anderem und habe mich vom Weg abbringen lassen.
Es gab eine kurze Zeit, da habe ich die Lieder von Maffay echt gerne gehört. Das hatte ich fast vergessen. Heute bin ich daran erinnert worden.
Karat habe ich erst viel später kennengelernt. Naja, und heute hat es irgendwie gepasst, beide Versionen zusammenzubringen.
Ihr könnt selbst entscheiden, welche ihr besser findet, oder welche euch leichter unter die Haut geht. Wenn überhaupt. Denn, Zeiten ändern sich.
Der Wert eines Menschen besteht nicht in dem was er leistet….sondern in dem was er ist.
Vor Kurzem, nach meinem Eintrag im Blog mit dem Zitat aus dem Prediger Salomo wurde ich von einem guten Bekannten gefragt, ob ich etwa religiös geworden wäre. Nein, bin ich nicht.
Aber ja, die Suche nach der eigenen Spiritualität, dem eigenen „Du darfst, wähle selbst“ beschäftigt mich mit dem Fortschreiten der Jahre immer mehr.
Meine Kunst, Stille und das Labyrinth sind mir dabei wertvolle Gehilfen.
Wenn ich diesen wunderbaren kleinen Film von Norbert Busè aus dem Jahre 2021 sehe, den ich zufällig im Internet gefunden habe, regt sich in mir zuallererst ein Widerstand, gegen den institutionalisierten Weg, gegen den Habit, gegen die Ordensdisziplin….
Aber wenn dieser erste Widerstand überwunden ist, dann beginnt auch bei mir ein aufmerksames Zuhören, dann bleiben die tiefen Worte bei mir hängen:
„Ein Mensch der nicht schweigen kann, kann auch nicht hören.
Er kann das Anliegen, das der Anderen hinter und zwischen seinen Worten hat,
nicht hören.“

Und wie von selbst kam mir ein anderer Film in den Sinn, den ich vor vielen, vielen Jahren in Spanien gesehen habe und der mich damals tief beeindruckt hat:
Die große Stille ist ein mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Philip Gröning aus dem Jahre 2005, der das Leben in dem Kartäuserkloster La Grande Chartreuse zeigt. Gemäß der Spiritualität des Ordens wird im gesamten Film kaum gesprochen,
Die Idee zu einem Film dieser Art kam dem Regisseur bereits im Jahr 1984. Allerdings hatte er zum damaligen Zeitpunkt keine Dreherlaubnis bekommen. Der Prior war der Ansicht, die Zeit sei noch nicht reif genug für einen solchen Film. Im Jahr 1999 kam dann die erwartete Dreherlaubnis und die Produktion fand im Frühjahr und im Sommer 2002 statt, innerhalb von 4 Monaten. Im Winter 2003 nutzte er nochmals drei Wochen. Er selbst lebte mit den Kartäusern im Kloster in einer Zelle. Weil er kein Team anwesend haben durfte, entschied sich Gröning für eine Kombination aus digitalen und analogen Aufnahmen.
Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.
Selten, aber doch. Manchmal. Weil, anders geht kaum noch.
Selten, aber noch. Mein persönlicher Kompromiss: mobil erreichbar ja, mobiles Internet, nein. Ich liebe mein kleines Handy auf dem ich für ein „z“ auf einer Taste 4 mal drücken muss und Nachrichten dementsprechend lange brauchen.
Aber auch das wird sich ändern, sobald ich mit dem KUKUmobil unterwegs bin. Weil, anders wird es kaum gehen. Und wie es immer so ist: wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen, dann fügt man sich überraschend schnell.

Danke an Philip Kaufmann für dieses schöne Foto bei einer seltenen Tätigkeit.
Samstagmorgen. Berliner U-Bahn. 12 Personen in einem Waggon. Kein Handy/Smartphone in Sicht. Blickwechsel,vorsichtig, herausfordernd, neugierig, freundlich…. gegenseitiges Erkennen, Gespräche, zwei Bücher.

Wahrnehmung ist immer selektiv. Das Besondere weckt auch in reizüberfluteten Alltagen die Aufmerksamkeit.
Und 12 Menschen in einem Waggon ohne Handy und Smartphone ist eben etwas Besonderes geworden. Ich gebe zu: mich überkam ein Gefühl von Nostalgie.

31 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.
Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.
Der Prediger Salomo (Kohelet) (Pred 3,14)
Hay tiempo……
https://www.rtve.es/play/audios/cafe-del-sur/canciones-para-hoy-03-10-21/6123051/





Bis zu den Knöcheln im Moos…..

