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Bautagebuch. Teil XI.

 

Die Rähmbalken. Viel beklopft und oft bewegt.

Der Rähm (Wandpfette, Rähmholz oder Rähmbalken) ist der obere waagerechte Abschluss der Fachwerkwand bzw. der Holzrahmenkonstruktion und dient in der Regel als Auflager für Balkenlagen oder Sparren (Wikipedia dixit).  Als Verbindungsstück zwischen Wand und Dach ist eine seiner Funktionen, die von oben kommenden Kräfte auf die Ständerstruktur abzuleiten.

Ich weiss nicht zu sagen, wie oft wir diese zwei fünf Meter langen Balken aus Douglasie in den vergangenen Wochen hin und her bewegt haben. Irgendwann fanden sie ihren Platz auf zwei Böcken im überdachten Materiallager der Werkstatt. Von dort haben wir sie vorgeholt, um sie bearbeiten zu können.

Die Arbeit an den Zapflöchern und den Endverbindungen lief parallel zu allem anderen. Manche Masse haben wir aus der Bauzeichnung übernommen. Bei anderen wollten wir warten, bis das Ständerwerk steht, denn nur so konnten wir sicher sein, eventuelle Abweichungen vom theoretischen Mass, die sich durch die Nachbearbeitung des Materials ergeben haben (z.B. mit dem Dickenhobel bei verzogenen Pfosten oder Streben), durch die händische Säge- und Stemmarbeit entstanden sind, entsprechen auszugleichen.

An diesen Balken habe ich gelernt, Zapflöcher zu stemmen, Brüstungen sauber herauszuarbeiten, darauf zu achten, dass die Wände im rechten Winkel verlaufen, egal ob das Zapfloch 2, 4 oder 6 cm tief ist. Ich hab gelernt den Boden des Zapfloches, auch wenn es 6 cm tief ist, sauber und mehr oder weniger gerade zu arbeiten.

Und in der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Bauteil habe ich es lieben und schätzen gelernt, bin mir bewußt geworden, wie wichtig diese beiden Teile im Gesamtgefüge sind und wie wichtig daher auch eine sorgfältige Bearbeitung. Sie haben es mir nicht einfach gemacht. Ich bin mehr als einen Tag nachhause gekommen, und habe den vom Klopfen müden und schmerzenden Arm auf den Tisch gelegt und versucht, ihm die notwendige Ruhe zu gönnen, um für den  kommenden Tag wieder einsatzbereit zu sein.

 

Das Haus auf dem Kopf.

Vor dem Einbau der Rähmbalken, mit dem sie im erste Schritt dem Ständerwerk einen Abschluss geben, haben wir das fehlende Längswand-Element mit 3 Pfosten, 1 Riegel und 4 Kopfbändern vorbereitet und uns abgesichert, dass alle Teile gut zusammenpassen.

Unser Ziel: Die Balken wenn möglich beim ersten oder zweiten Versuche einzubauen. Sie sind so schon schwer genug.

Einmal mehr bin ich beeindruckt von der Einfachheit und zugleich Raffinesse der traditionellen Zimmermenscharbeit. Ich hab mich nie intensiv damit auseinandergesetzt, aber ich bin mit dem schwarzen Fachwerk auf weißem Grund aufgewachsen und merke, wie sehr ich instinktiv Sicherheit und Stabilität damit verbinde.

Die Anprobe

Auch die Dachkonstruktion, so weit wie es geht, auf ihre Passgenauigkeit zu prüfen BEVOR die Rähmbalken eingesetzt werden, ist natürlich mehr als sinnvoll. Besser auf 50 cm oder 1 m Höhe zu ruckeln und zu zuckeln, als auf 2,50 m Höhe auf der Leiter balancierend.

Die Rähmbalkenenden

Wie schon bei den Balken in der Bodenstruktur, bei denen wir die Mattkesche Verbindung gearbeitet haben, war auch die Planung der Form der Enden der Rähmbalken eine wichtige und kniffelige Aufgabe. Sie sind mehr noch als am Boden ein Schlüsselpunkt, an dem sich die Eckpfosten (hellgrün) mit dem Giebelabschluss (rosa) und den Dachsparren (lachs) treffen. Auch hier hat Gudrun versucht, unter Berücksichtigung aller Anforderungen die sinnvollste Verbindung zu denken und umzusetzen. Auf ihrem Bildschirm sieht sie so aus:

Am Balken so:

Der Abschluss des Ständerwerks.

Der Rähmbalken auf der Fensterseite sitzt ungefähr einen halben Meter tiefer, als der auf der Terrassentürseite. Das ist gut. Dafür sind aber 9 Pfostenzapfen und 4 Kopfbandzapfen einzufügen. Das ist eine Herausforderung.

Der Rähmbalken auf der Terrassentürseite liegt höher, aber er hat „nur“ vier Pfosten aufzunehmen. Das, und die Übung, sollten helfen. Und Ulis und Gudruns Kraft.

Belastungsprobe:

Uli hat seine Belastungsprobe gemacht, ich die meine:

 

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