Bautagebuch. IX

Auf geht’s in die Höh‘

17. September 2022. Bautag 42. Endlich ist es soweit. Durchwachsenes Wetter, laut Vorhersage, mit einem trockenen Zeitfenster am Nachmittag, das so groß ist, wie meine Terrassenfaltschiebetür und daher vielleicht groß genug für unser Vorhaben.  Denn allem zum Trotz haben wir uns vorgenommen, dass es HEUTE geschehen soll: Das Ständerwerk soll stehen und zwar nicht nur im Probelauf nach Penelope-Taktik, sondern so richtig, so für immer und ewig.

Mit einem besorgt-beschwörend den Himmel beobachtenden Auge und entschlossenen Herzens haben wir das Warten auf das Zeitfenster mit den notwendigen Vorbereitungen verbracht, die letzten noch anstehenden kleinen Arbeiten vollendet, die Bauteile zusammengesucht…..

Die Bauteile für Giebel und Verstrebung.

Die vier Eckelemente der Längsseiten hatten wir im Vorfeld schon ausgerichtet und zusammengesetzt.

Dann traute sich die Sonne so langsam raus und wir hatten genug Energie gesammelt, um unser Tagewerk in Angriff zu nehmen.

Die Einzelteile hatten wir alle schon einmal einzeln eingesetzt und wußten, dass die Zapfen ziemlich gut zu ihren entsprechenden Zapflöchern passten. Nun sollte sich herausstellen, wie gut sich das Gesamtgefüge ineinander fügt. Natürlich haben wir  gehofft, dass es gut gehen würde…. Und es war toll, dass wir mit den helfenden Händen von Uli und Juanjo zählen konnten, denn bei aller Bemühung um Passgenauigkeit wußten wir, dass es wahrscheinlich darauf hinauslaufen würde, jedes Stück nicht nur einmal zu bewegen….

Erster Streich:

Tatsächlich haben wir hier und da nachbesser müssen, einen Grat wegstemmen, eine Brüstung nacharbeiten, eine Fase anbringen müssen, um das Zusammenfügen zu erleichtern.

Aber es waren tatsächlich nicht viele Nachbesserungen notwendig. Es war eben alles bis ins Detail geplant und so genau wie möglich umgesetzt worden. Und maschinelle und handgefertigte Schnitte haben ausreichend gut zusammengepasst.

Die einzelnen Seitenteile stehen an sich alleine im Schwellenbalken der Bodenstruktur, davon sind wir überzeugt, aber trotzdem setzen wir die Verstrebung auf der Giebelseite mit ein, um ein eventuelles wenn auch sehr unwahrscheinliches Kippen zu vermeiden. Macht was her, Ecke steht.

Zweiter Streich:

Ran an die zweite Ecke. Die hatten wir schon einmal eingesetzt und wußten, wo wir noch nachbessern mußten. Daher gingen die Arbeiten entsprechend schnell vonstatten.

Dann gab es Momente, da war die pure Körperkraft angesagt. Uli hat funktionelles Krafttraining am Ort absolviert, und Gudrun hat den Hammer mit Kraft und Schwung zum Einsatz gebracht, und das, was trotz Nachbesserung noch nicht zusammen kommen wollte, zusammengebracht.

Die Seitenteile am Hinterteil des KUKUmobils stehen, mit ihren Verstrebungen.

Dieses war der zweite Streich und der dritte folgt sogleich…..

Dritter Streich:

Fünfter Streich:

Jetzt, wo alle vier Eckteile stehen, geht es an die Giebelseiten. Sie stützen die Längsseiten nach Innen mit den Streben und der Riegel, der mit der Schwalbenschwanzverbindung von außen in die Eckpfosten eingesetzt wird, hält die Teile so zusammen, dass sie nicht nach außen kippen können.

Unser Tagesziel ist erreicht. Das Zeitfenster hat gerade so gepasst. Es wird kalt, feucht und dunkel. Gerade noch Zeit genug, um das KUKUmobil mit seinem neuen Raumvolumen für den kommenden Regen vorzubereiten.

Zugegebenermaßen gab es einen kurzen Moment des Zweifels, ob wir alles doch noch einmal abbauen sollen, oder ob wir das stehende Ständerwerk so weit absichern können, dass ihm der Regen nichts ausmachen kann. In dieser halben Sekunde des Zögerns war diesmal mein Drängen das Zünglein an der Waage FÜR ein Stehenlassen. Auch ich war mir nicht sicher, ob wir eine gute Lösung für den Regenschutz finden würden, aber ich war mir absolut sicher, dass ein Abbau zu diesem Zeitpunkt, nach diesem Krafteinsatz und der Freude über das Geschaffte eine so große Frustration mit sich gebracht hätte, dass es auch mir sehr schwer gefallen wäre, mich aus diesem Tal wieder herauszuarbeiten.

Letzter Streich:

Also haben wir an der höchsten Stelle des Ständerwerks einen Längsbalken angebracht, über den wir die riesige und schwere Baustellenplane mit Ach und Krach und viel Gezottel und Gezerre drüber bekommen haben. Und die letzten vereinten Kräfte reichten gerade noch, um sie so zu befestigen, dass sie die kommenden drei Tage Baupause an ihrem Platz bleiben und ihre Schutzfunktion gut erledigen würde. Gefühlt war dieser „letzte Streich“ anstrengender als all das, was wir den gesamten Tag über geschafft hatten. Aber dieses Gefühl ist sicherlich der Erschöpfung geschuldet und läßt sich aufwiegen mit der Befriedigung, die das Bewußtsein uns gibt, einen wichtigen Schritt voran gekommen zu sein.