2023 Museum Kesselhaus _ Berlin

BILDWIRKEREI im KESSELHAUS

Foto: Katalin Nagy

Naja, seit zwei Monaten stehe ich mit dem KUKUmobil am Museum Kesselhaus. Seit einem Monat hat das Museum wieder geöffnet und mit seinem Kulturprogramm für 2023 gestartet. Das sich beides in irgendeiner Weise miteinander verbindet, das ist so wie 2 und 2 zusammenzurechnen und bei 4  anzukommen.

Es gab also einen Bildwirkereikurs im Museum Kesselhaus. Kessel und Faden. Das passt erstaunlich gut zusammen.

Diesmal war es eine Art „Aufbaukurs“ Bildwirkerei. Alle, die an diesem Kurs teilgenommen haben waren schon mindestens einmal in einem Kurs bei mir.

So war der Anspruch ein anderer also gewohnt: die Grundkenntnisse waren vorhanden, alle kamen schon mit dem Wissen, worum es geht und worauf es ankommt und mit einem Entwurf, den sie umsetzen wollten. Die Grundlagen der Technik waren geklärt, das Ziel wagemutiger.

Einige brachten auch begonnene Arbeiten aus vorherigen Kursen mit, um sie fertigzustellen. Das Leben macht es nicht immer einfach im normalen Alltag die Zeit und Ruhe freizuschaufeln, die zum Wirken notwendig ist. Da braucht es manchmal einen äußeren Rahmen, wie ein Kursdatum.

Was immer gleich bleibt ist das kleine Wunder: Jede Arbeit ist eine Welt für sich. Jede Arbeit ist ein kleines Juwel, entstanden aus ein paar Fäden und viel Zeit, Energie, Beharrlichkeit, Freude und Konzentration.

Deisy

Deisy kommt aus Venezuela. Sie hat im ersten Kurs schon einen Baum gewebt. Nicht irgendeinen, sondern DEN Baum Venezuelas: einen Araguaney. Diesmal soll auf dem Webrahmen ein weiterer typischer Baum aus Venezuela entstehen: der Apamate, der ähnlich wie hier unsere Zierkirschen, die Straßen rosa schmückt, wenn er blüht.

 

Lucie

Lucie war in einem meiner ersten Kurse schon mit dabei und immer wenn die Herausforderungen des Lebens  es zulassen, folgt sie der Einladung zu einem weiteren Kurs. Unter anderem auch, um das Bild zu beenden, das sie irgendwann einmal begonnen hat: eine Kaffeebohne.

Sie hat ihren eigenen Webrahmen und ist daher bei der Entwurfsarbeit nicht daran gebunden, dass er in die drei Tage „passen“ muss. Sie klappt den Webrahmen am Ende des Kurses zusammen, und zu Beginn des nächsten wieder auseinander.

Die Aufgabe besteht darin, die Fäden, die man irgendwann losgelassen hat, sinnvoll wieder aufzunehmen. Beharrlichkeit, halt.

Für die herausfordernde Arbeit an den vielen in der Vertikale fast parallel verlaufenden Streifen, die ihr Entwurf birgt, ist uns eine schöne Lösung eingefallen: in bestimmten Abständen läuft ein Faden einmal über die gesamte Breite und schliesst so alle Spalten. Sie hat entschieden, dass dieser Faden sich auch farblich absetzen soll, und die Wirkung begeistert mich total, nicht nur optisch, sondern auch pragmatisch.

 

Angela

Auch Angela ist nicht das erste Mal bei einem Kurs mit dabei. Auch sie hat einen eigenen Webrahmen und kann daher frei vom Zeitdruck an ihrem Stück arbeiten. Das führt oft, wie bei ihr auch, dahin, dass man in Serien denkt: zum Beisiel ein Stück in den unterschiedlichsten Techniken durchzuspielen, oder unterschiedliche Techniken an einem Stück zu üben…..

Das heisst sie kann sich um das kümmern, was an den Wochenendkursen immer etwas zu kurz kommt, weil da das kleine Bild, das entstehen soll, im Mittelpunkt steht : Technik, Technik, Technik…….

 

Maren

Auch Maren arbeitet an einer kleinen Serie: es geht um die Sinnesorgane. Für mich ist es schön, zu sehen, dass die Begeisterung für die Bildwirkerei nicht nur für einen kurzen Augenblick in das Leben anderer geschwappt ist, sondern sich dort „festgesetzt“ hat.

Nach einer Serie kleiner Teppiche, die jeweils einem Sinnesorgan gewidmet sind, geht es jetzt darum, sie alle in einer  größeren Arbeit zusammenzubringen:

 

Katalin

Katalin hat ihren kleinen Arbeiten aus dem vorherigen Kurs mitgebracht und sich diesmal dafür entschieden, eine größere Arbeit in Angriff zu nehmen.

Ihre Bildkomposition ermöglicht es ihr, die Kontur als Stilelement aufzunhemen oder aufzubrechen, was es sehr spannend macht. Und sie kann Farbverläufe anlegen, die den flächigen Formen sehr viel Lebendigkeit geben werden.

 

Charlie

Charlie ist das zweite Mal dabei. Ihre zweite Bildwirkerei, die im entstehen ist, macht aus dem ersten Bild den Beginn einer kleinen Serie. Sie ist bei der gleichen Farbpalette geblieben. Aber da, wo bei der ersten Arbeit eine Küstenlinie sich vor dem Sonnenuntergang schob, steht jetzt ein japanisches Tempeltor.

Wie so oft bei der Wirkerei ist auch hier der Kreis mal wieder ein Thema. Und nicht nur dass, sondern der konzentrisch angelegte Farbverlauf ist und bleibt eine große Herausforderung für jede Wirkerin.

 

Hannah

Auch Hannah läßt sich gerne von der japanischen Kultur inspirieren. Das kann ich so sagen, weil die Bildwirkerei, an der sie jetzt arbeitet der dritte Entwurf ist, den ich begleite. Es gibt schon einen Vulkan, und es gibt eine Welle.

Das Spannende ist, dass auch bei diesem Entwurf die Farbpalette sehr nah bei der anderen liegt. Aber die  Kette ist fein und vor allem hat sie sich für einen sehr feinen Schuß entschieden, was natürlich zu einem ebenso feinen Gewebe führt. Zusammen mit der Bildkomposition, die sehr flächig angelegt ist, bekommt das Bild eine unglaubliche Ruhe und Konzentration.

Ein besonderes Thema: Der Spalt in der Vertikalen. Der Durchbruch in der Wand, der den Blick in die Ferne zulässt, überträgt sich auf das Gewebe, und ist als Spalt angelegt. Das ist für diese Komposition vollkommen schlüssig. Soviel zum Thema „Verbindungen“. Manchmal ist es auch stimmig, wenn es keine gibt.

 

Als aufmerksame Beobachter ist euch natürlich aufgefallen, dass ich keine fertige Arbeit zeige. Das hat seinen Grund: Dank der neuen Konstellation von Kursraum, Material und Zeitlicher Verfügbarkeit und der Großzügigkeit des Museum Kesselhaus konnten wir den Zeitdruck ganz zu beginn schon vor der Tür lassen.

 

Einige der Teilnehmerinnen haben eh inzwischen ihren eigenen Webrahmen und sind daher eigentlich von den Kursterminen und über lange Strecken auch von meinen Ratschlägen unabhängig.

Und alle habe ich einladen können, einfach an einem der Mittwochnachmittage zu kommen, an denen die Treffen rund um das Stoff.Taschen.Tuch stattfinden und ich eh vor Ort zu finden bin.

 

 

Diese Einladung gebe ich übrigens an euch alle weiter. Wenn ihr Lust habt zu Sticken, oder irgendein Fadenwerk im Körbchen liegen habt, das gerne mal ausgeführt werden möchte, wenn ich das Museum Kesselhaus und seine Umgebung kennenlernen wollt, wenn ich Lust auf einen Plausch habt, dann kommt gerne mittwochs zum Museum Kesselhaus. Wir sind von 15 bis 19 Uhr  vor Ort zu finden, draußen, wenn das Wetter es zuläß, ansonsten irgendwo in diesem wunderbaren Gebäude. Ich würde mich freuen.